Fahrzeugtechnische Berufe

Neuordnung

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Neuordnung der Kfz-Berufe 2013

"Nach der Neuordnung ist vor der Neuordnung"

10 Jahre nach der Einführung des Kfz-Mechatronikers ist dieser neu geordnet worden. Entgegen verbreiteter - auch offizieller - Darstellungen ist nicht die technologische Entwicklung Ursache dafür, sondern es überwiegen berufsstrukturelle Gründe: die Ausbildung zum Kfz-Servicemechaniker/ zur Kfz-Servicemechanikerin hat mehr Probleme hervorgebracht als gelöst  (vgl. Becker u. a. 2012) und der Ausbildungsberuf "Mechaniker/in für Karosserieinstandhaltungstechnik" traf auf nur wenig Akzeptanz.
So hat der Ausbildungsberuf Kfz-Mechatroniker/in zum 1.8.2013 eine neue Struktur:

Struktur der Berufsausbildung in fahrzeugtechnischen Berufen:
Struktur der Ausbildungsberufe im Berufsfeld Fahrzeugtechnik

 

Die markantesten berufsstrukturellen Veränderungen der Neuordnung 2013 sind:

  • Die Erprobungsverordnung zur Ausbildung zum/zur Kfz-Servicemechaniker/in läuft zum 31. Juli 2013 aus. Ab dem 1.8.2013 werden keine neuen Ausbildungsverträge mehr in diesem Beruf geschlossen.
  • Die Ausbildung zum /zur "Mechaniker/in für Karosserieinstandhaltungstechnik" wird zum 1.8.2013 aufgehoben; stattdessen kann der Schwerpunkt "Karosserietechnik" im Ausbildungsberuf Kfz-Mechatroniker/in gewählt werden.
  • Die Herausforderungen durch Elektroantriebe sowie die damit verbundene Hochvolttechnik wird in allen Schwerpunkten - vor allem aber im neuen Schwerpunkt "System- und Hochvolttechnik" berücksichtigt.
  • Der Rahmenlehrplan wird entsprechend der neuen Lehrplanstruktur der KMK kompetenzorientiert ausgerichtet. Die Lernfelder sollen die Kompetenzentwicklung in den beruflichen Handlungsfeldern "Service", "Reparatur", "Diagnose" und "Installation" unterstützen. Der Lernfeldreihenfolge liegt ein Kompetenzentwicklungsmodell zugrunde (vgl. Becker 2009).
  • Die weiteren fahrzeugtechnischen Ausbildungsprofile werden voraussichtlich im Jahr 2014 neu geordnet und erhalten die gleichen integrativen und gemeinsamen berufsprofilgebenden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten.
  • Die Ausbildungsstruktur gliedert sich nicht mehr in eine berufsfeldbreite Grundbildung für das erste Jahr und eine Fachbildung für das 2., 3. und 4. Ausbildungsjahr, sondern in eine Ausbildungsphase vor Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung (1. bis 18. Monat) und eine Phase nach Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung, wobei sich die Prüfungsinhalte für Teil 1 der Prüfung über die Inhalte der ersten 18 Monate erstrecken.
  • Teil 1 wird durch einen Serviceauftrag (der aus bis zu 3 Teilaufgaben bestehen kann) anstatt 3 Arbeitsaufgaben im Umfang von 5 Stunden (statt zuvor 7 Stunden) geprüft. Innerhalb dieser Zeit sollen nun 120 Minuten schriftliche Aufgabenstellungen (statt 180 Minuten) und ein 10-minütiges situatives Fachgespräch stattfinden.
  • Teil 1 der gestreckten Prüfung kann sich nun ausdrücklich auch auf das Bremssystem beziehen, welches als "Bremsmechanik" im Rahmen eines Serviceauftrags geprüft werden kann.
  • In Teil 2 werden nun 3 (statt 4) Arbeitsaufgaben geprüft; die Prüfungsbereiche und zeitlichen Umfänge bleiben unverändert.
  • Die Bestehungsregelung wird wie folgt angepasst (mindestens ausreichende Leistungen insgesamt; in mindestens 2 Prüfungsbereichen von Teil 2 ausreichende und in allen Bereichen von Teil 2 keine ungenügenden Leistungen):

    alt neu
    Prüfungsbereich Gewichtung Prüfungsbereich Gewichtung
    Teil 1: 35 % Teil 1: Serviceauftrag 35 %
    Teil 2: 65 % Teil 2:  
    Kundenauftrag 50 %*0,65= 32,5 % Kundenauftrag 35 %
    Kraftfahrzeug- und Instandhaltungstechnik 20 %*0,65= 13 % Kraftfahrzeug- und Instandhaltungstechnik 10 %
    Diagnosetechnik 20 %*0,65= 13 % Diagnosetechnik 10 %
    Wirtschafts- und Sozialkunde 10 %*0,65= 6,5 % Wirtschafts- und Sozialkunde 10 %


Literatur:

Becker, M. (2009): Kompetenzmodell zur Erfassung beruflicher Kompetenz im Berufsfeld Fahrzeugtechnik. In: Fenzl, C.; Spöttl, G.; Howe, F.; Becker, M. (Hrsg.): Berufsarbeit von morgen in gewerblich-technischen Domänen. Bielefeld: W. Bertelsmann, S. 239-245.

Becker, M.; Spöttl, G.; Karges, T.; Musekamp, F.; Bertram, B. (2012): Kfz-Servicemechaniker/in auf dem Prüfstand. Chancen und Grenzen zielgruppenspezifischer Berufsausbildung. Bielefeld: W. Bertelsmann, Reihe Berichte zur Beruflichen Bildung. (Link zum Verlag)

 

Neuordnung 2003

 
Die fahrzeugtechnischen Berufe wurden zum 1.8.2003 neu geordnet.

Der Kfz-Mechatroniker hat die drei Berufe Automobilmechaniker, Kfz-Elektriker und den Kfz-Mechaniker abgelöst.

Gleichzeitig sind 4 weitere fahrzeugtechnische Berufe neu geordnet worden:

  • Mechaniker/in für Karosserieinstandhaltungstechnik
  • Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/in
  • Zweiradmechaniker/in
  • Mechaniker/in für Land- und Baumaschinentechnik
Hier gibt es Informationen zur wissenschaftlichen Begleitung der Neuordnung von 2003.

Neuordnung der Kfz-Berufe - Stand: 17. Juli 2014