Protokoll der ersten Evaluationssitzung im Modellversuch SEDIKO

Protokoll der Programmevaluationssitzung im Modellversuch "Lernfeld- und Lernraumgestaltung zur Förderung der Service- und Dienstleistungskompetenz in den neuen IT-Berufen" (SEDIKO)
Sitzung, am 28.01.2000 an der Universität Gesamthochschule Kassel; 11.30 bis 15.30 Uhr

Anwesende:

1. Laufzeit des Vorhabens
2. Projektbeteiligte
3. Projektziele
4. Bisherige Arbeiten im Projekt
5. Diskussion des Vorhabens anhand der beiden Fragebögen mit Bezug auf die Programmziele und -wirkungen
5.1 Fragebogen 1: Einschätzung des Vorhabens durch die Projektbeteiligten mit Bezug auf die Programmziele
5.2 Fragebogen 2: Bewertung der erzielten Transfer- und Disseminationswirkungen
5.3 Beurteilung des Verlaufs der Evaluationssitzung durch die Teilnehmer
6. Verortung des Projektes im BLK-Programm "Neue Lernkonzepte in der dualen Berufsausbildung"
7. Fragen an das Projekt von Seiten des Programmträgers
8. Fragebögen

1. Laufzeit des Vorhabens (Verbundvorhaben der Länder Schleswig-Holstein (Federführung), Bremen, Hessen, und Thüringen)

01.10.1998. bis 30.09.2001

2. Projektbeteiligte

3. Projektziele

Die neuen Aufgaben und Kompetenzanforderungen im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik haben ihre ordnungspolitische Berücksichtigung in den Berufsbildern der neuen IT-Berufe gefunden. Für diese neuen Berufe mit technischer wie kaufmännischer Ausrichtung sind unter curricularen und didaktisch-methodischen Aspekten neue schulische Lernkonzepte erforderlich. Hierzu sollen im einzelnen Lernfelder und Lernräume so gestaltet werden, dass Service? und Dienstleistungskompetenzen, die sich an den beruflichen Arbeits- und übergreifenden Geschäftsprozessen orientieren, optimal und prospektiv gefördert werden.
Daraus ergeben sich für die beteiligten Modellversuchsschulen folgende gemeinsame Fragestellungen:

4. Bisherige Arbeiten im Projekt

Herr Kapelle, der Projektkoordinator, stellt das Konzept und den Bearbeitungsstand im Vorhaben SEDIKO vor: Das Projekt befindet sich derzeit in der Phase der praktischen Erprobung. Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer Kommunikationsstruktur zwischen den Teilnehmern. Dazu wird über eine eigene Internet-Homepage (extern und intern) als auch die Veranstaltung von Videokonferenzen eine Infrastruktur der vier am Modellvorhaben beteiligten Länder bereitgestellt. Die Durchführung gemeinsamer Workshops aller Versuchsbeteiligten (zwei wurden bisher durchgeführt) werden durch die große örtliche Distanz zwischen den Länder behindert. Zusätzlich wird beklagt, dass die zeitlichen und finanziellen Ressourcen (z. B. schon jetzt wird ein zu knapper Projektmittel-Etat für die Reisekosten deutlich) es nicht ermöglichen mehr als 2 bis 3 Treffen pro Jahr abzuhalten. Trotz dieser Schwierigkeiten habe sich ein produktives Arbeitsklima eingestellt. Am 28. und 29. März findet der dritte Workshop aller Teilnehmer in Sediko in Bremen, am Schulzentrum Utbremen, statt. Dieser wird wie die beiden vorangegangenen Treffen, neben dem Erfahrungsaustausch auch Unterrichtsbesuche an der Modellversuchsschule vorsehen. Die Teilnehmer versprechen sich dadurch neue Impulse für die Arbeit an den Schulen vor Ort.
Eine Reihe von speziellen sowie länderspezifischen Fortbildungen zu unterschiedlichen Themen wie Projektmanagement, Umgang mit der Datenbank SQL usw. wurden im Versuch durchgeführt.
Schwachstelle des Verbundvorhabens SEDIKO ist aus seiner Sicht die länderübergreifende Kommunikation untereinander: Termine für gemeinsame Treffen werden zum Teil zu kurzfristig angesetzt, so dass oftmals die Lehrer, die daran teilnehmen wollen, dies aus organisatorischen und finanziellen Gründen (s.o.) nicht tun können. Die bereitgestellte Infrastruktur könnte stärker frequentiert werden. Allerdings ist man zufrieden, dass es gelungen ist einen gut funktionierenden SERVER am biat einzurichten. Ausbaufähig ist in einigen Schulen auch das Ansprechen bzw. Einbeziehen von weiteren Kollegen (interner Transfer).
Neben den gemeinsamen Fragestellungen verfolgen die vier am Verbundvorhaben beteiligten Länder unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte, die als Teilaspekte - bereits während der Laufzeit des Vorhabens - zusammengeführt und auf das gesamte Vorhaben übertragen werden sollen. Prof. Petersen stellt die inhaltlichen Schwerpunkte der Länder vor:

Bremen

In Bremen steht die Entwicklung verschiedener Formen der Projektarbeit für die neuen IT-Berufe im Mittelpunkt. Es wird die Effektivität verschiedener Lernprojekte sowie die Übertragbarkeit von betrieblichen Projekten auf den Schulalltag untersucht. Bei der Gestaltung von Gruppenarbeitsprozessen sind derzeit vor allem schulorganisatorische Probleme zu überwinden.

Hessen

Die Orientierung des Unterrichts an Geschäftsprozessen ist Untersuchungsgegenstand der beteiligten hessischen Schulen. Vor allem die curriculare, methodisch-didaktische und organisatorische Umsetzbarkeit der Geschäftsprozessorientierung werden hier erprobt. Ein wesentliches Problem ist dabei die Leistungsbewertung, da der Unterricht anhand von Lernfeldern fach- und berufsübergreifend stattfindet und die Bearbeitung entlang von typischen Geschäftsprozessen bzw. Projekten abläuft.

Schleswig-Holstein

Das Bundesland Schleswig-Holstein gibt für die neuen IT-Berufe drei bis vier Lernfelder vor. Daher stehen die Entwicklung und Erprobung lernfeldbasierter Lernkonzepte im Fokus der schulspezifischen Projekte. Berücksichtigung finden hier zum einen die Entwicklung der für den IT-Beruf angestrebten Handlungsfähigkeit und Gestaltungskompetenz sowie insbesondere Sprachkompetenz und zum anderen differenzierte Fördermaßnahmen für leistungsschwächere und leistungsstärkere Auszubildende.

Thüringen

In Thüringen stehen die Entwicklung neuer Lernraumkonzepte und der Einsatz multimedialer Lernsysteme auf der Grundlage neuer lernfeldbasierter Lernkonzepte für die IT-Beruf im Mittelpunkt. Vor allem die Untersuchung und Abstimmung von Unterrichtsgestaltung auf der einen und Leistungsbewertung sowie Prüfungen auf der anderen Seite sind hier von besonderem Interesse.

5. Diskussion des Vorhabens anhand der beiden Fragebögen mit Bezug auf die Programmziele und -wirkungen

In Vorbereitung auf die Evaluationssitzung wurden von den Projektbeteiligten zu den im Programm "Neue Lernkonzepte" definierten Hauptkriterien projektspezifische Unterkriterien festgelegt und gewichtet (vgl. Anlage). Nach einer kurzen Erläuterung des Programmträgers zu der beabsichtigten Vorgehensweise für die Evaluationssitzung werden die Unterkriterien von den Modellversuchsbeteiligten bepunktet und eine Konsensdiskussion zur gemeinsamen Bewertung geführt.
PT: Die Bepunktung der Unterkriterien stellte sich als schwierig heraus, da einigen Teilnehmern der Fragebogen bzw. die durch das Projekt zu definierenden Kriterien noch nicht hinreichend vertraut waren und so zum Teil kein gemeinsames Verständnis vorausgesetzt werden konnte. Den Projektteilnehmern war offensichtlich vorher nicht deutlich, was sie erwartet und welchen Stellenwert die Kriterien einnehmen sollen. Die Kriterien hätten mit allen Projektteilnehmer vorab besprochen werden müssen. Dies hat der PT nicht deutlich genug klar gemacht! Die Vorabinformation zum Verfahren scheint ein von Programmträgerseite zu behebender Schwachpunkt des Verfahrens zu sein. Der PT wird dies bei den künftighin zu evaluierenden Projekten mit noch größerer Sorgfalt angehen (Verfertigung eines selbsterklärenden Manuals durch PT als auch ggf. Informationsveranstaltungen beim PT und intensivere vorherige Kontaktaufnahme)

5.1 Fragebogen 1: Einschätzung des Vorhabens durch die Projektbeteiligten mit Bezug auf die Programmziele

Der Schwerpunkt des MV SEDIKO liegt beim Hauptkriterium C (35%),
gefolgt von dem Hauptkriterium B (25%),
während Hauptkriterien A und D mit jeweils 20 % gewichtet wurden.

Hauptkriterium A: Arbeitsprozessorientierung und der Zusammenhang zwischen Lernen und Arbeiten (20 %)

Projektspezifische Unterkriterien:
A 1 Gestaltung arbeitsprozessorientierter Curricula im Hinblick auf berufliche Handlungsfähigkeit, Service- und Dienstleistungskompetenzen (40%)
A 2 Entwicklung von Formen und Verfahren der Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen und Betrieben (40%)
A 3 Abstimmung zwischen schulischen Lernkonzepten und Prüfungsverfahren (20%)

Bereits bei der Bewertung des ersten Unterkriteriums wird die unterschiedliche Schwerpunktsetzung der Länder sichtbar: Während sich die Lehrer aus S-H (Hr. Fiedler, Hr. Bak) mit der Gestaltung arbeitsprozessorientierter Curricula noch in der Aufbauphase befinden (3 Punkte), ist in Hessen (Hr. Ganz) die konzeptionelle Arbeit bereits weiter voran geschritten (6 Punkte). Die Modellversuchsbeteiligten einigen sich auf 4 Punkte für dieses Unterkriterium, da zwar bereits Material vorliegt, aber die Umsetzung bezogen auf alle Projektstandorte noch ausbaufähig ist.
Zur Entwicklung von Formen und Verfahren der Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen und Betrieben wurde festgestellt, dass dieses von der Größe und betriebsinternen Bereitschaft der Unternehmen erheblich beeinflusst wird. So wird z. B. die Zusammenarbeit mit großen Betrieben in Erfurt (Hr. Wapsa) als gut, mit kleinen Betrieben allerdings als äußerst unbefriedigend beschrieben. Herr Reinhardt aus Bremen hat eine Verunsicherung der Betriebe in Bezug auf die neuen IT-Berufe festgestellt; er sieht allerdings dann noch erhebliche Potentiale, um neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. In jedem Fall sieht die Schule einen erheblichen Mehraufwand durch Information und Beratung gegeben, der hoffentlich in der Lage sein wird, die Verunsicherungen abzubauen. Im Kieler Raum (Hr. Böhm) zeigen die Betriebe reges Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Schulen. Im Gegensatz zu anderen Berufsfeldern liegen bereits einige Vorschläge für neue Formen der Zusammenarbeit vor, so dass die Teilnehmer durchschnittlich 6 Punkte für dieses Unterkriterium vergeben.
Das einzige Unterkriterium, welches von den Beteiligten mit insgesamt 0 Punkten bewertet wird, bezieht sich auf die Abstimmung zwischen schulischen Lernkonzepten und Prüfungsverfahren. Die höchste individuelle Bepunktung kommt von Herrn Ganz (5 Punkte), der sich in seiner Schule (Hessen) um eine effektive Abstimmung bemüht hat, allerdings ohne eine zufriedenstellende Lösung gefunden zu haben. Hauptproblem ist hierbei, dass die Berufsschullehrer zu wenig Einfluss und Gestaltungsfreiraum haben, um auf das Prüfungsverfahren auf Seiten der Kammern einzuwirken. Es kommt daraufhin eine Diskussion in Gang, ob und wie dieses Unterkriterium umformuliert werden könnte. Ein konsensfähiger Vorschlag scheint dabei zu sein, an Stelle des Begriffes Prüfungsverfahren zukünftig den Begriff Prüfungskonzept zu verwenden.

(In diesem Zusammenhang sei auf das von Prof. Straka und Mitarbeitern (ITB) durchgeführte Forschungsvorhaben EDUKAT im BLK Programm verwiesen, welches ein neues Prüfungskonzept entwickeln wird. Der Programmträger wird frühzeitig Zwischenergebnisse aus dem Projekt bekannt geben. Eine Evaluationssitzung und Zwischenpräsentation zu diesem Vorhaben ist im Mai im ITB geplant, an der auch ein SEDIKO-Vertreter (Petersen) teilnehmen wird. Es ist in allen Lernfeld-Vorhaben feststellbar, dass dies ein gravierendes Problem darstellt. Hier ist dringend Handlungsbedarf auch außerhalb des Programms gegeben.)

Hauptkriterium B: Selbstständiges und selbstorientiertes Lernen (25 %)

Projektspezifische Unterkriterien:
B 1 Aufzeigen curricularer, didaktisch-methodischer und organisatorischer Maßnahmen zur Selbstständigkeit (40%)
B 2 Ermittlung von Methoden und Sozialformen, die besonders geeignet sind, dienstleistungsorientierte Arbeits-, Kommunikations- und Kooperationsformen bei den Auszubildenden zu entwickeln (40%)
B 3 Beurteilung multimedialer Lernsysteme im Hinblick auf die Unterstützung des beruflichen Lernens und deren Auswirkung auf Einsatz und Gestaltung von Lernkonzepten (20 %)

Die ersten beiden Unterkriterien werden von den Modellversuchsbeteiligten mit im Durchschnitt 6 Punkten bewertet. Besonders in S-H (Herr Bak, Herr Kapelle) werden gezielt Methoden und Sozialformen, wie z. B. Projektarbeit, im Unterricht eingesetzt und auf diese Weise kommunikative Kompetenzen durch selbstorganisierte Gruppenarbeit gefördert.
In der Diskussion wird deutlich, dass der Transfer der Ergebnisse innerhalb der Gruppe verbessert werden kann, damit auch die anderen Schulen aus den Ländern von den landesspezifischen Teilergebnissen profitieren können. Hier sind flankierende Maßnahmen mit den entsprechenden Schulinstituten der Länder vorzubereiten.
Die Beurteilung multimedialer Lernsysteme fällt unter den Teilnehmern sehr verschieden aus. So berichtet Herr Kapelle davon, multimediale Techniken kaum einzusetzen (0 Punkte), während Herr Bak multimediale Lernsysteme oft zum Einsatz kommen lässt (7 Punkte). Die Gruppe einigt sich auf 3 Punkte für dieses Unterkriterium. Hier zeigt sich erneut, dass ein Austausch sehr nützlich sein kann. Innovative Potentiale sind im Vorbund offensichtlich reichlich vorhanden.
PT.: Dem Außenbetrachter wird deutlich, dass der projektinterne Austausch wesentlich intensiviert werden müsste. Hier sind Überlegungen anzustellen, wie das geschehen kann.

Hauptkriterium C: Berufliche Handlungsfähigkeit und Gestaltungskompetenz (35 %)

Projektspezifische Unterkriterien:
C 1 Lernkonzepte zur Förderung beruflicher Handlungsfähigkeit sowie der Service- und Dienstleistungskompetenz (40%)
C 2 Kernqualifikationen der IT-Berufe im Sinne übergreifender beruflicher Handlungs- und Gestaltungskompetenz (30%)
C 3 Ermittlung von Methoden und Sozialformen, die besonders geeignet sind, dienstleistungsorientierte Arbeits-, Kommunikations- und Kooperationsformen bei den Auszubildenden zu entwickeln (30%)

"Lernkonzepte zur Förderung beruflicher Handlungsfähigkeit" werden in allen vier Bundesländern entwickelt und daher mit 5 bewertet. Die Einschätzung des zweiten Unterkriteriums, das ebenfalls im Durchschnitt 5 Punkte erhält, macht einigen Modellversuchsbeteiligten Schwierigkeiten, da Fach- und Kernkompetenzen nicht klar zu trennen sind und daher auch nicht isoliert gefördert werden können. Das dritte Unterkriterium wird mit durchschnittlich 6 Punkten bewertet, da nach Einschätzung der anwesenden Lehrer, durch gezielte Maßnahmen, wie z. B. eigenständiges Erschließen von Inhalten, Methoden und Sozialformen ermittelt wurden, die sich zur Förderung kooperativen und kommunikativen Verhaltens bei den Schülern als geeignet erwiesen haben.

Hauptkriterium D: Ganzheitliches Lernen (20 %)

Projektspezifische Unterkriterien:
D 1 Lernformen, die es erlauben, die Dynamik der Lernfelder integrativ umzusetzen und ganzheitliches, selbständiges und selbstorganisiertes Lernen zu ermöglichen und zu fördern (40%)
D 2 Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen, die auf didaktisch-methodischer Ebene dem Integrationsgedanken der Geschäftsprozessorientierung dienen (40%)
D 3 Förderung der Sprachkompetenz - insbesondere Englisch - als Fachsprache und integraler Bestandteil aller Lernfelder (20%)

Beim ersten Unterkriterium D 1 (durchschnittlich mit 5 Punkten beurteilt) liegen die Bewertungen der Modellversuchsteilnehmer zwischen 0 und 7 Punkten; Herr Bak (Lübeck) führt an, dass organisatorische Schwierigkeiten den Einsatz lernfeldbasierter Lernkonzepte erschweren. Dagegen sieht Herr Ganz (Wiesbaden) gerade in den ersten zwei Unterkriterien einen Schwerpunkt seiner Arbeit im Projekt.
Während das zweite Unterkriterium im Durchschnitt 6 Punkte erhält, wird die Förderung der Sprachkompetenz" mit durchschnittlich 4 Punkten versehen.
Herr Köhler sah sich noch nicht in der Lage, die Unterkriterien des Fragebogens Nr. 1 zu bewerten, da er nicht viel über den Ergebnisstand im Projekt wisse; seine Schnittstelle ist die Lehrerfortbildung und nicht die Lehrer-Schüler-Interaktion. (Anm.: Dies ist umsomehr verständlich weil Herr Köhler erst seit kurzen im Projekt beteiligt ist.)
PT: Für uns wird hier deutlich, dass der gegenseitige Informationsfluss und Austausch verbesserungsbedürftig ist.

5.2 Fragebogen 2: Bewertung der erzielten Transfer- und Disseminationswirkungen

Im Anschluss an den ersten Fragebogen zum Programmbezug wurden die bisher erzielten Transfer? und Disseminationswirkungen im Projekt mit Hilfe der Kriterien aus dem zweiten Fragebogen einer Bewertung durch die Modellversuchsteilnehmer unterzogen.
PT: Leider konnte wegen Zeitknappheit der zweite Bogen nur noch kurz besprochen werden. Es könnten sich in der Wiedergabe der Diskussion Fehleinschätzungen eingeschlichen haben. Wir bitten sie daher, ggf. Korrekturvorschläge vorzunehmen und diese an den PT zurückzumelden.

Hauptkriterium E: Interner Transfer (20 %)

Projektspezifischen Unterkriterien:
E 1: Aufbau und Nutzung der IT-Medien (Internet, Videoconferencing etc.) (30%)
E 2: Schulungen über länderspezifische Lehrerfortbildungseinrichtungen (30%)
E 3: Informeller Austausch zwischen beteiligten Schulen und Kollegen (40%)

Die Diskussion macht länderspezifische Unterschiede in der Erfüllung dieser Einzelkriterien deutlich. Kriterium E 1 wurde im Durchschnitt positiv (sechs Punkte) bewertet. Eine technische Infrastruktur wurde aufgebaut.
Einzelne interne Schulungen haben stattgefunden. Es wird aber festgestellt, dass zur Disksemination guter Praxis systematische Schulungen auf Länderebene notwendig sind. E 2 wird folgerichtig mit 5 Punkten im Mittel bewertet.
Der informelle Austausch (E 3 Durchschnitt von vier Punkten) könnte weiter verbessert werden. Von den Anwesenden wurde den Treffen im Projekt großes Gewicht beigemessen.

Hauptkriterium F: Externer Transfer (40 %)

Projektspezifischen Unterkriterien:
F 1: Aufbau und Nutzung der IT-Medien (Internet, Videoconferencing etc.) (40%)
F 2: Veröffentlichungen (Zwischen? und Abschlussberichte), überregionale Fortbildungsveranstaltungen, Workshops etc. (60%)

Die Nutzung der IT-Medien wird noch als verbesserungsfähig eingestuft. Die Situation stellt sich in den Schulen unterschiedlich dar; einige Schulen scheinen in diesem Punkt schon recht gut vorangekommen zu sein, während andere hier noch erheblichen Aufholbedarf besitzen (Vergabe von 1 bis 6 Punkten).
Veröffentlichungen sollten vor allem weniger der formalen Berichterstattung dienen sondern verstärkt Beispiele "guter Praxis" dokumentieren (z.B. Wiesbadener Kooperationsmodell mit der Wirtschaft oder gelungene Nutzung von IT-Medien). Insgesamt fällt dieser Punkt noch unterdurchschnittlich aus.

Hauptkriterium G: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und/oder Relevanz für Bildungsplanung (20 %)

Projektspezifische Unterkriterien:
G 1: Veränderung, Anpassung oder Neugestaltung der Lehrpläne (50%)
G 2: Arbeitsprozesswissen für die Erlangung der Service? und Dienstleistungskompetenz und deren curriculare Verankerung (50%)

G 1 Einigkeit wurde dahingehend erzielt, dass die Lehrplanarbeit ein Stück weiter gekommen ist. Hier liegen bereits erste Ergebnisse des Projektes vor. Gleichwohl gibt es in diesem Punkt noch einiges zu tun, wohl deshalb vergibt das Projekt in diesem Punkt nur drei Punkte. Es wird beklagt, dass die Gestaltungsmöglichkeiten auf der Schulebene durch die gängige Ordnungspraxis (z.B. externe Prüfungen) zu stark reglementiert und eingeschränkt wird. Insofern wird die Neugestaltung der Lehrpläne als eine große Herausforderung angesehen, dieses macht allerdings auch Deregulierungen von dritter Stelle (z.B.: UABB, Länder) notwendig.
G 2: Die Bemühungen der Schulen das Arbeitprozesswissen in den betroffenen Berufsfelder zu integrieren, ist in den einzelnen Modellversuchschulen unterschiedlich weit fortgeschritten. Einige Schulen werten mit 7 oder 8 Punkten, andere sehen mit einer Wertung von 1 bis 4 Punkten noch Handlungsbedarf Ein großes Defizit wird allerdings in der unzureichenden, offiziellen Verankerung der schulinternen Pläne gesehen.

Hauptkriterium H: Neue Unterrichtspraxis und Professionalität (20 %)

Projektspezifischen Unterkriterien:
H 1: Fördermaßnahmen, um heterogene Eingangsvoraussetzungen, Leistungsschwächen und -stärken zu berücksichtigen (10%)
H 2: Maßnahmen und Formen der Förderung von Lehrerinnen und Lehrern im Hinblick auf berufsübergreifende Herausforderungen sowie beruflich-fachliche, didaktischmethodische, mediendidaktische und teamarbeitsmäßige Kompetenzen (60%)
H 3: Folgerungen für die Lehrerbildung der zweiten und dritten Phase insbesondere unter dem Gesichtspunkt der neuen Lernfeldgestaltung und berufsübergreifender Handlungs- und Gestaltungskompetenz (30%)

H 1: Insgesamt wird dieses Kriterium mit 3 Punkten eher unterdurchschnittlich bewertet. Offensichtlich konnten noch keine zufriedenstellenden Lösungen entwickelt werden. Prinzipiell müssen auch die Leistungsschwächeren an die neuen Inhalte herangeführt werden, denn jeder Lernende muss selbständig arbeiten können. Die Beteiligten sehen sich nur zum Teil in der Lage, entsprechende Stützmaßnahmen für die Leistungsschwächeren zu organisieren oder auch spezielle Lernangebote für Leistungsstärkere bereitzustellen. Der Unterricht orientiert sich eher an durchschnittlichen Schülern. Dabei wird Grundlagenwissen z.T. vorausgesetzt. Falls dies nicht der Fall ist sind die Schüler aufgefordert außerhalb des Unterrichts eigene Lerninitiativen (z.B. Anwahl von Volkshochschulkursen sowohl zu spezifischen Grundlagen als auch spezifische Vertiefungsthemen) zu ergreifen. Für eine stärkere Binnendifferenzierung wäre eine Doppelbesetzung durch die Lehrer notwendig, dies ist aber in fast allen Fällen nicht möglich. Diese Situation stellt sich in diesem Punkte in allen Versuchsschulen unterschiedlich dar.
H 2: In diesem Kriterium stellt sich die aktuelle Situation im Versuch wesentlich positiver dar, da Maßnahmen zur Förderung der Lehrerinnen und Lehrer im Hinblick auf die Kompetenzentwicklung ergriffen werden. Diese konzentrieren sich jedoch vor allem auf beruflich-fachliche und didaktische Kompetenzen. Ein systematische Schulung für die Entfaltung und Professionalisierung medien-didaktischer und teambezogener Kompetenzen finden zu wenig Berücksichtigung.
H 3: Die obengenannten Herausforderungen bedürfen daher noch der Berücksichtigung im Rahmen der Lehrerfortbildung (zweite und dritte Phase). Im Fortgang des Ws wird diesem Punkt weitere intensive Aufmerksamkeit gewidmet. Hierbei wird die Beteiligung der Studienseminare (zweite Phase der Lehrerbildung) als auch die Nutzung der Ressourcen der Landesinstitute ( dritte Phase der Lehrerbildung) notwendig sein. Herr Ganz (FES Wiesbaden) hebt hervor, dass die in den Schulen zusammenarbeitenden Lehrerteams auch in Lehrerfortbildung einbezogen werden sollten. Die Professionalisierung der Lehrer muss vom gesamten Kollegium mitgetragen werden und bedarf daher einer guten Verknüpfung mit organisatorischen Neuerungen. Insgesamt stellt sich hier noch erheblicher Diskussionsbedarf. Es fällt auf, dass drei Institutionen mit acht Punkten sehr weit zu sein scheinen, während drei andere mit 0 Punkten hier noch Entwicklungsbedarf besitzen.

5.3 Beurteilung des Verlaufs der Evaluationssitzung durch die Teilnehmer

Die Diskussion der Tischvorlagen wurde als positiv und effektiv beschrieben, da Stärken und Schwächen im Projekt deutlich und die gemeinsamen Zielstellungen klarer wurden.
Kritisch wurde angemerkt, dass die Bewertung und Äußerungen eher subjektive Meinungen darstellen und man ihnen deshalb nicht allzu viel Gewicht beimessen sollte. Auch sei es nicht immer leicht gewesen, zu konsensfähigen Aussagen und Bewertungen zu kommen, weil die konkreten Erfahrungen an den einzelnen Schulen sehr unterschiedlich sind, trotz des gemeinsamen Modellversuches. Das Festlegen auf eine durchschnittliche Bepunktung würde zudem nicht den Diskussionsverlauf, der als anregend erlebt wurde, wieder spiegeln. Insgesamt sei deutlich geworden, dass der Austausch zwischen den Schulen eine sehr furchtbare Idee ist, aber dringend der Intensivierung bedürfe, um künftig eine produktivere Konsensfindung zu ermöglichen.

6. Verortung des Projektes im BLK-Programm "Neue Lernkonzepte in der dualen Berufsausbildung"

Dem BLK Programm liegen vier zentrale Programmziele zu Grunde (siehe dazu auch die Innovationsspinne):

(Anm.: An dieser Stelle ist zu vermerken, dass das Vorhaben dem seit September 1998 vom Programmträger praktizierten Antragsauswahlverfahren unterzogen wurde. Im Rahmen des Auswahlverfahrens wurde eine Innovationsspinne für das Verbundvorhaben SEDIKO bestimmt. Dieses geschah auf Basis der Einschätzungen, von Seiten einer den Projektantrag bewertenden Gutachterrunde (zur weiteren Information: Informationen für Antragsteller (Stichtag 1.7.1998 und 1.1.1999), Programmbrief 1 des Programmträger (Mai 1999) sowie Bilanzierung zur ersten Antragsrunde November 1998))

Das zentrale Anliegen des BLK-Programms ist es, die Effizienz und Qualität dualer Berufsausbildung in Deutschland durch Modellvorhaben zu steigern. Das vorliegende Vorhaben widmet sich diesen Zielstellungen, wobei der Fokus des Vorhabens vor allem auf der Entwicklung und Erprobung neuer Konzepte der Lernfeld? und Lernraumgestaltung in Berufen der Informations- und Telekommunikationstechnik liegt. Ziel ist es, den bisher eher fachsystematischen und lehrgangsorientierten Unterricht durch eine integrative und an den betrieblichen Service? und Dienstleistungsprozessen orientierte Lehr- und Lerngestaltung zu verändern.
Die Vorhabensziele nehmen vor allem Bezug auf die folgenden drei Leitfragen des Programms:

Es ist erkennbar, dass das Projekt zu allen drei Fragen wichtige Beiträge beisteuert und auf
die folgenden Maßnahmen? und Untersuchungsfelder im Programm (siehe auch Informationen für Antragsteller, S. 11) im einzelnen Bezug nimmt:

  1. Weiterentwicklung der Lernkonzepte, Lerninhalte und Lernmaterialien sowie Flexibilisierung der Unterrichtsorganisation zur Effektivierung beruflichen Lernens.
  2. Entwicklung arbeitsprozessorientierter Curricula in länderübergreifenden Verbund? und Austauschsystemen (einschl. berufswissenschaftlicher Studien zu Arbeitsprozessen).
  3. Verbesserung der Abstimmung zwischen schulischen Lernkonzepten und Prüfungsmethoden.

7. Fragen an das Projekt von Seiten des Programmträgers:

In der anstehenden Perspektivensitzung beim Programmträger geht es darum, das weitere Vorgehen im Projekt mit Projektvertretern zu beraten und dabei insbesondere zu überlegen, welche Akzentsetzungen das Vorhaben im Hinblick auf die Programmziele zukünftig vornehmen kann (Was kann verbessert werden? Wo sollte das Hauptaugenmerk der Modellversuchsaktivitäten gelegt werden?).

Aufgrund der Auswertung der Evaluationssitzung ergeben sich folgende Fragen an das Projekt, die der Programmträger als Themen der Perspektivensitzung vorschlägt:

  1. Welche Aktivitäten plant das Projekt, um den Server in Flensburg effektiver und gezielter zu nutzen?
  2. Wie lässt sich aus der Sicht des Modellversuchs eine praktikable Abstimmung der Lernkonzepte mit dem Prüfungsverfahren erreichen?
  3. Die Gestaltung und Umsetzung von lernfeldbasierten Lernkonzepten ist ein Schwerpunkt des Projektes. Welche verallgemeinerbaren Empfehlungen lassen sich aus den bisher gewonnenen Ergebnissen ziehen? Welchen Beitrag kann das Projekt zur Lernfelddiskussion beisteuern?
  4. Welchen Beitrag können die gewonnenen Ergebnisse/Erfahrungen zur Effektivierung beruflichen Lernens und zur Sicherung der Ausbildungsqualität leisten?
  5. Welche Möglichkeiten bestehen, um die Kommunikation und den Austausch zwischen den Modellversuchsbeteiligten aus allen vier Bundesländern zu verbessern? Wie kann das Studienseminar aus Hessen noch stärker in den Entwicklungsprozess des Projektes eingebunden werden?
  6. SEDIKO hat den externen Transfer hoch gewichtet: Welchen konkreten Arbeitsplan will das Projekt für den Transfer der Ergebnisse unternehmen? Was für Aktivitäten können schon jetzt geplant werden, damit die Ergebnisse an der eigenen Schule verstetigt und auch an anderen Schulen wirksam werden können?
  7. In einer Reihe von Kriterien differieren die Punktbewertungen sehr stark: Durch welche Maßnahmen können die unterschiedlichen Entwicklungsstände in den einzelnen Modellversuchsschulen stärker angeglichen werden?

gez. Angelika Busse (ISB), Ludger Deitmer (ITB)