Ludwig-Erhard-Schule in Kiel

Stand: 4.10.1999

"Projekt"-Definition für die IT-Klassen
der Ludwig-Erhard-Schule

  1. Theorieansatz

Der Begriff Projekt geht auf das lateinische Wort proicere (= entwerfen) also Entwurf, Plan oder Vorhaben zurück und hat seinen Ursprung als ganzheitliche Unterrichtsform in der amerikanischen Pädagogik (vgl. Fuhs, S. 297). Hilbert Meyer ordnet die Projektmethode in den, wie er sagt unschönen Überbegriff "methodische Großformen" (vgl. Meyer, S. 143f.) ein.

Es handelt sich um eine aktive Lernmethode (vgl. Völler, S. 11), um einen "offen-geplanten Unterrichtsentwurf" (vgl. Weitz, S. 104) in dem versucht wird, Leben, Lernen und Arbeiten derart miteinander zu verbinden, dass der Situationsbezug und die Lebensweltorientierung verknüpft werden mit den individuellen Bedürfnis- und Interessenlagen der Schüler (und Lehrer). Projekte sind gekennzeichnet durch ein hohes Maß an selbstbestimmter Planung, eine hohe Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Lernenden. In der Literatur gibt es eine umfangreiche Sammlung von Definitionen und Begrifflichkeiten zur Projektmethode, wie z.B. Projektverfahren, Projektunterricht, projektorientierter Unterricht oder nur kurz Projekt (vgl. Hoffmann, S. 136; Gudjons, S. 65). Die Vorteile der Projektmethode liegen auf der Hand: Projekte werden von den Schülern aktiv mitgestaltet. Dabei liegen die Ziele der Projektarbeit im voraus fest. Der Schüler lernt unternehmerische Denkweisen und Strategien an praktischen Tätigkeiten kennen, die die viel zitierten Schlüsselqualifikationen, wie besonders die Selbständigkeit, Phantasie, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Innovationsfähigkeit, Kritikfähigkeit und demokratische Verhaltensweisen (soziales Lernen) in der Teamarbeit entwickeln und einüben.

Wie gesagt liegen die Ziele der Projektarbeit im voraus fest. Ein Projekt ist stets produktbezogen, orientiert sich also an einem präsentierbaren Ergebnis (Weitz, S. 105).

Daneben kennzeichnet ein Schulprojekt, dass der "normale" Unterricht, der im Stundentakt durchgeführt wird, aufgehoben wird.

Die Schüler bzw. Schülerarbeitsgruppen haben so die Möglichkeit, sich über eine längere Zeit, über mehrere Tage (Nächte und Wochenenden) mit der Thematik zu beschäftigen. Dies stellt auch hohe Anforderungen an die Kollegen der Projektklassen. Sie müssen intensiv zusammenarbeiten, im Team arbeiten, sich absprechen, organisieren, lenken, planen, kontrollierend eingreifen, gezielt, auf Wunsch der Schüler, Fachkenntnisse einbringen und, was häufig besonders schwierig ist, die Projektarbeit beurteilen (vgl. Weitz, S. 105).

Ein Projekt lässt sich in mehrere große Teilbereiche einteilen:

    1. Erstellen eines Ablaufplans/eines Projektstrukturplans
    2. Durchführung des geplanten Projekts
    3. Projektevaluation

(vgl. Hoffmann, S. 136, Rauhoff, S. 42, Frey 1990)

Eine Projektablaufplanung ist notwendig, um die grundsätzlichen Strukturen festzulegen. Inwieweit Schüler an dieser ersten Planerstellung, gemeint sind grundsätzliche Themenstellungen, Laufzeit , Präsentationsvorgaben u.a. mitwirken, ist davon abhängig, wie projekterfahren die Beteiligten sind (vgl. Rauhoff, S. 42). Hier werden häufig auch schon die ersten Grenzen des Erreichbaren deutlich, die, gerade wenn noch nicht so viele Schulprojekte durchgeführt wurden, durchbrochen werden müssen, sofern sie durchbrochen werden können. Es bedeutet nicht, dass die Schüler keine Einflussmöglichkeiten haben. Natürlich können Schüler bei der Besprechung der "Richtschnur", der Fixpunkte des Projekts, Wünsche, Meinungen, Kritik äußern und Einfluss nehmen. Je projekterfahrener die Schüler sind, desto kooperativer kann die Projektplanung durchgeführt werden.

Deutlicher wird dies vielleicht an dem Grundmuster des Ablaufplans eines Projekts (vgl. z.B. Hoffmann S. 138, Frey, 1995 S. 17ff.), das sich in folgende Phasen gliedert.

Kooperative Projektplanung:

    1. Projektinitiative
    2. Projektskizze
    3. Projektplan

Projektdurchführung
Projektabschluss und -reflexion

Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass die Projektinitiative häufig durch das Lehrerteam entwickelt wurde, die auch die ersten Projektskizzen erarbeitet haben.

Inwiefern sich die Projektinitiative aber aus dem laufenden Unterricht entwickelt, weil die Schüler sich aufgrund ihrer Interessenlage wünschen (was für eine schöne Vorstellung für einen Lehrer), das jeweilige Themengebiet vertiefend zu bearbeiten, bleibt fraglich. In der Regel wird das Lehrerteam jedoch die erste Initiative ergreifen und die Grobzielsetzung vorgeben. Welches Thema, welche Themenschwerpunkte aus dem Gesamtprojekt die Schüler jedoch bearbeiten, bleibt der Schülergruppe überlasen. In der Literatur wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Schüler mit einiger Projektpraxis selbst die Projektinitiative ergreifen. (Wir können uns also merken, dass die Projektinitiative von überall herkommen kann.) Eine Auseinandersetzung mit der Projektinitiative kann zur Folge haben, dass das Projekt abgelehnt wird.

Nach der Projektinitiative folgt die Projektskizze. Hier müssen die Rahmen vereinbart werden. Hier werden die ersten Schwerpunkte gesetzt, die Richtung angegeben, das Projekt wird skizziert.

Es folgt der Projektplan. Hierbei wird eine genaue Definition der einzelnen Arbeitsschritte erstellt. Aufgabenverteilung im Team, Terminabsprachen, Präsentationstermine, Zusammentragen, welche Informationen und Materialien/Geräte gebraucht werden und wie sie beschafft werden u.a. Frey schreibt zum Inhalt der Projektplanung: "... wer im weiteren Verlauf des Projektes welche Art von Tätigkeit wie, warum, wann, wo durchführen wird" (Frey, 1995 S. 19)

Der Ablaufplan/Projektplan, wie es in dem Schaubild "Interdependenz integrierter Planung" von Birker (S. 95) deutlich wird, ist Aufgabe der Schüler.

Aus dem Schaubild ist zu erkennen, dass die Schüler weitreichende Planungsaufgaben haben, bei denen mindestens ein Lehrer während der Entscheidungen präsent ist und die Entscheidungen begleitet.

Wichtig bei der Planung sind die Dreh- und Angelpunkte des Projekts. Frey (1995, S. 20) nennt sie "Fixpunkte" oder "organisatorische Schaltpunkte". Dieses sind Lernetappen, nach denen z.B. die Zwischenergebnisse den eigenen Gruppenmitgliedern oder anderen Gruppen präsentiert werden, weitere Schritte geplant und abgestimmt werden, Protokolle und Dokumentationen erstellt werden oder die Änderung der Planungspunkte oder der Arbeitsweise beschlossen werden.

Es folgt die Ausführung der Projektplanung, die Projektdurchführung. Ein Projekt lebt davon, dass die Schüler bei der Durchführung die außerschulische Lebenswelt aufsuchen. Projekte leisten so auch einen Beitrag zur Öffnung der Schule.

Ein Projekt ist zielgerichtet und endet mit einem Ergebnis, mit einem Produkt (Projektabschluss). Ein Projekt kann durch einen bewussten Abschluss oder durch eine Rückkopplung zur Projektinitiative enden. Dabei muss überprüft werden, ob die gesetzten Ziele erreicht wurden. Es muss hinterfragt werden, wo die Schwächen lagen, was abgeändert, was beibehalten werden soll. Die Ergebnisse können in der Schulöffentlichkeit, vor anderen Schülern, anderen Lehrern, vor Betrieben u.a. präsentiert werden. Ein Projekt kann auch einfach nur auslaufen. Dabei gehen die Produkte, Erkenntnisse , Erfahrungen in den Alltag über (vgl. Frey, 1995 S. 20).

Ein Projekt muss von den Lehrern beurteilt werden. Dabei sollten die Kriterien zu Beginn des Projekts festgelegt werden. Dieses sollte natürlich in Abstimmung mit den Schülern erfolgen. Es hat sich bewährt, die Projektbeurteilung im Team durchzuführen.

Unterrichtsprojekte sind gekennzeichnet durch ein ganzheitlich orientiertes Denken der Schüler, durch praktische, problemorientierte, mehrdimensionale (kognitive, emotionale, psychomotorische, soziale Aspekte werden berührt) und fächerübergreifende Gestaltung, indem alle Beteiligten mitbestimmen können und eine Verantwortung tragen (vgl. Fuhs, S. 297).

Dabei muss die Projektmethode, die in der Schule Anwendung findet, abgegrenzt werden von dem Projekt nach DIN 69901 der Betriebswirtschaftslehre. Natürlich finden sich viele Merkmale und Abläufe auch in der Schule wieder.

So ist ein "DIN 69901" Projekt (vgl. Birker, S. 7f.) gekennzeichnet durch die

  • Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit
  • Zielvorgaben
  • Zeitliche Begrenzung (Projektanfang – Projektende)
  • Begrenzungen finanzieller, personeller oder anderer Art
  • Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben
  • Projektspezifische Organisation

Auch gibt es eine große Reihe unterschiedlicher Ausprägungen der o.g. auftretenden Projektmerkmale. Dennoch handelt es sich bei Schulprojekten um eine Simulation der Wirklichkeit, um einen für die Schüler künstlich erzeugten Schulraum, in dem die Schüler die Möglichkeit haben, bewusst oder unbewusst Fehler zu machen; die Wirklichkeit zu proben. Hier ist es z.B. möglich, nicht mit der geplanten Zeit zurechtzukommen, ohne mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen zu müssen.

Dabei gibt es auch kritische Betrachtungen des handlungsorientierten Ansatzes, zu dem auch die Projektmethode gehört (Mackert, S. 462ff., Stommel, S. 3ff.). Natürlich wird die außerschulische Realität nur simuliert. Es sind nur zeitpunktbezogene Realitätsausschnitte.

2. Praxis in den IT-Klassen (Learning by doing)

Die Themen werden von den Lehrern vorgegeben. Sie sind weit gefasst und an den jeweiligen Lernfeldkombinationen sowie der betrieblichen Praxis orientiert. Die Schüler konkretisieren ihre Aufgabenstellung selbständig;

z.B. Unternehmensgründung => Unternehmensidee

oder Datenbankdesign => Inhalt der Datenbank und deren Struktur

Die grundsätzliche Struktur des "Projektes" ist grob vorgegeben. Es bestehen feste Berichtstermine (Präsentationen), Dokumentationspflicht und ein vorgegebener Zeitrahmen (siehe Fixpunkte). Die Struktur und Organisation der Arbeit, der Wissensbeschaffung, der Forschung und des Prozesses der Ergebnisfindung liegt ansonsten in den Händen der Schülergruppen.

Die Schüler arbeiten wie bereits gesagt selbständig in wechselnden Gruppen, die auf verschiedene Arten und nach verschiedenen Gesichtspunkten entstehen. Arbeitsteilung ist zu organisieren, Wissen zu beschaffen, zu strukturieren und auszuwerten, verschiedene Arbeitsmethoden (z.B. Kreativitätstechniken) sind zu verwenden bzw. in der Praxis zu erproben. Für die Präsentation und die Dokumentation der Ergebnisse müssen die Schüler auf bekannte Methoden zurückgreifen. Durch die Teamarbeit treten Spannungen in den Gruppen hervor und sind von den Gruppen zu lösen.

Die Lehrer treten während der Projektzeit in den Hintergrund. Ihre Aufgaben liegen im Bereich der Beratung, gegebenenfalls benötigter Moderation, der Serviceleistungen im Rahmen der Schulorganisation, der Hilfestellung bei Außenkontakten, der Beobachtung und Wertung von Gruppenprozessen, der Präsentationen, der Ergebnisse und etwaiger Abschlussklausuren. Für die letzteren Tätigkeiten sind grundsätzlich Teams eingesetzt, da eine angemessene und faire Beobachtung und Bewertung von komplexen Schülerleistungen nur im Team zu leisten ist.

Der Unterricht findet während der Projekttage im Rahmen des entsprechend gestalteten Stundenplanes statt. An diesen Tagen (1999/2000: Mi. + Fr. oder/und Mi. + Do.) steht nur das Projekt im Vordergrund und alle Lehrer aus dem jeweiligen Fachunterricht werden beteiligt, wenn sie für das Projekt benötigt werden. Die Projektarbeit findet zu einem nicht unerheblich Teil außerhalb der Schule statt. Schüler nehmen Termine bei Fachleuten wahr und besorgen Informationen aus der Praxis. Die Nachmittage und Wochenenden sind oft ebenfalls mit der Projektarbeit der Schüler belegt. Die freiere Einteilung der Arbeitszeit ermöglicht auch Erfahrungen mit Zeitdruck, dem Wert einer guten Zeitplanung und -einteilung sowie des selbsterzeugten Stresses.

 Literaturverzeichnis:

Birker Klaus: Projektmanagement. Berlin 1995

Frey, Karl, Wolter, Martim: Die Projektmethode. In: Grundschule Heft 7-8/1995 S. 17 ff.

Frey, Karl: Die Projektmethode. Weinheim 1990

Fuhs, Klaus: Projektarbeit in der Berufsbildenden Schule. In: Erziehungswissenschaft und Beruf, Heft 3/96, S. 297 ff.

Gudjons, Herbert: Handlungsorientiert lehren und lernen. Bad Heilbrunn 1994

Hoffmann, Bärbel, Langenfeld, Ulrich: Methoden-Mix. Darmstadt 1997

Knoll, Michael: Wie sie entstand: die Projektmethode. In: Grundschule, Heft 7-8/1995 S. 12f.

Makert, Roland: Zur Problematik handlungsorientierter Ansätze in der Didaktik der Wirtschaftslehre. In Erziehungswissenschaft und Beruf, Heft 4/97, S. 462ff.

Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden. Band 1 und 2, Frankfurt am Main 1987.

Pancratz, Georg: Maxime handlungsorientierten kaufmännischen Unterrichts. In: Erziehungswissenschaft und Beruf, Heft 3/95, S. 260 ff.

Rauhoff, Horst: Handreichung für die Durchführung eines Projekts, Projektthema Arbeitslosigkeit. In: Winklers Flügelstifte, Heft 1/96 S. 42 ff.

Schick, Sabine, Wangner, Hanz-Joachim: Erfahrungen mit Berufsorientiertem Projektunterricht. In: Wirtschaft und Gesellschaft im Beruf, Heft 4/96, S. 162 ff.

Stommel, Axel und Margot: Kritik des handlungsorientierten sowie des computerunterstützten Unterrichts. In Winklers Flügelstifte, Heft 3/77, S. 3 ff.

Völler, Heribert: Lernaktive Methoden im Wirtschaftslehreunterricht. In Winklers Flügelstifte, Heft 2/97. S. 11 ff.)

Völler, Heribert: Lernaktive Methoden im Wirtschaftslehreunterricht. In: Winklers Flügelstifte, Heft 2/97. S. 11 ff.

Weitz, Bernd: Projektarbeit im Ökonomieunterricht. In Wirtschaft und Gesellschaft im Beruf, Heft 3/97, S. 104 ff.

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