Auflistung von Kritikpunkten von mehreren IT-Prüfungsausschüssen zu den IT-Prüfungen im Sommer 2000

Für die folgende Auflistung zur IT-Abschlussprüfung im Sommer 2000 ist Herr Gerhard Reuther verantwortlich, der die ihm von mehreren IT-Prüfungsausschüssen gemeinsam verfassten zugeschickten Kritikpunkte zusammengefasst hat. Weitere Kritikpunkte können an nachfolgende Mail-Adresse geschickt werden: Gerhard Reuther e-mail ReutherGerhard@t-online.de

Organisatorische Kritik

Die Aufgabenstellungen müssen den PA-Mitgliedern  rechtzeitig  bekannt sein, um Fehler oder Unstimmigkeiten zu bereinigen, Fragen von Schülern aus anderen Bereichen vorher abklären zu können.
  

Ganzheitliche Aufgaben II (Gilt für alle Berufe)

2. Handlungsschritt:
  1. Vergleich von Gerätebussystemen,
  2. Begründete Entscheidung für die Auswahl aus a),
  3. Datenübertragungsrate bei AGP x4-Modus
  4. 4 Gütekriterien nach TCO99 
  • Kriterien und Punkte für Teilaufgaben sind für den Schüler nicht ersichtlich
  • zu a): Bezeichnung „Gerätebussystem“  für den Schüler nicht eindeutig.
  • USB wäre auch richtig gewesen, wurde aber nicht als Lösung genannt.
  • Weitere Gerätebussysteme sind denkbar: PCI, Folgefehlerproblematik für b) ist gegeben.
  • zu c): Berechnung wäre  sinnvoller gewesen und fairer.
    Das Berechnungsergebnis einer Datenübertragungsrate einer 3-D-Grafikkarte in einem bestimmten Modus (der derzeit kein „Standard“ ist) ist für die Kernqualifikation erheblich zu speziell. Dieser hohe Spezialisierungsgrad ist durch den Ausbildungsrahmenplan und den KMK-Rahmenlehrplan nicht abgedeckt; wenn diese Fragestellung in der Spezialisierung überhaupt relevant ist, dann höchstens für den für den IT-Systemelektroniker als Fachqualifikation
    [Hinweis auf die rechtlichen Vorgaben: Ausbildungsrahmenplan: LfdNr. 4.2: „…unterscheiden und die Kompatibilität beurteilen …“]
    Vorschlag: Alle Prüflingen die Punkte gutschreiben
  • AGP sind absolute Spezialkenntnisse
3. Handlungsschritt:
  1. Dateisysteme und Netzwerkprotokolle den Betriebssystemen zuordnen 

  • MS-Windows NT 4 kann keine FAT 32, erst ab Windows 2000 möglich.
  • Wichtung zu 6.Hs  wie auch 7.Hs völlig verfehlt
  • IPX/SPX, leider nur PX/SPX für die Schüler verwirrend.
  • Typisches Problem der Prüfung: Nachfrage nach speziellen Produkten; das aktuelle Produkt (z.B. Windows 2000) fehlt jedoch in der Prüfung. Es wird erwartet, dass die Prüflinge diese konkreten Versionen kennen, nicht jedoch die aktuellen Produkte. Der Produktbezug ist zudem noch unvollständig: Bei NT fehlt die Versionsangabe; bei Linux das konkrete Produkt und die Versionsnummer
  • Laut Lehrplan ist exemplarisch die Behandlung eines Betriebssystems vorgesehen, abgefragt werden mehrere
  • Teil b) unterstützende Dateisysteme: Linux-Server 1,2,3 (in Musterlösung nicht genannt, 5 (nur lesend), 6 (nur lesend)
  • Teil c) unterstützende Netzwerkprotokolle: Novel Netware 5, 2, 3, 4 (in Musterlösung nicht genannt) 
4. Handlungsschritt:
  1. ID-Nummern und Terminatoreinstellung bei PC-Komponenten (SCSI)

  • Wichtung zu Handlungsschritt 6 wie auch zu Handlungsschritt 7 völlig verfehlt
  • ID-Verteilung in Lösung sehr eigentümlich bzw. unter Profis ungebräuchlich
6. Handlungsschritt:
  1. Ergänzung einer ereignisorientierten Prozesskette

  • Aufgabenstellung zu allgemein
  • In Musterlösung werden die Begriffe Ereignis und Funktion falsch verwendet
  • für IT-Systemelektroniker zu komplex,  nicht eindeutig und überzogen
  • nicht korrigierbar, da viele andere Darstellungsarten möglich
    „Ereignisorientierte Prozessketten" nach der Scheer-Notation“ sind nicht verpflichtender Bestandteil des Unterrichts. Eine entsprechende Vorgabe ist in den Ausbildungsrahmenplan [siehe LfdNr. 2] nicht zu finden, dennoch wird diese Darstellungsform verpflichtend vorgegeben. Nach dem Ausbildungsrahmenplan sind daher auch Alternativen denkbar!
  • Vorgabe für des Beispiels für Schüler verwirrend.
7. Handlungsschritt:
  1. Struktogramm für ein Modul "Datum prüfen"

  • alternative Darstellungen (z.B.PAP)  hätten erlaubt sein sollen.
    Angesichts der noch aktuellen Y2K-Diskussion muss die vorgeschlagene Musterlösung als „falsch“ angesehen werden. Die Bereiche der 100er und der 400er – Regeln werden in der Musterlösung nicht berücksichtigt; zumindest ein Hinweis wäre notwendig gewesen. Die Vorgabe des „Darstellungsmittels“ ist nicht durch den Ausbildungsrahmenplan abgedeckt; auch hier wären alternative Darstellungsformen denkbar gewesen [siehe Ausbildungsrahmenplan: LfdNr. 5.1 und 5.2]
  

Ganzheitliche Aufgaben I

Beruf: IT-Systemkaufmann/-frau
1. Handlungsschritt:
  • mit 60 Punkten  im Verhältnis zu den anderen Hs. überbewertet, zeitlicher Aufwand in Relation zu anderen Teilen zu umfangreich
  • Bepunktung der Entscheidung im Teil a) ist unlogisch; Widerspruch: Frage nach technisch begründeter Entscheidung/ Aufführung der Kosten und Bepunktung  
  • Teil b) gleiches Raster muss  vier Mal angewandt werden (nicht Quantität, sondern exemplarisches Vorgehen wäre sinnvoll)
  • Keine tabellarische Vordrucke für 2 geforderte Tabellen vorhanden., Erstellung einer geeigneten Tabelle müsste entsprechend bewertet werden  (Teil b)
2. Handlungsschritt:
  • Aufgabenstellung unklar oder verwirrend („skizzieren“ zu unpräzise)
  • Lösung von 1.Hs. wird vorausgesetzt, sonst nicht möglich.
  • grundsätzlich: Projektpräsentation ist wesentlicher Teil der Prüfung, Abprüfung in Form schriftlicher Prüfung nicht sinnvoll, alternativ sinnvoll: theoretische Fragen zu Präsentation / Layout
3. Handlungsschritt:
  • Alternative Lösungen müssen zugelassen werden, wegen "Corperate Identity" kann Vorgabe von Farbe zwingend sein
4. Handlungsschritt:
  • Vergleich von Folie mit Internet und Printmedien nicht sinnvoll
  • Unpräzise Formulierung: Vergleich „einer solchen Präsentation“
  • Statt „Nennen“ wäre die Formulierung „Erläutern“ erforderlich laut Musterlösung
  
Beruf: IT-Informtikaufmann/-frau
3. Handlungsschritt:
  • Teil 3b) Aufgabenformulierung "Erläuterung" entspricht nicht dem Nennen der Musterlösung
  • Teil 3b)  bei der Erläuterung der Auswahlkriterien fehlt sachlogisch die entsprechende Grafikkarte. Dies führte bei den Schülern zur Verwirrung.
4. Handlungsschritt:
  • a) Die vorgegebenen Eintragungen im BAB weisen zwei fehlerhafte Werte aus (Kostenstelle 4   Personalkosten u. –zusatzkosten, beides 10.000  statt 100.000. Die entsprechende Summe der Gemeinkosten muss 6.000.000 betragen, mit den vorgegebenen Eintragungen kann diese Summe jeweils nicht zur Kontrolle ermittelt werden )  Damit ist die Aufgabe 4  insgesamt nicht mehr sinnvoll lösbar.
    Vorschlag: Punkte gutschreiben oder zumindest mögliche / sinnvolle Lösungen akzeptieren. (Bei einem entsprechenden Telefonat mit der IHK Düsseldorf während der Prüfung wurde eine derartige Vorgehensweise abgesprochen)
    b) Fehlerhaftigkeit wird in programmierten Teil " (4b) mitgeschleppt", bei Arbeit mit den "korrekten" Zahlen passen die Ergebnisse nicht in  das Erfasssungsraster. (Mit der IHK Düsseldorf wurde während der Prüfung telefonisch abgesprochen, dass die weitere Lösung der Aufgabe konventionell aufgeschrieben wird).
    Erkenntnis: Eine derartige  Kombination konventioneller und programmierter Teile bei dieser Art der  Aufgabenstellung  nicht sinnvoll
    Beschränkung auf zwei Kostenstellen im Sinne der Exemplarität wäre angebracht
  • Bepunktung nicht dem Arbeitsaufwand angemessen
5. Handlungsschritt:
  • Musterlösung in der Aufgabenstellung enthalten ? (Umfang 20 von 100 Punkten). Dieses „Vorgabeblatt“ liegt jedoch nicht allen Prüfungssätzen bei.
  • (Irritation bei den Prüfungskandidaten)
    Im Begleitschreiben vorgesehenes Verteilungsverfahren der entsprechenden Punkte auf die anderen Teilaufgaben nicht korrekt, juristisch angreifbar.
  • Grundsätzlich positiv: Mischung der Aufgabenstellung aus verschiedenen Lernfeldern
  
Beruf: IT-Fachinformatiker
1. Handlungsschritt:
  • zu komplex, Zeitaufwand in Relation zu hoch
  • Die gewählte Fachsprache ist nicht eindeutig. Als Ablaufdiagramme nach DIN 66001 sind auch Datenflusspläne denkbar. Auch prozessorientierte Ereignisketten wären als Notationen möglich.
    Durch die alternativen Darstellungsformen mit unterschiedlichen Komplexitätsgrad, sind die Prüfungsleistungen nicht mehr vergleichbar.  
3. Handlungsschritt:
  • baut auf der richtigen Lösung des 2.Hs auf, für Schüler problematisch
  • zu hohe Gewichtung der Datenbank-Theorie ( 40 Punkte für Datenbank = ein Thema)
  • Übertrag aus Tabellenplanung in vorgegeben Tabelle auf rechter Seite zu simpel bzw. zeitlich zu aufwendig.
  • Durch die Folgefehlerproblematik ist die Vergleichbarkeit der Bewertung nicht gewährleistet.
    Es ist nicht akzeptabel, dass keine Musterlösung vorliegt. Damit ist die Vergleichbarkeit der Prüfungsergebnisse nicht vergleichbar. Hier hat (auch formal) die ZPA ihren Auftrag nicht erfüllt!
4. Handlungsschritt:
  • für die Ausbildung nicht angemessen, zu primitiv.
  • Die Produktvorgabe ist nicht angemessen.  
5. Handlungsschritt: Anwendungsentwicklung
  • Beliebige Programmiersprache zulässig, aber keine Musterlösung vorhanden.
  • Ohne PC ist die Aufgabe nur sehr schwer möglich, realitätsfremd.
  • Die Aufgabenstellung ist nicht akzeptabel: „direkte Codierung einer Aufgabenstellung“ dürfe nicht sein. Hier sei auf die Erfahrungen bei den Abschlussprüfungen der DV-Kaufleute verwiesen.
  • Bezüglich der „Beliebigkeit der Programmiersprache“ kann ebenfalls nur auf die Erfahrungen und die Prüfungssituation der DV-Kaufleute verwiesen werden.
  • Unter den Rahmenbedingungen ist die Aufgabe von den Prüfungsausschüssen nicht angemessen bewertbar. Wegen der unterschiedlichen Mächtigkeit der möglichen Programmiersprachen sind mögliche alternativen Lösungen nicht mehr vergleichbar!
  • Die Bearbeitungsdauer für die GA 1 ist bei den Aufgaben zu knapp bemessen!  
  
Beruf: IT-Systemelektroniker
Allgemeine Kritik:
  • von 8 Aufgaben ( 100 Punkte) sind 5 Aufgaben (52 Punkte)
  • TK-orientiert, Prüfung war TK-lastig
  • Nicht alle Lernfelder wurden berücksichtigt, Lernfelder (4) u. 7
  • Schwerpunktsetzung innerhalb der Lernfelder
  • Für die Realitätsnähe sollten Tabellenbücher benutzt werden

 

1. Handlungsschritt:
  • in der Aufgabenstellung fehlt der angenommene cos phi =0,9
  • der Wert gehrt nicht in den Belegsatz/Anlage
2. Handlungsschritt:
  • Aufgabe als solche für den Schüler zu komplex, Teilschritte aus 1.Hs konnten Auswirkungen auf 2.Hs haben, 2.Hs konnte ohne 1.Hs nicht sinnvoll behandelt werden.
  • Teilpunkte sollten eindeutiger feststellbar sein
  • Aufgabe reduzierte sich für den Schüler auf Leitungsquerschnitt und Nennstrom der Überstrom-Schutzeinrichtung
3. Handlungsschritt:
  • a) Antwort: „Datenübertragung erfolgt schnell ...und kostengünstig...“
  • Werbebroschüre der Telekom ?
  • b) a) und b) wurden gemeinsam behandelt und sind auch logisch kaum trennbar. (Broschüre der Telekom  ?)