Unterlagen - Bremen

Reflexion und Bewertung der durchgeführten Unterrichtseinheit 'TkNet'

Im Vergleich zu der im ersten Zwischenbericht vorgestellten Unterrichtseinheit gelang bei dem hier durchgeführten Projekt die Integration kaufmännischer und technischer Lernfeldkomponenten erheblich besser. Wenn auch verschiedene Kollegen in unterschiedlichen Fächern und Räumen daran beteiligt waren, so wurde den Schüler und Schülerinnen und Schülern durch die von Beginn an gemeinsame Herangehensweise an die Problematik deutlich, dass es sich um ein zusammenhängendes Projekt handelt. Problemstellungen konnten von verschiedenen Perspektiven betrachtet und bei Bedarf von den Lehrenden im jeweiligen Unterricht untermauert werden. Um jedoch den ganzheitlichen Charakter eines am arbeits- oder Geschäftsprozess orientierten Projektes hervorzurufen, bleibt die Forderung zur Aufhebung der jeweiligen Fächer für die Zeit eines Projektes und eine damit verbundene Doppelbesetzung mit fachadäquaten Kollegen bestehen.

Bei der Vorbereitung des Projekts zeigte sich, dass die Zusammenarbeit von Kollegen aus grundverschiedenen fachlichen Disziplinen sehr interessant, aber nicht einfach war. Die weit voneinander entfernten berufssozilogischen Grundideen, die differente Herangehensweise an eine Problemstellung und nicht zuletzt das mangelnde Wissen aus der anderen Fachdisziplin begründet dies. Um effektiver ganzheitliche Projekte planen zu können resultiert hieraus die Forderung nach fachübergreifenden Fortbildungen, um auch die Grundlagen der anderen Fachdisziplin verstehen zu lernen.

Aus der technischen Perspektive betrachtet zeigte sich deutlich das Problem der zu dem Zeitpunkt noch mangelnden Ausstattung. Nicht zu unterschätzen ist vor allem der Einfluss, den eine adäquate technische Raumausstattung bzw. Raumkonzeption für das Arbeiten in Projekten darstellt. Es hat sich herausgestellt, dass der selbst zu erarbeitende Zugang zu dieser teilweise (vor allem für diese Berufsgruppe) recht komplexen Technologie unnütz erschwert wird, wenn lediglich eine rein abstrakte Bearbeitung der Thematik geboten werden kann. Technik sollte im berufsbildenden Bereich über das rein Abstrakte hinausgehen und dementsprechend - wenigstens in Ansätzen - praktisch umgesetzt werden können. Insbesondere stellt dies dann eine entscheidende Säule des Unterrichts dar, wenn es sich - wie in diesem Fall - um ein Themengebiet handelt, das sich durch selbständige Arbeit im Team auszeichnet.

Konkret bedeutet dies für das Projekt TkNet, dass wenigstens die Möglichkeit bestehen muss, TK-Geräte anzuschließen, TK-Anlagen zu konfigurieren, Schnittstellen der Telekommunikation zu untersuchen und ISDN Leistungsmerkmale zu erproben. Wünschenswert wären auch Möglichkeiten zur Demonstration digitaler Übertragungsverfahren (PCM) und ggf. Modelle zur Vermittlungstechnik. Auch die Analyse des D-Kanal-Protokolls sollte für eine weiterführende Betrachtung der Thematik bedacht werden.

Im Rahmen des Projektes TkNet stand eine derartige Ausstattung leider nicht rechtzeitig zur Verfügung. Sowohl während des Projektes als auch bei der Präsentation der Projektergebnisse und der Nachbesprechung wurden genau diese Punkte von allen Beteiligten als problematisch beschrieben. In der Reflexionsphase mit den Schüler und Schülerinnen und Schülern wurde darüber hinaus deutlich, dass die Ausstattung der Räume für Projektarbeit allgemein noch nicht im mindesten erfüllt ist (z. B.: Keine geeignete Literatur, kein Werkzeug, Internetzugang nur an einem PC, PCs nicht im mindesten geeignet, um Dokumente für die Projektdokumentation und -präsentation zu erstellen, kein Drucker, kein Telefon, um Firmenangebote zu bekommen, ...).

Weiter wurde von den Schüler und Schülerinnen und Schülern die Konzeption des Projektes (Verknüpfung Geschäftsprozesse und IT-Systeme) als ausgesprochen positiv angesehen, da dies "die tägliche Praxis im Betrieb" ist. Auch die wirklich freie "Handhabbarkeit" des Projektes, d. h. Planung, Inhalte, eigene Ideen etc. wurde als ausgesprochen positiv für den Lernerfolg beim Arbeiten im Projekt angesehen. Als problematisch hingegen wurde angemerkt, dass es - trotz der kurzen Einführung - nur sehr schwer war, sich in die Thematik einzufinden. Die selbständige Informationsbeschaffung bewegt sich demnach eher auf der Ebene der Werbeprospekte. Auch im Internet seien die Informationen eher auf niedrigem Niveau. Sinnvoller erscheint es demnach, wenn ein komplexes fachübergreifendes Projekt erst dann gestartet wird, wenn entsprechend Basiswissen vorhanden ist. Rein fachbezogene Projekte können hier jedoch durchaus anders betrachtet werden.

Die aufgrund schulorganisatorischer Aspekte bedingte Zerstückelung der Projektarbeit durch nicht zusammenhängende Unterrichtsstunden wirkt sich natürlich auch hinderlich auf die Projektarbeit aus. Sinnvoll wäre hier ein gewisser Stundenpool, welcher den betroffenen Kollegen zur Verfügung gestellt wird. Auch zieht sich das Projekt durch die Wochenblöcke sehr weit auseinander.

Eine elementare Erkenntnis liegt darin das es wichtig ist, die Schüler und Schüler und Schülerinnen sukzessive an die selbständige Arbeit im Team heranzuführen. Durch eine sinnvolle Folge von kleineren und größeren Projekten ist es möglich, den Grad der methodischen, sozialen und fachlichen Kompetenz zu erhöhen. Konkret heißt dies, dass im ersten Ausbildungsjahr in einem Projekt zunächst das Projektmanagement selbst im Vordergrund stehen muss. Aufbauend auf dieser Grundlage können in folgenden Projekten die sozialen Komponenten weiter ausgefeilt und die fachlichen Zusammenhänge komplexer werden.

Alle angegebenen Dokumente, Dokumentationen und Präsentationen sind auf dem ftp-Server "ftp://ftp.szut.uni-bremen.de/itsys/it-o1-99/tknet" abgelegt.