Unterlagen - Elmshorn

Entwicklung und Erprobung der ausgewählten Unterrichtseinheit “Unternehmensgründung mit Auftragsabwicklung (Homepageerstellung)" im 2. Ausbildungshalbjahr der Klasse IT-U-99

Ein Rückblick:

Das im 2. Schulhalbjahr 1998/99 geplante Vorgängerprojekt „Entwicklung eines virtuellen Marktplatzes“ konnte nicht realisiert werden. Gründe für das Scheitern waren:

1. Probleme in der Schulorganisation

Die Schüler hatten nur einen Berufsschultag mit jeweils 2 Unterrichtsstunden Wirtschaftspolitik, Englisch, Anwendungsentwicklung und Betriebliche Prozesse. Der zeitliche Rahmen war nicht gegeben und konnte aus schulorganisatorischen Gründen auch nicht gestellt werden. Die beteiligten Kollegen konnten nicht flexibel eingesetzt werden, da sie in den anderen Schulformen ebenfalls benötigt wurden. Darüber hinaus konnten geeignete Projekträumlichkeiten nicht gestellt bzw. verwirklicht werden.

2. Planungsprobleme

Die gesteckten Ziele sind zu hoch angesetzt worden. Infolge von Personalknappheit, Qualifikationsdefiziten und aufgrund eines sich ergebenden „stofflichen“ Drucks, der in Verbindung mit der damals herannahenden Zwischenprüfung stand, konnte das Projekt nicht umgesetzt werden.

Der Neustart:

Auf den Erfahrungen des Vorjahres aufbauend wurden realistischere Ziele angestrebt. Dank einer vorausschauenden Planung, der Verfügbarkeit neuer Kollegen, die zu einer besseren Lastverteilung führte, einer gewissen Gelassenheit gegenüber den IHK-Prüfungen und besser abgestimmter Raum- und Stundenpläne wurde ein neues Unterrichtsprojekt entwickelt.

Bei der IT-U-99 handelte es sich um eine Unterstufe, die sich im zweiten Halbjahr ihres ersten Ausbildungsjahres befand. In diesem zweiten Halbjahr hatte die Klasse zwei Berufsschultage:

1. Berufsschultag

2. Berufsschultag

2 Std. Betriebliche Prozesse (BeP)

2 Std. Wirtschaftspolitik

2 Std. Kommunikation 4 Std. Differenzierung

Kaufleute (BeP: speziell Marketing),

4 Std. Differenzierung

Informatiker und Techniker (IT-Systeme, VDE 100)

2 Std. Englisch
2 Std. Anwendungsentwicklung (Awe)

2 Std. Anwendungsentwicklung (Awe)

Tabelle 1: Stundenplan der IT-U-99 im 2. Ausbildungshalbjahr

Die grau schraffierten Felder zeigen die Fächer und Unterrichtszeiten der am Projekt primär beteiligten Lehrer. Die anderen Kollegen waren nicht direkt beteiligt, stellten aber teilweise ihre Unterrichtszeit zur Verfügung. Unglücklich war der Differenzierungsteil der Informatiker bzw. Techniker , da die VDE 100 hier thematisch nicht ins Projekt passte, jedoch aus Stoffverteilungsgründen (Zwischenprüfung !) unterrichtet werden musste.

Allgemeine Zielsetzung des Projekts „Unternehmensgründung mit Auftragsabwicklung (Homepageerstellung)“ war die Entwicklung eines selbständigen Problemlösungs- und Arbeitsverhaltens innerhalb eines Projektteams und die Entwicklung von Teamverhalten. Aufgrund des Umfangs und der unterschiedlichen beruflichen Schwerpunkte der Auszubildenden konnte nur arbeitsteilig und koordiniert das Projektziel einer virtuellen Unternehmensgründung und einer Auftragsabwicklung erreicht werden. Zusätzliches Ziel war die Entwicklung einer Visualisierungs-, Präsentations- und einer Dokumentationskompetenz. Die angestrebten fachlichen Lernziele lassen sich folgender Grafik entnehmen.

Abb. 1: Angestrebten fachlichen Lernziele

Auslöser und gleichzeitig Mittelpunkt des Projekts waren reale Unternehmen, die in Kooperation mit der IT-Abteilung der Berufsschule Elmshorn eine Problemstellung lösen wollten. Konkret konnten ein Tonträgerfachgeschäft, ein Elektrofachbetrieb und ein Ferienhausanbieter für eine Mitarbeit gewonnen werden. Alle Unternehmen strebten einen Internetauftritt an und fragten nach, ob die Auszubildenden einen Web-Auftritt planen und organisieren könnten. Es wurde diese Thematik gewählt, da zum einen von einem starken Interesse der Auszubildenden ausgegangen werden konnte und andererseits die notwendigen HTML-Kenntnisse zum Teil schon bestanden oder in einem Vorlauf erworben werden konnten.

Neben der reinen Anwendungsentwicklung sollten jedoch auch andere Lernfelder abgedeckt werden. Es lag auf der Hand, dass ein Auftrag ohne die Existenz einer Unternehmung nicht abgewickelt werden konnte und dass ein Unternehmen nicht von einem Auftrag allein existieren kann. Ziel war es daher auch, dass die Auszubildenden sich mit dem Thema Unternehmensgründung und mit dem Thema Marketing gleichzeitig auseinander setzen sollten. Darüber hinaus mussten die Schüler mit dem Auftraggeber korrespondieren und letztlich ein offizielles Angebot erstellen. Bei diesem integrativen Ansatz kam uns die eigentlich „problematische“ Mixtur der Klasse entgegen, da in den einzelnen Teams je zwei Kaufleute und zwei Informatiker / Techniker zusammenarbeiten konnten. Die Teams konnten sich unter Beachtung dieser Auflage selbst finden. Es wurden sechs Gruppen gebildet, von denen je zwei um den Auftrag eines potentiellen Kunden konkurrieren sollten.

In den ersten 10 Schulwochen von Februar bis April wurden in den einzelnen Unterrichtsfächern Grundlagen vermittelt, die für die Bewältigung des Projektthemas notwendig waren. In Anwendungsentwicklung wurden Grundzüge der HTML-Programmierung besprochen. In Marketing wurden die wesentlichen Facetten dieses Bereiches erarbeitet und im Bereich der betrieblichen Prozesse allgemeine Überlegungen zur Unternehmensgründung (Bedeutung der Rechtsform, Firma, Handelsregister, usw.) angestellt. Hinzu kamen eine Kurzeinführung in das Rechnungswesen (Bilanz, Liquiditätsrechnung) und Präsentationsübungen, die zum Teil vom Kollegen im Fach Kommunikation durchgeführt worden sind.

Anfang Mai begann das Projekt mit Eintreffen der Kundenanfragen. Es war bis Anfang Juli terminiert (ca. 50 – 60 Schulstunden), zum einen, um den Rahmen nicht zu groß werden zu lassen und zum anderen, um das Projekt vor den Sommerferien beenden zu können. Da die Schüler noch keine Erfahrungen mit Projektarbeit gesammelt hatten, wurden die wesentlichen Ziele und der Projektablauf (einzuhaltende Regeln, Nutzung der Räume, Außentermine, ....) besprochen. Hierzu gehörten auch die Anforderungen und die Bewertungsmaßstäbe der Lehrer. Es wurde vereinbart, die Projektnote als Leistungsnachweis anstatt einer Klausur in die Note einzubringen. Da mehrere Fächer beteiligt waren, ging eine Projektnote mehrfach in das Zeugnis ein.

Für die Projektarbeit standen normale Klassenräume und EDV-Räume mit Internetzugang zur Verfügung. Ferner stand ein Info-Tisch mit Informationen zum Thema Unternehmensgründung bereit (Info-Broschüren der IHK Hamburg, div. Beck-Wirtschaftsberater zur Unternehmensgründung, CD-ROM´s vom Bundesministerium für Wirtschaft und anderen Verlagen.). Des Weiteren konnten die Schüler für Außentermine auf ein Notebook und eine digitale Kamera zurückgreifen. Außentermine mit den Kunden, Kreditinstituten oder Versicherungen mussten vorher angemeldet werden und die dabei gewonnenen allgemeinen Informationen den anderen Schülern zur Verfügung gestellt werden. Für die Lehrkräfte mussten Protokolle dieser Außentermine angefertigt werden. Bei zwischenzeitlichen kurzen Fixpunkten wurden allgemeine Probleme gemeinsam besprochen. Je nach Arbeitsweise der einzelnen Teams, mussten diese zwischenzeitlich den betreuenden Lehrkräften einen Zwischenbericht liefern. Bei zwei der sechs Gruppen wurde dies aufgrund der laxen Arbeitsweise relativ häufig nötig.

Der Projektabschluss fand in drei Phasen statt. In einer ersten gemeinsamen Präsentationssitzung bekamen alle sechs Teams die Möglichkeit, ihre Überlegungen zur Unternehmensgründung, die geplanten Marketingmaßnahmen und das Homepageprodukt vorzustellen. Dies wurde per Videokamera festgehalten und zu einem späteren Termin besprochen. Zu einem zweiten Termin wurden die Auftraggeber eingeladen. Die beiden beteiligten Teams
bzw. Unternehmen mussten ihr Produkt präsentieren und ein offizielles Angebot abgeben. Der Auftraggeber gab beiden Unternehmen ein Feedback und äußerte sich zu den jeweiligen Angeboten. In einer letzten Projektsitzung wurde gemeinsam eine Auswertung vorgenommen und Stärken und Schwächen der letzten Wochen analysiert.