Unterlagen - Elmshorn

Reflexion und Bewertung der durchgeführten Unterrichtseinheit "Unternehmensgründung mit Auftragsabwicklung (Homepageerstellung)" im Schuljahr 1999/2000

Reflexion aus Sicht der Lehrer

Nach der längeren Vorlaufphase waren die Auszubildenden zu Projektbeginn sehr motiviert. Die Thematik des Eintritts in die Selbständigkeit bewegte einen Großteil der Schülerinnen und Schüler sehr, offensichtlich schließen viele diesen Weg für ihre persönliche Zukunft nicht aus. In den Gruppen wurde überwiegend sehr konzentriert und arbeitsteilig vorgegangen, so dass schon relativ schnell erste Planungen hinsichtlich der zu gründenden Unternehmung bzw. hinsichtlich der Kontaktaufnahme mit den Kunden existierten. Jedoch wurde uns Lehrkräften sehr schnell deutlich, dass das Leistungspotential der einzelnen Teams zum Teil sehr unterschiedlich war. Bei einer freigestellten Teambildung finden sich oftmals jeweils leistungsstärkere bzw. leistungsschwächere Teammitglieder zusammen. Ob diese freigestellte Zusammensetzung der Teams im nächsten Durchgang noch einmal praktiziert wird, steht zur Diskussion.

Positiv zu beobachten waren die Außenkontakte der Teams. Die Vorbereitung auf die Gespräche wurde ernsthaft betrieben und der Gesprächsverlauf im Nachhinein in Protokollen den Teamkollegen und den Lehrern zugänglich gemacht. Es wurden lehrreiche und interessante Erfahrungen gesammelt, zu nennen sind hier desinteressierte Bankmitarbeiter oder "total ahnungs-lose" Kunden.

Der Anfangselan ließ jedoch nach drei bis vier Wochen nach. Wir haben den Zeitaspekt bzw. das Anhalten der Motivation über einen längeren Zeitraum überschätzt. Konsequenz für das nächste Projekt wird eine deutliche Verkürzung hinsichtlich der Dauer und damit automatisch auch der inhaltlichen Ausgestaltung sein müssen. Hier macht sich ein Nachteil des wöchentlichen Unterrichts bemerkbar. Wir haben über knapp 2 Monate ein Projekt durchführen müssen, dass im Blockunterricht ein bis zwei Wochen Zeit in Anspruch genommen hätte. Ein anderer Weg könnte eventuell gegangen werden, indem die gesamten 16 Wochenstunden für das Projekt genutzt werden. Dies wirft allerdings wieder stundenplanerische Fragen auf: Können alle Kollegen eingebunden werden? Wie können die betreuenden Kollegen in den anderen Schulformen ersetzt werden? Könnte die Schule einen Stundenpool zur Verfügung stellen, den die Lehrkräfte eigenverantwortlich aufteilen?

Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass nicht für zwei ganze Tage ein EDV-Raum für eine einzige Klasse reserviert werden kann. In diesem Zusammenhang mussten wir feststellen, dass die Schüler mit professionellen Softwaretools arbeiten wollten, die die Schule in ihren vor-konfigurierten EDV-Räumen nicht zur Verfügung stellen konnte. Folge dieses Umstands war, dass die Schüler oftmals die Hauptarbeit zu Hause oder im Ausbildungsbetrieb geleistet haben. Ein Schüler nahm sich Urlaub! Hier stellt sich die Frage, ob wir uns den Auszubildenden anpassen müssen und viele Spezialtools einwerben oder ob sich die Auszubildenden mit den Möglichkeiten der Schule zufrieden geben müssen. Idealerweise müsste ein frei konfigurierbarer Rechnerraum zur Verfügung stehen, der individuell eingerichtet werden kann. Dies scheint in Zeiten INIS-gesteuerter EDV-Räume ein frommer Wunsch zu bleiben.

Die Ergebnisse in Form der Dokumentationen und Präsentationen zeigten unterschiedlichen Erfolg. Hier machte sich zum einen die heterogene Zusammensetzung der Gruppen und zum anderen die nachlassende Motivation bemerkbar. Bedauerlicherweise war dies zum Teil auch bei den Präsentationen der konkurrierenden Unternehmen vor dem Kunden festzustellen.

Für die betreuenden Lehrer bedeutete dieses Projekt viel Arbeit im Vorwege, hier sei nur die Akquisition der "Auftraggeber" und das Organisieren der technischen Ausstattung wie Notebook, Beamer, digitale Kamera oder Videokamera erwähnt. Während des Projekts gab es viele Besprechungstermine innerhalb des Lehrerteams, die aufgrund eines nicht aufeinander abgestimmten Stundenplans nicht immer leicht zu realisieren waren. Die Nachbereitung in Form der gemeinsamen Besprechung der Dokumentationen und der gemeinsamen Videoanalyse nahm ebenfalls viel Zeit in Anspruch.

Die inhaltlichen Ergebnisse der Teams waren sehr heterogen. Die fachlichen Inhalte bezüglich des Themas Unternehmensgründung mussten noch einmal systematisiert und gesichert werden. Einzelne Gruppen haben die Zielsetzungen einer einfachen Internetpräsenz weit übertroffen und E-Commerce-Lösungen integriert.

Bewertung der Leistungen

Jeder Schüler erhielt eine Projektnote, die sich wie folgt zusammensetzte:

Da die Dokumentation von allen Schülern gemeinsam erstellt wurde und einzelne Abschnitte jeweils von mehreren Schülern verfasst wurden, konnte für die Dokumentation nur eine Gruppennote vergeben werden. Diese Vorgehensweise führt auf der einen Seite eventuell zu Ungerechtigkeiten, weil mit unterschiedlich viel Engagement von Schülerseite gearbeitet wird. Sie zwingt die Schüler allerdings auch zu einem noch intensiveren Austausch innerhalb des Teams, um die vereinbarten Leistungen jedes einzelnen Teammitglieds einzufordern. Auch ein reales Projekt in Unternehmen wird keinen Erfolg haben, wenn einzelne Teammitglieder ihre Teilleistungen nicht in der notwendigen Qualität erbringen.

Die laufende Arbeit kann von den beteiligten Lehrkräften nicht immer beobachtet bzw. objektiv eingeschätzt werden und geht daher nur mit einem geringeren Prozentsatz in die Gesamtnote ein.

Einen hohen Stellenwert genießt unserer Meinung nach neben der Dokumentation die angemessene Präsentation der Ergebnisse, weil beide Aspekte einerseits wichtige berufliche Qualifikationen darstellen und andererseits von den Auszubildenden im Rahmen der Projektarbeit ihrer Abschlussprüfung verlangt werden.

Um jedoch den unterschiedlichen Leistungen und Fähigkeiten gerecht zu werden, haben wir uns dazu entschieden, diese Präsentationsnote gleichgewichtig aus einer Gruppen- und einer Individualnote zusammenzusetzen. Trotz der Würdigung der Individualleistung sollte den Gruppen bewusst bleiben, dass es sich um eine Teamleistung handelt und die Präsentation "aus einem Guss" sein sollte.

Die Projektnote ging jeweils als zweiter Leistungsnachweis neben einer vorangegangenen Klausur in die Fächer Anwendungsentwicklung, Betriebliche Prozesse und Kommunikation ein. Diese Vorgehensweise wurde gewählt, weil die gesamten Projektleistungen in allen o.g. Fächern erbracht wurden und um den Anforderungen hinsichtlich der Notengebung gerecht zu werden. Diese Gesamtnote hat somit einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Gesamtzeugnis eines Auszubildenden und kann unter u.U. zu Bewertungsungenauigkeiten führen, da die Gruppenzusammensetzung - und eng mit ihr verbunden die Gruppenleistung - ganz maßgeblich die Individualnote beeinflusst.

Eine andere Form der Beurteilung wäre ein separate schriftliche Beurteilung jedes Teammitglieds. Fraglich ist jedoch, ob dies von den Lehrkräften in einer so offenen Unterrichtssituation wie der Projektarbeit objektiv geleistet werden kann, da nicht alle Prozesse beobachtet bzw. einzelnen Auszubildenden eindeutig als individuelle Leistung zugeordnet werden können. Zu überlegen ist, ob man einen Teil der Bewertung in das Projektteam gibt, d.h. Noten innerhalb des Teams finden lässt. Bisherige Beobachtungen in den IT-Klassen zeigen, dass die Schüler durchaus sehr kritisch mit den Ergebnissen von Mitschülern umgehen.

Reflexion aus Sicht der Auszubildenden

Zum Projektabschluss wurden die Auszubildenden nach ihrer Meinung zum Unterrichtsverlauf befragt. Dies fand anonym mittels Fragebögen und in einem offenen Gespräch statt.

In einer Vierfeldmatrix hatten die Auszubildenden anzugeben, wie sie Lernerfolg und Spaß am Unterricht bewerten.

Abb. 1: Ergebnis der Befragung über den Lernerfolg bei den Auszubildenen

Erkennbar ist, dass der Großteil der Auszubildenden das Projekt überwiegend positiv beurteilt. Auffällig ist jedoch, dass der Spaß am Unterricht höher eingeschätzt wird als der unmittelbare Lernerfolg. Fünf Teilnehmern hat das Projekt eher weniger Spaß gemacht, wogegen neun den Lernerfolg eher geringer einschätzen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob der Lernerfolg von Seiten der Auszubildenden überhaupt richtig eingeschätzt werden kann, weil Lernerfolg auf-grund der bisherigen Schulsozialisation immer noch primär mit Aufnahme von Faktenwissen assoziiert wird.

Bei einer Analyse der Motivation der Auszubildenden (siehe Abb. 2, Darstellung des Medians) war i.d.R. zu Beginn des Projekts ein hohes Motivationspotential festzustellen. Auffällig war jedoch ein starker Abfall nach drei bis vier Wochen, der sich bei einigen Teilnehmern auch nicht mehr erholte. Generell ließ sich jedoch feststellen, dass zum Projektende - und somit zu den Präsentationen hin - ein Motivationsschub einsetzte.

Abb. 2: Motivationsverlauf über die gesamte Projektdauer

Aus Fragebögen und offenem Gespräch äußerten die Auszubildenden folgende positive bzw. negative Kritik:

Projektarbeit ist besser als "traditioneller Unterricht", weil man ...

Projektarbeit gefällt mir nicht so gut wie "traditioneller Unterricht, weil ...

Folgende Kritikpunkte sind eher unserem Projekt als dem Projektunterricht im Allgemeinen zuzuordnen: