Unterlagen - Elmshorn

Reflexion und Bewertung der durchgeführten Unterrichtseinheit "Unternehmensgründung mit Auftragsabwicklung (Homepageerstellung)" im Schuljahr 2000/2001

Reflexion aus Sicht der Lehrer

Das Projekt erfuhr durch die Videoanalyse der Kundengespräche eine ganz wesentliche Aufwertung. Die Auszubildenden sahen hier einen erheblichen Handlungsbedarf, da Gesprächs- und Verhandlungstechnik in ihrer bisherigen Schul- und Berufssozialisation nicht auftauchten. Da die Termine mit dem Kunden relativ dicht aufeinander folgten und neben dem Homepageprodukt auch die Unternehmensgründung durchgeführt werden musste, ergab sich ein relativ großer Arbeitsdruck. Die Projektdauer stellte sich mit vier Wochen als gut gewählt heraus, so dass die Auszubildenden gute Ergebnisse präsentieren konnten. Allerdings müssen einige fachlichen Hintergründe nochmals systematisiert bzw. Fehler angesprochen werden. Angesichts des Kompetenzzuwachses in Bezug auf Planung, Durchführung, Dokumentation und Präsentation eines Projekts erscheinen diese nach Projektende noch zu klärenden Ungenauigkeiten vertretbar.

Die Organisation und Durchführung von diversen Kundengesprächen im eigenen Hause erforderte einen hohen Organisationsaufwand. Angefangen beim Überzeugen der Lernbüro-Kollegen mitzuarbeiten und über die Instruktion dieser Kollegen, wie die Gespräche zu führen sind, musste letztendlich auch der Geschäftskontakt aufgebaut und durchgeführt werden, im Sinne eines "Ghostwriters" und Postboten. Darüber hinaus musste die Videoaufzeichnung organisiert werden. Nach der gemeinsamen Videoanalyse, die sehr produktiv war, war jedoch klar, dass sich dieser Aufwand auf jeden Fall gelohnt hat.

Bewertung der Leistungen

Die Leistungen wurden im Wesentlichen analog zum Vorgängerprojekt bewertet:

Jeder Schüler erhielt eine Projektnote, die sich wie folgt zusammensetzte:

Um den unterschiedlichen Leistungen und Fähigkeiten gerecht zu werden, haben wir uns dazu entschieden, die Präsentationsnote gleichgewichtig aus einer Gruppen- und Individualnote zusammenzusetzen. Trotz der Würdigung der Individualleistung sollte den Gruppen bewusst bleiben, dass es sich um eine Teamleistung handelt und die Präsentation "aus einem Guss" sein sollte.

Die Projektnote ging jeweils als zweiter Leistungsnachweis neben einer vorangegangenen Klausur in die Fächer Anwendungsentwicklung, Betriebliche Prozesse und Kommunikation ein. Diese Vorgehensweise wurde gewählt, weil die gesamten Projektleistungen in allen o.g. Fächern erbracht wurden und um den Anforderungen hinsichtlich der Notengebung gerecht zu werden, da in Schleswig-Holstein die einzelnen Fächer separat ausgewiesen werden müssen. Die Vergabe einer eigenständigen Projektnote ist nicht möglich.

In einer der Projektgruppen wurde mit recht unterschiedlicher Intensität und Qualität von den einzelnen Gruppenmitgliedern gearbeitet. Versuchsweise wurde dieser Gruppe für die Dokumentation eine Gruppennote gegeben, die innerhalb der Gruppe weiter ausdifferenziert werden konnte. Diese Vierer-Personengruppe erhielt insgesamt eine befriedigende Beurteilung (8 Punkte in der Skala von 0-15 Punkten). Die Gruppe konnte daher 32 Punkte auf vier Personen aufteilen, wobei je zwei Mitglieder 10 Punkte (knapp gut) und je zwei Mitglieder 6 Punkte (ausreichend) für ihre Leistung erhielten. Da von Lehrerseite die inhaltliche Qualität der einzelnen Teilaspekte schon vorher mit den Gruppen besprochen wurden, gab es bei dieser Aufteilung des gesamten Arbeitserfolgs keine Meinungsverschiedenheiten. Dieses Verfahren soll in Zukunft in allen Projektgruppen angewendet werden, da die Fähigkeit zur Einschätzung der eigenen Leistung und die der anderen Gruppenmitglieder eine ganz wichtige Kompetenz darstellt.

Reflexion aus Sicht der Auszubildenden

Mittels anonymer Fragebögen und in einem offenem Gespräch wurden die Auszubildenden nach ihrer Meinung zum Unterrichtsverlauf befragt. In einer Vierfeldmatrix hatten die Auszubildenden anzugeben, wie sie Lernerfolg und Spaß am Unterricht bewerten.

Abb. 1: Ergebnis der Befragung über den Lernerfolg bei den Auszubildenden

Die Abb. 1 zeigt das Meinungsbild aller Auszubildenden. Erkennbar ist, dass der Großteil das Projekt positiv beurteilt hat. Im Vergleich zum letztjährigen Projekt ist ein höherer Lernerfolg bei mehr Spaß im Unterricht festzustellen. Dies könnte an einem reibungsloseren Projektverlauf mit einer verbesserten Organisation oder vielleicht an der zusätzlichen Analyse der Kundengespräche liegen. Aufgrund der unterschiedlichen Schülergruppen und der unterschiedlichen Projektverläufe kann dies abschließend aber nicht geklärt werden. Einschränkend ist zu erwähnen, dass es bei der Angabe des Lernerfolgs zu einer Mischung aller Kompetenzbereiche kommt. Der Lernerfolg hinsichtlich des fachlichen Lernzuwachses würde wahrscheinlich weniger hoch ausfallen als der der anderen betrachteten Kompetenzbereiche. Letztendlich ist dieses Meinungsbild jedoch ein klares Votum der Auszubildenden für unsere Projektarbeit.

Auch in diesem Projekt war die Motivation der Auszubildenden (siehe Abb. 2, Darstellung des Medians) zu Beginn des Projekts relativ hoch. In der zweiten und dritten Woche ließ die Motivation etwas nach, um dann zum Projektabschluss wieder zu steigen.

Abb. 2: Motivationsverlauf über die gesamte Projektdauer

Das Feedback auf die Frage, ob die Auszubildenden nun Projektunterricht oder "traditionellen" Unterricht bevorzugen würden, deckte sich weitgehend mit dem letztjährigen Ergebnis.

Ganz wesentlich für die Auszubildenden ist das eigenständige Bearbeiten einer Thematik und die positiven wie negativen Erfahrungen im Rahmen der Teamarbeit. Nicht als Kritik, sondern eher als Aufforderung an die Lehrkräfte ist die Forderung zu verstehen, das teilweise erarbeitete "Halbfachwissen" aufzuarbeiten und zu systematisieren.