Unterlagen - Elmshorn

Reflexion und Bewertung der IT-Ausbildungs- und Unterrichtsgestaltung unter dem Zielaspekt der Integration des Lernfelds "Fachliches Englisch"

Die Integration des Lernfeldes 5 "Fachliches Englisch" in die IT-Ausbildung kann auf zwei unterschiedlichen Ansätzen basieren:

  1. Englisch wird als separates Lernfeld mit Bezug zu technischen und kaufmännischen Inhalten unterrichtet.
  2. Es wird eine Integration von Englischsequenzen in lernfeldübergreifenden IT-Projekten, z.B. Erstellung von business letter, product presentations usw. vorgenommen.

Beide Ansätze verfolgen die Zielsetzung, die Schüler und Schülerinnen zu befähigen, in Englisch verfasste Dokumentationen zu verstehen und zu erstellen, Präsentationen auf Englisch zu erstellen und vorzutragen sowie eine fachsprachliche Konversation zu betreiben.

Umsetzung des Englischunterrichts an der Meinert-Johannsen-Schule in Elmshorn

Aufgrund der Erfahrungen des im Rahmen des Modellversuchs durchgeführten Englischunterrichts kann nun berechtigt von einer Festigung der Unterrichtsplanung für die IT-Ausbildung an der Meinert-Johannsen-Schule, Elmshorn, gesprochen werden.

 

Projekt 1

Projekt 2

1. Halbjahr Einfache technische Dokumentation Corporate Identity
2. Halbjahr Benchmark-Contest Messepräsentation
3. Halbjahr Programmiersprachen Marktstudie

Tab. 1: Rahmen für den Englischunterricht an der Meinert-Johannsen-Schule Elmshorn

Der offene, schülerzentrierte Projektunterricht ist als Standardunterrichtsform eingeführt worden. Als Grundlage der Planung dient eine Anzahl von grundlegenden und allgemeinen Projektvorschlägen, welche dann individuell bzw. klassenspezifisch und bedarfsgerecht mit aktuellen Projektthemen bearbeitet wird (siehe Tab. 1).

Fasst man die konkret beobachteten Arbeitserfolge dieser Unterrichtskonzeption zusammen, dann gelangt man zu einem teilweise widersprüchlichen Fazit (siehe Modellversuch SEDIKO 2001):

Einerseits lieferten die Arbeitsgruppen der Schüler in diesem offenen, schülerzentrierten Projektunterricht Arbeitsergebnisse ab, die in annähernd 80% aller Fälle "gut" zu beurteilen waren bzw. weit über dem Durchschnitt gelegen haben. Diese Aussage bezieht sich sowohl auf die Erstellung von Dokumentationsmaterial als auch auf die Leistungen in der Vorbereitung und Durchführung der Präsentationen. Andererseits wurden in Einzelfällen nur mäßige Ergebnisse abgeliefert bzw. keine Leistungen im Projektablauf erbracht (< 5%).

Dabei - und dies ist überraschend - fällt für diese Art von schülerorientiertem Projektunterricht die Kritik an dieser Unterrichtsform weit härter aus als sie gegenüber engeren Formen der Unterrichtsgestaltung artikuliert wird. Sie trifft Mitschüler und vor allem die Lehrkraft, welcher nicht selten vorgeworfen wird, zu wenig (!) frontal zu unterrichten und damit so etwas wie einen "Rückzug aus der alleinigen Unterrichtsführung" anzutreten. Die Schüler und Schülerinnen fordern häufig - mindestens jedoch in der Einstiegsphase- vorlesungsartige Referate von der Lehrkraft im Rahmen ihrer selbständigen Arbeit.

Betrachtet man den Arbeitseinsatz einer Lehrkraft für dieses Unterrichtskonzept, die persönlich einen zunächst nur sprachlichen Kompetenzschwerpunkt mitbringt, so wird deutlich, dass die Erschließung der Arbeitswelten, Sachinhalte, Techniken etc. des Berufsfeldes sowohl hinsichtlich Einarbeitung als auch Aktualisierung äußerst aufwendig verläuft. Insbesondere ist das inhaltliche Begleiten der Schülerprojekte ein Prozess, in dem häufig spezialisiertes Wissen analysiert und fremdsprachlich verbalisiert werden muss. Dabei kommt es für die Lehrkraft schwerpunktmäßig darauf an, sich in die fremdsprachliche Symbolik und Syntax des IT-Bereichs einzufühlen und einzulesen.

Von daher verlangt der offene, schülerzentrierte Projektunterricht ein großes Interesse an den fachlichen Inhalten der IT-Berufe seitens des Fremdsprachenlehrers. Andererseits erfährt der Sprachlehrer eine starke Motivation durch aktuelle Informationen über Entwicklungen der Hochtechnologie im Rahmen der Projekte, die er u.a. in seinem weiteren Berufsschulunterricht verwerten und einbinden kann. Die Äußerungen der Schüler und Schülerinnen, sich teilweise als "students" zu fühlen, können durchaus bestätigt werden, da die meisten ihrer Arbeiten ohne weiteres im Grundstudium bestehen könnten.

Ein grundsätzlich ähnlicher Ansatz für die Umsetzung des Lernfeldes 5 "Fachliches Englisch" wird an der Ludwig-Erhard-Schule in Kiel verfolgt (siehe Modellversuch SEDIKO 2001, S. 62ff.).

Die o.a. zweite mögliche Umsetzungsmöglichkeit des Lernfeldes 5, die Integration von Englischsequenzen in lernfeldübergreifenden IT-Projekten, ist an den Modellversuchsschulen nicht erprobt worden. Ein erster Grund dafür ist darin zu sehen, dass die an den jeweiligen Berufsschulen vorhandenen Englischlehrer nicht die nötige IT-Fachkompetenz haben und daher i. d. R. nur gemeinsam mit entsprechenden IT-Fachlehrern in lernfeldübergreifenden IT-Projekten unterrichten können. Ein schulorganisatorisches Problem besteht in diesem Falle zusätzlich darin, dass diese Englischlehrer sowohl in mehreren Klassen als auch in unterschiedlichen Schularten eingesetzt werden müssen und daher in ihrer stundenplanmäßigen Verfügbarkeit eingeschränkt sind. Ein weiterer Grund liegt in der im allgemeinen nicht ausreichend vorhandenen fremdsprachlichen Kompetenz bei den in den IT-Klassen eingesetzten IT-Fachlehrern.

Die fremdsprachliche Kompetenz von Lehrern im IT-Bereich muss daher durch eine verstärkte Berücksichtigung der Fremdsprache Englisch sowohl in der allgemeinen als auch in der fachspezifischen wirtschaftlichen und technischen Ausprägung in allen drei Phasen der Lehrerbildung entsprochen werden.