Unterlagen - Erfurt

Rahmenbedingungen und Zielsetzungen zur Unterrichtsgestaltung in den IT-Klassen an der Andreas-Gordon-Schule in Erfurt

An der Andreas-Gordon-Schule in Erfurt werden seit Sommer 1997 IT-Klassen unterrichtet. Im Schuljahr 1997/98 wurden vier Klassen mit insgesamt etwa 80 Schülern und im Jahr 1998/99 sechs neue Klassen mit etwa 140 Schülern aufgenommen. Unterrichtet werden alle fünf IT-Berufe. Die Schüler werden im ersten Ausbildungsjahr an 16 Wochen in der Schule unterrichtet. Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr werden die Schüler jeweils noch an 9 Wochen in der Schule unterrichtet.

Bemerkenswert ist, dass ca. 50 % der Auszubildenden des Jahrgangs 1998 eine Vorbildung oberhalb des Realschulabschlusses besitzen. Auffällig ist auch der im Vergleich zur Ausbildung in den elektrotechnischen Berufen hohe Anteil an Frauen in der IT-Ausbildung. Für viele Aus-zubildende ist die IT-Ausbildung eine Alternative zu einem Hochschulstudium; nur wenige haben die Absicht, nach der Ausbildung ein Studium aufnehmen zu wollen. Einige Auszubildende führen die Ausbildung im Rahmen einer Umschulung durch: in diesem Fall reduziert sich die Ausbildung auf zwei Jahre. Die Auszubildenden besuchen dann bei uns an der Schule das erste und dritte Ausbildungsjahr. Einige Auszubildende haben ein Hochschulstudium (Elektrotechnik, Jura, ...) abgebrochen. Das Alter der Auszubildenden liegt im Bereich von 16 bis 52 Jahren. Die meisten Auszubildenden sind zwischen 19 bis 24 Jahre alt.

Gleich zu Beginn der Ausbildung wurden Elemente 'moderner' Pädagogik (Freinet-Pädagogik, Offene Unterrichtsansätze etc.) - in Übereinstimmung mit dem Selbstverständnis der Berufe - aufgegriffen und schrittweise im Unterrichtsalltag umgesetzt.

Zentrale Aspekte des Berufsselbstverständnisses, die wir grundsätzlich im Unterricht beachten und bei der Bestimmung der Lernziele, der Festlegung der Lerninhalte und bei der Unterrichtsgestaltung berücksichtigen, sind:

  1. die Service- und Dienstleistungsorientierung der Berufe,
  2. die Team- und Gruppenarbeitsorientierung in den konkreten alltäglichen Arbeitsprozessen,
  3. fachübergreifende Verständigungen im betrieblichen Alltag und
  4. die Aufhebung der Trennung von gewerblich-technischer und kaufmännischer Berufsorientierung im Berufsselbstverständnis.

Die Konzeption des offenen Unterrichts stellte sich - aus unserer bisherigen Sicht - als besonders geeignet heraus, um den vielfältigen Ansprüchen gerecht werden zu können.

Offene Unterrichtsgestaltung

Offene Unterrichtskonzepte wurden in Deutschland seit den 70er Jahren intensiv diskutiert und auch im Schulalltag gerade im Allgemeinbildungsbereich ausprobiert . Ein erhebliches Problem ist darin zu sehen, dass es den Vertretern des offenen Unterrichts nicht gelungen ist, eine vollständige didaktische Konzeption zu erstellen. Dem Selbstverständnis der Vertreter des offenen Unterrichts mag es dabei entsprechen, auf einen 'vollständigen' und 'systematischen' Entwurf zu verzichten. (Aus der Sicht der Kritiker liegt hier aber eine nicht unbeliebte Schwäche des offenen Unterrichtskonzeptes vor. Nach ihrer Überzeugung 'lebt' die Idee des offenen Unterrichts von den Schwächen der 'klassischen' Entwürfe. In modischer Orientierung werden leichtfertig 'Gegenideen' verabsolutiert.) Angesichts der gerade in den 70er Jahren spürbaren, vermeintlich moralischen Überlegenheit, die von Vertretern des offenen Unterrichtskonzeptes vorgetragen wurde, ist dieser Befund zugleich symptomatisch wie auch überraschend.

Die Konzeption des offenen Unterrichts nimmt handlungstheoretische Leitideen unter der expliziten Beachtung kommunikativer Handlungsvoraussetzungen auf und integriert projektorientierte, fächerübergreifende und freie Lernvorstellungen in das Unterrichtsgeschehen. Der offene Unterricht ist nicht mit Unterrichtschaos oder mit Lernbeliebigkeit gleichzusetzen. Ganz im Gegenteil: der offene Unterricht macht eine umfassende Planung und Gestaltung von Seiten der Lehrkräfte erforderlich.

Im Detail ist die Planung des Lehrers immer nur ein - jedoch wichtiger - Vorschlag zur Gestaltung des Unterrichts. Der offene Unterricht kann in bestimmten unterrichtlichen Situationen zur Gestaltung eines für alle Lernbeteiligte angenehmen und effektiven Lerngeschehens beitragen. Dies hat zur Voraussetzung, dass der einzelne Lehrer die zu behandelnden Zusammenhänge in umfangreicher Art durchdrungen hat, da er nur so flexibel und hilfreich den Schülern während der offenen Unterrichtsphasen zur Seite stehen und ungewohnte Ideen und Fragen seitens der Schüler kritisch bewerten und zur konstruktiven Gestaltung von Lernprozessen aufnehmen kann. Bezogen auf den persönlichen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler ist zu betonen, dass die Offenheit nicht zur Taktlosigkeit führen darf.

In seiner weiten Auslegung werden das 'entdeckende' und das 'kreativitätsfördernde Lernen', das 'handlungsorientierte Lernen' und der 'Projektunterricht', aber auch das 'Lernen im Spiel' und der 'diskursive Unterricht' als Teilgrößen des offenen Unterrichts verstanden. Die verschiedenen Unterrichtsarten werden hierbei entweder als Teilgrößen oder aber als vollgültige Ausdrücke des offenen Unterrichts aufgefasst. In seiner engeren Bedeutung wird der offene Unterricht von den oben genannten Unterrichtsformen jedoch strikt abgegrenzt und als eine eigenständige Organisationsweise verstanden.

Zentrales Ziel des offenen Unterrichts ist, die Selbständigkeit, die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit, die Verantwortungsfähigkeit und das Lernengagement der Schüler umfassend zu fördern und zu verbessern.

Es charakterisiert den offenen Unterricht in seiner strengen Auslegung, dass Form, Struktur und Inhalt des Unterrichts gleichermaßen von den elementaren Leitideen erfasst werden. Zu unterscheiden sind hierbei allgemein fünf Aspekte, die in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand der Schüler unterschiedlich stark entfaltet werden können:

Im offenen Unterricht werden außerschulische (betriebliche) Interessen aufgenommen und in das Unterrichtsgeschehen integriert, bzw. zum Ausgangspunkt von Vermittlungsprozessen gemacht. Die strikte Trennung von privater und schulischer Welt wird aufgehoben, ohne dass der Unterricht privatisiert werden soll. Die Eigenständigkeit der (Berufs-) Schulen im 'Konzert von Schule, Hochschulen und Betrieben' bleibt erhalten und wird gestärkt. Der Lehrer begreift sich im Unterricht als Lernmoderator. Er ist Fachmann in seinen studierten wissenschaftlichen Fächern und in der Auswahl und Festlegung der Unterrichtsmethoden. Aufgrund seines breiten Wissens kann er in sinnvoller Art fächerübergreifende Fragestellungen aufnehmen und komplexe Lernprozesse im Unterricht zielstrebig initiieren und sachgerecht begleiten.

Darüber hinaus ist für mein Verständnis des offenen Unterrichts die Gestaltung der Freiarbeit im Unterricht wesentlich. Kern der Freiarbeit ist die Idee, dass die Schüler nach Absprache mit dem Lehrer und ihren Mitschülern Inhalte und Aufgaben nach eigener Wahl bearbeiten können und auch sollen. Die Selbständigkeit der Schüler soll gefördert werden. Zugleich bleiben wesentliche Lerninhalte und -ziele für alle Schüler weiterhin verbindlich. Im Primarschulbereich werden zur Organisation der Freiarbeit Wochenarbeitspläne erstellt und zum Beispiel mit Kreisgesprächen zum Wochenanfang wesentliche Entwicklungen der Klasse besprochen und festgelegt. U. a. mit Hilfe von Karteikarten dokumentieren die Schüler ihre Lernentwicklung. Diese Dokumentation hilft dem Lehrer bei der Erfassung individueller Probleme und Fortschritte der Schüler. Im Bereich der Sekundarstufe II und besonders im Berufsbildungsbereich liegen entsprechende Erfahrungen mit diesen komplexeren Lernorganisationsansätzen und -methoden bisher jedoch kaum vor.

Organisation der IT-Ausbildung in der Schule  (Leitkonzeption: Moderatoren-System)

Aufgrund der vielfältigen Aktivitäten innerhalb der IT-Ausbildung war es notwendig, bereits frühzeitig - möglichst klare - Organisationsstrukturen zu bestimmen, um reibungslose und effektive Abstimmungen und optimale Handlungsprozesse zwischen den Lehrkräften zu ermöglichen. Derzeit sind etwa 20 Kollegen an der IT-Ausbildung beteiligt. Beim Aufbau der Ausbildung wurden im Schuljahr 1997/98 Kollegen eingesetzt, die schon seit längerer Zeit an der Schule beschäftigt sind und einige Lehrer, die erst ganz neu zur Schule kamen. Zentrales Einsatzkriterium war im besonderen die Bereitschaft der einzelnen Lehrkraft, moderne Methoden im Unterricht einsetzen zu wollen und eine hohe Bereitschaft, sich fachlich selbständig fortzubilden. Im Schuljahr 1998/99 wurden zusätzlich Lehrkräfte eingesetzt, die schon seit einiger Zeit mit der Vermittlung informationstechnischer Inhalte an der Schule beauftragt waren. Dazu kamen neue Kollegen besonders für ökonomische Themenstellungen. Eine große Belastung sind für viele Kollegen die äußerst unklaren und soweit beurteilbar, ungünstigen Berufsaussichten im Thüringer Schuldienst (Stichwörter: Floating und Swing). Die Auswirkungen auf die (bewusste und unbewusste) Arbeitsmotivation sind im Detail bisher nicht untersucht.

Im Prozess der Öffnung wurden bis dahin gültige Orientierungs- und Abstimmungsmuster der Kollegen an der Schule fragwürdig. Dies betrifft die konkrete Unterrichtsplanung, den Kontakt zu Auszubildenden, Betrieben und Kollegen wie natürlich auch die Unterrichtsgestaltung. Durch die Aufhebung der überlieferten Verstehens- und Organisationsformen entsteht ein Orientierungsvakuum, in das 'private Verständigungsmuster' in zum Teil unreflektierter Art 'eindringen' können. Von daher war es notwendig, einen Arbeitsrahmen zu bestimmen, der aber nicht für alle Zeit Geltung beanspruchen muss.
Folgende Leitstruktur wurde hierzu bestimmt:


Die Moderatoren organisieren die einzelnen Unterrichtsfelder, auf die die Lernfelder abgebildet werden. Folgende (idealtypische) 'Definition' zur Stellung der Moderatoren und zur Beziehung Moderator-Lehrkraft wurde vorgenommen (Stand: Februar 1998):

"Die Grundprinzipien der verschiedenen Unterrichtsfelder sollen von allen in der Ausbildung eingesetzten Lehrkräften beherrscht werden. Ein Moderator organisiert die Ausbildung in jedem Unterrichtsfeld und besitzt umfassende und vertiefte Kenntnisse zu und in den einzelnen Bereichen. Er ist besonders für die klassenübergreifende Organisation der Teilprojekte zuständig. Jede einzelne Lehrkraft muss in ihrem Unterricht die einzelnen Lernfelder berücksichtigen. So werden zum Beispiel im Programmierunterricht Aufgaben mit Bezügen zur Hardware-Konzeption von Rechnern und zur Betriebswirtschaftslehre gestellt."

In einer ersten Verständigung wurden Moderatoren für die folgenden Unterrichtsfelder bestimmt: Hardware, Programmierung, Betriebssysteme, Anwendungssoftware, Technische Kommunikation und Betriebswirtschaft. Im Frühjahr 1999 wurden die IT-Unterrichtsfelder jedoch neu geordnet und benannt.

Problematik der Geschäftsprozesse

Generell leitend für die IT-Ausbildung ist die Überzeugung, dass die konkreten Geschäftsprozesse in den Betrieben zum Ausgangspunkt der unterrichtlichen Vermittlung werden sollen.

Dieses Vorhaben ist aus verschiedenen Gründen eine große Herausforderung für die Berufsschulen. Die Berufsschule gewinnt so die Chance, zu einem echten Partner von Betrieben und Auszubildenden zu werden. Zugleich kann sie innovativ bei der Entwicklung und Gestaltung der Berufsrealität  mitwirken. Grundsätzlich wird durch diesen Ansatz vermieden, dass die Berufsschule nur eine Nischenfunktion einnimmt.

Dennoch gibt es auch viele Probleme für die Berufsschule, die gedachte Rolle adäquat auszufüllen. Folgende Probleme liegen vor:

Geschäftsprozesswissen aus der Sicht der Auszubildenden

Gerade dieser letzte Punkt zeigt, dass die Schulen und Lehrkräfte die konkreten IT-Prozesse in den Betrieben kennen müssen. Die bekannte allgemeine und wissenschaftliche Literatur und die mit Vertretern der Universitäten geführten Gespräche ergaben nur geringe Anhaltspunkte zur Klärung und Auflösung der Problematik. Um einen Zugang zur Thematik zu erlangen, wurden mit den Auszubildenden in regelmäßigen Abständen Gespräche zu ihren Ausbildungs- und Berufserfahrungen geführt. Im Mai 1998 wurde eine erste Umfrage unter den IT-Schülern des ersten IT-Jahrgangs zu den konkreten IT-Geschäftsprozessen in den Betrieben durchgeführt.

Den Auszubildenden wurde folgende Fragestellung zur Beantwortung gegeben:

"Bitte geben Sie an, wie viel Prozent Ihrer täglichen Arbeitszeit in den aufgeführten Rubriken liegen. Versuchen Sie, so weit Ihnen dies möglich ist, eine Zuordnung zu den Unteraspekten 'Hardware', 'Software' und 'Anwendungen' vorzunehmen."
  Hardware Software Anwendungen
Vertrieb      
Verkauf      
Servicetätigkeiten im Geschäft      
Beratung von Kunden      
Schriftliche Ausarbeitungen      
Kaufmännische Tätigkeiten      
Innerbetriebliche IT-Tätigkeiten      
Internet-Arbeiten      
Werbung / Marketing      
Gespräche im Betrieb      

Im Anschluss an diese Befragung wurden die Schüler im Juli 1998 gebeten, einen Fragebogen zu entwickeln, mit dem die notwendigen Ausbildungsvorkenntnisse, die tatsächlichen Arbeitsanforderungen und konkreten Geschäftsprozesse im IT-Bereich ermittelt werden können.

Die Auswahlkriterien sollten von den Schülern gesondert begründet werden.

Eine weitere (indirekte) Befragung der Auszubildenden des Jahrgangs 1998 wurde im Mai 1999 vorgenommen. Die IT-Auszubildenden wurden gebeten, folgende Problemstellung schriftlich zu beantworten:

"Sie werden von der IHK in Mannheim gebeten, auf einer Vorstellung der IT-Berufe Ihre Einsichten zur IT-Welt, zur Ausbildungssituation und zu den notwendigen Fähigkeiten und Kenntnissen der IT-Auszubildenden vorzutragen. Orientieren Sie sich bei der Ausarbeitung Ihres Vortrags an folgenden Leitaspekten:
  • Zusammenarbeit Schule-Betrieb
  • IT-Erfahrungen der Mitarbeiter im Betrieb
  • Arbeitsformen im Betrieb
  • Bedeutung der Gruppen- und Teamarbeit im Betrieb
  • Kundenkontakte und Kundengespräche im Betrieb
  • Orte des Arbeitseinsatzes
  • Innerbetriebliche Ausbildung zu folgenden Themen / Inhalten
  • Umgang mit Betriebssystemen
  • Umgang mit vernetzten Rechnern
  • Interneterfahrungen (z. B. zur Informationsbeschaffung)
  • Gestaltung von Internetseiten (z. B. Präsentation, Werbung)
  • Einsatz von Anwendungssoftware im Betrieb, bei Kunden
  • Einsatz von Testsoftware
  • Einsatz von Programmbibliotheken
  • Einsatz / Kenntnisse von Programmiersprachen
  • Hardwarearbeiten im Betrieb
  • Klassische Elektrotechnische Aufgaben
  • Umgang mit Telekommunikationsanlagen
  • Berührung mit Aspekten der Energieversorgung
  • (Selbständige) Durchführung von Präsentationen
  • Auseinandersetzung / Befassung mit Geschäftsbriefen, Abrechnungen, Mahnungen
  • Kontakt mit datenrechtlichen und -sicherheitstechnischen Belangen (Problem Jahr 2000)
  • Gestaltung von internen Schulungen für Mitarbeiter"

Generell kristallisiert sich heraus, dass die inhaltliche Breite in der IT-Arbeitswelt sehr groß ist. Betriebswirtschaftliche und vertragsrechtliche Kenntnisse und klassische Servicefähigkeiten besitzen eine hohe Bedeutung.

Die enge Verzahnung von technischen und kaufmännischen Aufgabenstellungen ist für viele Auszubildende im Arbeitsalltag grundsätzlich selbstverständlich (geworden).

Programmiertechnische Kenntnisse und Fähigkeiten sind nur für einen Teil der IT-Auszubildenden im konkreten Arbeitsalltag relevant. Und die (wenigen) Auszubildende, die mit Programmieraufgaben in ihren Firmen beauftragt sind, arbeiten mit Sprachen und Hilfsmitteln, die im schulischen Alltag eher unbekannt sind. Zugleich bearbeiten sie Problemstellungen, deren Komplexität weit über das hinausgeht, was in der Berufsschule - nach ihrem derzeitigen Selbstverständnis und ihren Möglichkeiten bewältigt werden kann. Überhaupt werden viele Auszubildende bereits frühzeitig mit sehr anspruchsvollen Aufgaben in den Betrieben eigenständig beauftragt. In einigen Firmen übernehmen die IT-Auszubildenden bereits im ersten Ausbildungsjahr anleitende Funktionsaufgaben gegenüber Mitarbeitern. Es zeigt sich jedoch auch, dass in vielen Betrieben eine große Unsicherheit über die den Auszubildenden zu vermittelnden Kenntnisse vorliegt.

Modellfirma ("Schulspinne")

Die Übungsfirma 'Schulspinne' bietet die innerhalb der Schule und den einzelnen Schulen im Bereich des Schulamts Beratungen und einfache technische Hilfestellungen für IT-Produkte - z. B. Installation von Betriebssystemen, Schulungen von Anwendern und Erstellung von Internet-Seiten  an. Die Aufträge werden an die 'Schulspinne' geleitet, dort mit den Schülern diskutiert und nach Absprache von den Schülern der IT-Klassen ausgeführt. Es müssen auch betriebswirtschaftliche Prozesse erfasst und entsprechende Vorgänge ausgeführt, Kundenkontakte organisiert und Beratungsgespräche geführt werden. Hierzu erhalten die Schüler zum Teil Freistellungen vom übrigen Unterrichtsgeschehen. Die Erfahrungen der Schüler werden dann wieder an die 'Schulspinne' zurückgemeldet. Die 'Geschäftsführer' der einzelnen Klassen treffen sich jeweils zum Wochenbeginn zu einer halbstündigen Beratung mit den verantwortlichen Lehrkräften unter Leitung des Geschäftsführers des 'Schulspinne'.

Projektorientierung in der Ausbildung

Die Projektorientierung der Ausbildung wurde im Herbst 1998 aufgenommen. Konkret eingebunden wurden 'nur' die IT-Klassen des Jahrgangs 1998. Aus pädagogisch-organisatorischen Gründen wurde mit den Schülern des IT-Jahrgang 1997 der bis dahin gewählte Weg im wesentlichen weiterverfolgt. Den Schülern des Jahrgangs 1997 wurden im Februar 1998 ca. 100 Referatsthemen (Stand 19. Februar 1998) zur Bearbeitung gegeben. In Abstimmung mit den einzelnen Fachlehrern mussten die Schüler ihre Themen wählen. Jeder Schüler sollte dabei etwa 3 Themen für die gesamte Ausbildungszeit wählen. Große Schwierigkeiten ergaben sich bei der Überprüfung, wie viel Themen jeder Schüler tatsächlich und mit welcher Intensität bearbeitet hat. Diese Referatsarbeit prägt zu großen Teilen die Arbeit des Jahrgangs 1997. Erst seit Sommer 1999 werden erste projektartige Verständigungen in den IT-Unterricht dieses Jahrgangs integriert.

"Unter Projektunterricht versteht man die Organisation der Lernprozesse in fächerübergreifenden, durch die Bedürfnisse der Schüler und aktuelle Notwendigkeit motivierten Handlungen. (...) Der Projekt-Gedanke ist die pädagogische Reaktion auf die zunehmende Entfremdung des Menschen von sich selbst durch die ökonomische Entwicklung im industriellen Zeitalter" (Nündel 1980, S. 323.).

An der SBBS 4 in Erfurt wurde im Oktober 1998 ein Projektgesamtrahmen für die Ausbildung gebildet.

Angesichts vielfältiger organisatorischer und personeller Veränderungen wurden für die Ausbildung in den ersten Ausbildungsjahren IT-Kerninhalte definiert und zu sogenannten Unterrichtsfeldern zusammengefügt. Die Inhalte der einzelnen Lernfelder werden auf diese Unterrichtsfelder abgebildet.

Die Zuordnung ist veränderbar. Zwischen den einzelnen Unterrichtsfeldern werden immer wieder Bezüge organisiert und im Unterricht auch thematisiert. Eine intensive Verklammerung und einheitliche Ausrichtung der Ausbildung erfolgt durch die Organisation von unterrichtsfeld-übergreifenden Projekten. Ziel der Ausbildungsorganisation ab Sommer 1999 ist es, die Lernfeldstruktur verbindlich einzuführen.