Unterlagen - Friedrich-Ebert-Schule

Entwicklung und Erprobung der ausgewählten Unterrichtseinheit "Einrichtung eines PC-Schulungsraums" in der IT-Ausbildung im 2. Ausbildungshalbjahr der Klassen "10 BE 10" und "10 BE 11"

Kurzbeschreibung zur konkreten Klassensituation und Einordnung der Unterrichtseinheit in die Halbjahresplanung

Der hier beschriebene Unterricht wurde zum ersten Mal in den Klassen 10 BE 10/11 (97) erprobt und jetzt im zweiten Jahr der IT-Ausbildung an der FES auch in den Klassen 10 BE 10/11/12/13 (98) realisiert.

In den Klassen 10 BE 10/11 ist der Unterricht in 8-Wochen-Blöcken organisiert. Die Schüler sind ausschließlich Auszubildende eines Großbetriebes, mit dem die Schule eine besondere Kooperationsform entwickelt hat. Die Beschreibung der Reflexion bezieht sich in erster Linie auf den Unterricht in diesen Klassen. Die Erfahrungen in den übrigen Klassen werden im nächsten Kapitel betrachtet.

Durch das schrittweise Heranführen des Schüler an die Arbeit im didaktisch reduzierten Geschäftsprozess gelingt es, dass die Lerngruppe sich mit der gestellten Aufgabe identifiziert, sie sich zu eigen macht. Wesentlich dabei ist, dass sie das "Handlungsprodukt" - den PC-Raum - anschließend als Unterrichtsraum benutzt.

Variation des Auftrags: "Umzug eines PC-Schulungsraums", "Reorganisation eines PC-Schulungsraums".

Arbeitsfähigkeit herstellen

Das gemeinsame Lernen im Rahmen didaktisch reduzierter Geschäftsprozesse setzt bei Schülern und Lehrern voraus, dass sie sich auf eine für schulische Situationen ungewöhnliche Form der Zusammenarbeit einlassen. Einige Merkmale des Lernens in Prozessen sind:

Durch die eher passive Erwartungshaltung, die Schüler mitbringen, soll der Unterrichtsstoff durch die Lehrerinnen bzw. Lehrer weitgehend "fertig" präsentiert werden. Die Eigenleistung wird gern auf das möglichst effektive Rezipieren der dargebotenen Informationen beschränkt. Zum Lernverständnis der Auszubildenden wird in den "Handreichungen zur Umsetzung neuer Rahmenpläne im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung" ausgeführt, dass Unterrichtsvorhaben, die die selbständige, aktive Arbeit der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt stellen, auch bei den Lernenden einen Umstellungsprozess und ein verändertes Selbstverständnis erfordern.

In der ersten Phase der Zusammenarbeit ist es daher erforderlich, dass sich Schüler und Lehrer über die Erwartungen an die gemeinsame Unterrichtsarbeit austauschen. Elemente dieses Kennenlernens sind:

  1. Austausch über die Erfahrungen mit Unterricht und Schule,
  2. Ziele, die mit der Ausbildung in diesem Beruf verbunden werden,
  3. Erwartungen an die Berufsschule,
  4. Spielerisches Kennenlernen von Teamarbeit und Projektarbeit.

Besonders in der Anfangsphase ist ein angemessener Zeitfaktor für die Überwindung von Widerständen, die Orientierung bei offenen Arbeitsaufgaben, die Planung der Vorgehensweise und die Absprachen innerhalb der Arbeitsgruppen einzukalkulieren.

Erwartungsinventar (Intention)

Erwartungen an die Berufsschule werden in den Gruppen von den Meinungsführern geäußert und bestimmen zunächst die  veröffentlichten Einstellungen der Schülerinnen und Schüler. Mit Hilfe des "Erwartungsinventars"  werden die Interessen  an die Lerngruppe verbalisiert. Durch die individuelle Verschriftlichung der eigenen Wünsche und Bedenken auf Metaplan-Karten können neue Aspekte zu Tage treten.

Unabhängig von der Vorgehensweise (ob wie im Anhang beschrieben durch Gewichtung oder durch einfaches Clustern) wird die Ausgangssituation der neuen Lerngruppe allen offenkundig und bietet Gelegenheit, sich darüber auszutauschen. Die Schüler und Lehrer haben die Möglichkeit, Vorurteile zu hinterfragen, Lernängste wegen den unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen zu artikulieren, über Leistungsdruck zu sprechen und alternative Lernkonzepte zu diskutieren.

Verknüpft werden kann dieses Erwartungsinventar mit einer Frage nach den zukünftigen Tätigkeitsfeldern der Berufsgruppen. Die Beschreibung der Aufgaben, die die Schüler in den Praxisphasen bzw. in ihrer späteren beruflichen Arbeit zu bewältigen haben, gibt erste Anknüpfungspunkte für die inhaltliche Arbeit im Unterricht.

Briefumschlag (Intention)

Mit der (Serien-) Fertigung eines Briefumschlags  können den Schülern alle Schritte eines geschäftsprozessorientierten Unterrichtsprojekts verdeutlicht werden. Vom Start eines Projekts  bis zum Ende werden alle Phasen eines Geschäftsprozesses durchlaufen.

In kurzer Zeit können die Lernenden durch dieses "Experiment" erfahren, worauf es beim Lernen in Prozessen ankommt:

Die Schüler erleben, dass sie im Team auch neue, bisher nicht bekannte Aufgaben in überschaubarer Zeit meistern können. Der Lösungsweg ist offen und der Erfolg hängt von der Qualität der beschafften Informationen ab. Um von dem (Lern-)prozess zu profitieren, müssen sie sich aktiv beteiligen.

Vorläufige Unterrichtsplanung: "Einrichtung eines PC-Schulungsraums"

Lernfeldbezug des didaktisch reduzierten Geschäftsprozesses

Die vorläufige Planung des Unterrichts durch das Lehrerteam ist ein Entwurf, ein Vorschlag, um bei der gemeinsamen Planung mit den Schülern eine Orientierung geben zu können.

Prozess

Lernfeld

Bedarf an Hard- u. Software

  • Nutzung des Raumes,
  • Unterricht, Kollegen
  • Anwendersoftware
  • Lerngruppen
  • Ausstattungsansprüche
  • Bestandsanalyse
2 Geschäftsprozesse und betriebliche Organisation
4 Einfache IT-Systeme
6 Anwendungsentwicklung
8 Markt- und Kundenorientierung

Pflichtenheft / Beratungsgespräch

  • Rechnerleistung, Peripherie
  • Vernetzung
  • Dokumentation
  • alternative Lösungskonzepte
4 Einfache IT-Systeme
7 Vernetzte IT-Systeme
8 Markt- und Kundenorientierung

Beschaffung

  • Ausschreibung, Anfragen, Angebotsvergleich, Lieferantenauswahl
  • Konditionen, Vertragsgestaltung
  • Auftragsvergabe
  • Wareneingangskontrolle
8 Markt- und Kundenorientierung

Installation

  • Hardware
  • Software
7 Vernetzte IT-Systeme
4 Einfache IT-Systeme

Inbetriebnahme

  • Fehlersuche
  • Nutzeranpassung
  • Dokumentation
  • Übergabe
7 Vernetzte IT-Systeme
4 Einfache IT-Systeme
8 Markt- und Kundenorientierung

Controlling, Projektmanagement

Nachkalkulation, Reflexion

2 Geschäftsprozesse und betriebliche Organisation
11 Rechnungswesen, Controlling

Wenn über die Aufgabenstellung bei allen Beteiligten Klarheit hergestellt wurde, werden die Ziele des Unterrichts abgesteckt. Die Zieldimension lässt sich mit folgenden Fragen erfassen:

1. Für wen tun wir das? - Kunde
2. Wozu tun wir das? - Sinn/Zweck
3. Was soll in der zur Verfügung stehenden Zeit erreicht werden ? - Endergebnis
4. Woran messen wir das Ergebnis? - Erfolgskriterien

Im nächsten Schritt kann in einer Potentialanalyse durch eine Abfrage verdeutliche werden, welche Kenntnisse und Erfahrungen einzelne Schüler mitbringen, um das Problem zu lösen. Dabei kann als Ergebnis zu Tage treten, dass einzelne Schüler bereits detailliertes Fachwissen mitbringen, um technische Fragen zu lösen, andere Organisationserfahrungen oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen. Aber auch Fähigkeiten zur Dokumentation oder die Bereitschaft sich in den Gruppenprozess einzubringen, sind wichtige Potentiale, die zum Gelingen des Projekts beitragen können.

Aufgabe der Lehrerin/des Lehrers ist es in dieser Phase, ein vernünftiges Maß zwischen aus-reichenden Freiräumen für die Lerngruppe auf der einen und der Erfüllung von inhaltlichen Ansprüchen in einem begrenzten Zeitbudget auf der anderen Seite zu finden. Irrwege, Fehler, Experimente müssen möglich sein und sind notwendiger Bestandteil selbstorganisierter Lernprozesse.

Der exemplarische und übergreifende Inhaltskatalog des Rahmenlehrplans lässt mit seinen offenen Formulierungen der Ausfüllung vor Ort mehr Möglichkeiten. Die regionalen Unterschiede können besser berücksichtigt werden. Das Lehrerteam muss diesen Freiraum zusammen mit den Lernenden ausfüllen und sich bei der Auswahl der Inhalte darüber im Klaren sein, dass diese exemplarischen Charakter haben. Durch die Integration der für den gesamten Lehrplan formulierten allgemeinen und berufsbezogenen übergreifenden Lernzielen wird die Orientierung des Unterrichts an den Handlungsabläufen in der beruflichen Ausbildung im Betrieb gefördert. (vgl. Hüster 1997, S249ff).

Fächerübergreifender Unterrichtsverlauf

Das folgende Mind-Map zeigt eine Zusammenstellung und Strukturierung derjenigen Elemente und Systeme die zum Betrieb eines "stand alone" PC notwendig sind. Bevor nun die Umfrage erstellt wird, haben die Schüler in einer Inputphase die wesentlichen Merkmale der Komponenten kennen gelernt und können dann in Zusammenhang mit dem Ergebnis der Umfrage deren Technologie erarbeiten.

Bei der Planung des Unterrichtsverlaufs wird ermittelt, welche Informationen benötigt werden, um die Probleme zu lösen. Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob diese Informationsdefizite, Kenntnislücken, Wissensrückstände während der Projektbearbeitung, dann wenn das Problem ansteht, zum Thema gemacht werden, oder ob eine zeitlich begrenzte gemeinsame Einführung in Teilbereiche des Problems durch Informationsinputs von Experten durchgeführt wird. Am Beispiel der "einfachen IT-Systeme" kann dies verdeutlicht werden:

Nach der Planung soll jedem Beteiligten klar sein, welche (Lern-)ziele er verfolgt und auf welchem Weg er sie erreichen möchte. Allen soll bewusst sein, dass sie nur Lernfortschritte machen, wenn Sie sich aktiv mit den Fragestellungen auseinandersetzen. Kompetenzzuwachs ist also nur da zu erwarten, wo eine tätige Konfrontation mit der Problemstellung stattfindet.

Sinnvoll ist es, wenn in diesem Zusammenhang in regelmäßigen Abständen die Arbeitsweise der Gruppe bilanziert wird und gezielte Hilfestellungen für die verschiedenen Aspekte selbständiger Lernarbeit gegeben werden (Informationssuche, Aufgabenstrukturierung, Lesetechnik, Präsentationstechnik u.a. ...).

Handlungsschritte im Kompetenzfeld "Geschäftsprozesse"

Innerhalb des geschäftsprozessorientierten Unterrichts am Problem "Einrichtung eines PC-Schulungsraums" ist geplant, dass die Lernenden die nachfolgend skizzierten Handlungsfelder bearbeiten. Je nach Bedarf können Informationsinputs oder Werkzeuge zur Problemlösung Impulse für die Ausarbeitung geben.

· Zeitplanung
· Koordination

· Für welche Lehrgänge wird welche Software benötigt?
· Welche Anforderungen sind für den Betrieb dieser Softwaren nötig?
· Welche Arbeitstechniken/Methoden werden überwiegend im Unterricht eingesetzt?
· Welcher Zeitbedarf ist pro Woche für die einzelnen Lehrer erforderlich?
· Organisation, Durchführung und Auswertung einer Befragung
· Fragebogen, Interview, Bericht

· Analyse vorhandener PC s als Grundlage der Systemanalyse
· technische Daten der Systemkomponenten in Zusammenhang mit dem Einsatz der Systeme
· notwendige Minimalausstattung
· mittelfristig sinnvolle Ausstattung

· Nutzung von Informationsquellen über DV-Anbieter
· Strukturierung von Informationsmaterial
· Rechtliche Grundlagen:
· Anfrage - Angebot - Auftrag (Vertrag) - Lieferung/Leistung

· Anfrageerstellung
· Angebotsvergleich mit den Kundenwünschen
· Entscheidung für ein Angebot
· Abgleich mit den Kundenwünschen
· Strukturierung des Vergleichs,
· Entscheidungstabelle, Kriteriengewichtung,
· Entscheidungsfindung, Begründung
· Vertragsverhandlungen, Rollenspiel
· Bestellung

· Soll-Kosten - Ist-Kosten
· Projektziel - Projektabwicklung - Projektergebnis
· Beschreibung des Geschäftsprozesses (Informationsfluss, Leistungsfluss)

· Wareneingangskontrolle, technische Merkmale, Dokumentation, Vertragsstörungen
· Mängelrüge
· Installation der Hard- und Software entsprechend den Kundenwünschen
· Testen der Installation

· Erklärung des Ist-Zustandes und evtl. Abweichungen von den Kundenwünschen mit Begründung
· Planung und Durchführung einer Kundenorientierten Schulung
· Gestaltung der Abschlusspräsentation, Medieneinsatz

Dokumentation der Unterrichtsergebnisse

Die von den Schülern während der Unterrichtsarbeit erstellten Materialien werden von den Schülern in einem Projektordner gesammelt. Soweit sie in elektronischer Form vorliegen werden sie auf den Rechnern mit denen die Schüler im Unterrichtsraum arbeiten dokumentiert.
Die Abschlusspräsentation der Klasse 10 BE 11 ist beispielhaft für vergleichbare Präsentationen dieses Unterrichtsprojekts aufgeführt.
Es gehört zum Konzept, dass diese Präsentation öffentlich stattfindet. Die Schüler laden zu dieser Veranstaltung, die wegen des größeren Rahmens auch im Filmsaal der Schule stattfinden kann, ihre Ausbilder bzw. Personalverantwortlichen ein, ebenso nehmen neben allen Kollegen des Teams interessierte Kollegen teil oder Schüler anderer Fachklassen.

Entwicklung und Erprobung der ausgewählten Unterrichtseinheit "Einrichten eines Arbeitsplatzes/-raumes für die Ausbildung zum Fachinformatiker" in der IT-Ausbildung im 2. Ausbildungshalbjahr der Klasse "10 BE 13 (98)"

Die Kollegen der FES haben auf der Grundlage vorhandenen Bedingungen die aufgezeigten Entwicklungen und Ergebnisse zu einem an den Geschäftsprozessen orientierten Projektunterricht auf eine 'normale' Teilzeitklasse übertragen. Diese Teilzeitklasse "10 BE 13" setzte sich aus Fachinformatiker/-innen der Fachrichtungen Anwendungsentwicklung und Systemintegration sowie IT-System-Elektroniker/-innen zusammen. Zu dem Zeitpunkt, an dem das hier vorgestellte Projekt geplant wurde, waren die beruflichen Schwerpunkte noch durchmischt. Für die Durchführung des Unterrichtsprojektes wurden die Schüler dann nach Schwerpunkten getrennt unterrichtet.

Das Lehrerteam

Unabdingbare Voraussetzung für die Realisierung ist die Arbeit der Lehrer im Team. Das Team besteht aus vier (Theorie-)Lehrern, die gemeinsam den Unterrichtseinsatz in der jeweiligen Klasse planen. Insgesamt haben die Klassen an verschiedenen Tagen ihren Unterrichtstag, so dass der Unterricht zwischen den vier Lehrern zu organisieren war.

Die Schulleitung hat die positiven Erfahrungen aus der Vergangenheit berücksichtigt und den vier Teamlehren einen großen Handlungs- und Planungsspielraum eingeräumt. Ausgefüllt wurde dieser durch die Planung des Lehrereinsatzes in Abhängigkeit der jeweils individuellen Schwerpunkte und den Anforderungen, die sich zum einen aus der zu bearbeitenden Projektaufgabe und zum anderen aus den notwendigen fachlichen Kompetenzen ergeben. Durch die konsequente Mitplanung der Schüler im Rahmen des Geschäftsprozesses war es auch möglich, Themen zu formulieren, zu denen ein systematischer Unterricht durch einen Teamlehrer mit entsprechendem Schwerpunkt erfolgen sollte. Dies war erforderlich, damit er die Arbeit am Prozess weiterbringen und gleichzeitig ungleiche Wissensstände einzelner Schüler bei bestimmten Themen aus-gleichen konnte. Zudem konnte der Zeitpunkt und die Dauer dieser Inputsequenzen mit den Schülern vereinbaren werden. Neben seinem speziellen Fachwissen bringt jedes Teammitglied eine gewisse Anzahl von Stunden mit. Die Summe aller Lehrerstunden müssen die für die Schulform notwendige Schülerstundenzahl für ein Schulhalbjahr ergeben. Welcher Lehrer mit welchem Schwergewicht an Stunden in der Klasse unterrichtet, hängt von dem jeweiligen gewählten Projekt ab. Bei uns hat es sich als sinnvoll erwiesen, die Kompetenzen der Lehrer wie folgt zu einem Team zu vereinen.

Da das ganze Team die Klasse bis zu deren Prüfung betreuen soll, wird es erforderlich, die Kompetenz jedes einzelnen Lehrers im Laufe der Zeit zu erweitern. Hier entstand/entsteht ein großer Fortbildungsbedarf, der nur zum geringen Teil von staatlichen Fortbildungsmaßnahmen abgedeckt werden kann. Zumal hier weniger eine inhaltliche als vielmehr eine methodisch-konzeptionelle Fortbildung gemeint ist.

So ist es denkbar, dass ein Kollege neben seinen inhaltlichen Aufgaben als "Geschäftsprozess-Lehrer' den Fortgang des Prozesses schwerpunktmäßig begleitet. Zusammen mit den Schülern reflektiert, bewertet (nicht im Sinne der Benotung, sondern vor dem Hintergrund des im Pflichtenheft und Zeitschema festgelegten Ablaufes) und veranlasst er weitere Arbeitsschritte, Inputphasen, Gruppeneinteilungen usw., während die anderen Kollegen die inhaltliche Arbeit betreuen. Diese Aufgabenverteilung ist aber keineswegs konstant, sondern in starkem Maße von den jeweiligen Projektthemen abhängig. Durch diese flexible Handhabung des Unterrichts ist ein großes Maß an Kooperation, Flexibilität und Kommunikation im Team nötig.

Als durchaus sinnvoll hat sich erwiesen, wenn einer aus dem Team die Rolle des 'primus inter pares' übernimmt. So kann sicher gestellt werden, dass die notwendigen Arbeitszusammenhänge gewährleistet werden.

Das geschäftsprozessorientierte Unterrichtsprojekt

Die Rahmenpläne der neuen IT-Berufe sehen die Schwerpunkte der Ausbildung in den Bereichen Gerätetechnik, Informatik und Geschäftsprozesse. Diese Lernbereiche sollen integrativ gesehen und handlungsorientiert in System-, Funktions- und Wirkungszusammenhängen vermittelt werden. Dies kann im Unterricht umgesetzt werden, wenn dort Lernerfahrungen ermöglicht werden, die sich an einem konkreten Handlungsprodukt orientieren. Um den ganzheitlichen Charakter der Handlungsorientierung Rechnung zu tragen, wurde diese von uns so gestaltet, dass alle Facetten der Handlung bearbeitet werden müssen. Als Orientierungsrahmen für alle Beteiligten wurde ein Geschäftsprozess modelliert, der den Unterrichtsprozess leitet. Die in Verbindung mit den Lernfeldern und im Kontext mit dem Handlungsprodukt beschriebenen Inhalte sind in den Lernprozess eingebunden. Projektaufgabe und geschäftsprozessorientierter Unterricht richten sich an der beruflichen Aufgabe der Auszubildenden aus. Didaktisch gestaltete Geschäftsprozesse sind eine möglichst vollständige Abbildung eines ausbildungsrelevanten Ausschnittes der Realität. So werden bereits bei der Zielbeschreibung in den Lernfeldern Aufgabenstellungen aus der beruflichen Praxis skizziert. Der Lernfortschritt im Unterrichtsprozess soll die Auszubildenden in die Lage versetzen, in den entsprechenden beruflichen Situationen verhaltenssicher vorgehen zu können. Durch den Problemlöseprozess werden die lernfeldübergreifenden Zusammenhänge der Ausbildungsinhalte im zeitlich logischen Ablauf und Zusammenhang erfahren. Betriebswirtschaftliche, arbeitsorganisatorische und technologische Zusammenhänge können integrativ dargelegt und erarbeitet werden.

"Einrichten eines Arbeitsplatzes/-raumes für die Ausbildung zum Fachinformatiker' (Grundstufe, erstes Halbjahr)

Aufgabe für die Schüler ist es, einen Arbeitsplatz bzw. einen ganzen Raum mit acht Arbeitsplätzen für die Ausbildung zum Fachinformatiker/System-Elektroniker in der Schule (FES) sowohl von der Hardware, der Software, der Gestaltung des Raumes und der betriebswirtschaftlichen Fundierung zu planen und zu realisieren. Seitens der Schule wurden räumliche und teilweise auch technische Vorgaben gesetzt. Eine Zuordnung der dabei in Frage stehenden Inhalte aus der Geschäftsprozesslogik und aus der Lernfeldlogik soll die nachstehende Abb. vermitteln.

Ausgangspunkt der Überlegungen war die Idee, dass die Installation von IT-Systemen für besondere Anwendungen zum Aufgabengebiet eines Fachinformatikers gehört. Insofern entspricht die Projektidee einem didaktisch gestalteten Geschäftsprozess, von dem wir denken, dass er der Realität sehr nahe kommt und die zu vermittelnden Inhalte am konkreten Handlungsprodukt (PC-Raum) realisiert. So haben die Schüler die Gelegenheit, sich grundsätzlich mit der Hard- und (System-) Software auseinander zu setzen. Begleitend dazu sind Grundlagen des Datenbankdesigns, des Projektmanagements, des Controllings und grundsätzlicher Arbeitstechniken anzuwenden und zu vermitteln. Dabei sollte für die Schüler deutlich gemacht werden, dass zwischen gewünschter Anwendung, der Hardware und der Software ein Zusammenhang besteht, der unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Größen die Zusammensetzung des PCs bestimmt. Um aufgrund all dieser Interdependenzen begründete Entscheidungen fällen zu können, ist die intime Kenntnis und die Bedeutung der technischen Daten von einzelnen PC-Komponenten von Nöten. Sie sind deshalb im Unterricht in Lehrgangsform erarbeitet worden. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind dann in eine weitere, am Geschäftsprozess orientierte Gruppenarbeit eingegangen. Dies gilt auch für die Inhalte mit mehr betriebswirtschaftlichen Schwerpunkten. Die Logik des Geschäftsprozesses, die Zielbeschreibung der Lernfelder in Zusammenhang mit dem Bildungsauftrag der Berufsschulen bestimmen die inhaltliche und methodische Ausgestaltung des Unterrichts. Die Schüler arbeiten in Kleingruppen den Geschäftsprozess ab und ergänzen gegenseitig das notwendige Fachwissen. Aus der planerischen Übersicht (siehe Abb. 42) wird ein weiteres Problem sichtbar, für das wir keine eindeutige Lösung gefunden haben, das aber über die gesamte Ausbildungszeit betrachtet von uns als nicht gravierend eingeschätzt wurde. Einige Lernfelder sind über alle Lehrjahre hinweg vorgegeben, andere ganz bestimmten Lehrjahren zugeordnet. Im vorliegenden Projekt war es aus technischer und kunden-spezifischer Sicht jedoch erforderlich, z.B. Grundlagen der Vernetzung und die Installation von 'Peer-to-Peer' Netzen vorzuziehen, da der Standard sonst nicht hätte erfüllt werden können und unvernetzte Systeme in der betrieblichen Praxis nur sehr selten anzutreffen sind. Auch für die Lernfelder 1, 3, 5, 8 und 11 trifft es zu, dass diese nicht vom Ausbildungsjahr abhängig im Unterricht umgesetzt werden können. Informationsquellen und Arbeitsmethoden, Rechnungswesen und Controlling machen nur im konkreten Arbeitszusammenhang Sinn.
Natürlich kann hier der Ablauf nicht akribisch nacherzählt werden. Es ist aber möglich in der Reflexion noch zu einigen Problembereichen Stellung zu nehmen.