Unterlagen - Friedrich-Ebert-Schule

Reflexion und Bewertung der Unterrichtseinheit "Einrichtung eines PC-Schulungsraums"

Verbindung von IT-Wissen und Geschäftsprozess

Die Verbindung von IT-Wissen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen wird den Schülern an verschiedenen Stationen des Geschäftsprozesses verdeutlicht. Schon bei der Erstellung des Fragebogens zur Ermittlung der Kundenwünsche sind Kenntnisse über einfach IT-Systeme erforderlich, um die Fragen so formulieren zu können, dass Informationen über die Qualität der gewünschten Hard- und Softwareausstattung gewonnen werden können. Der Fragebogen wird also sowohl von dem Kollegen der für die Geschäftsprozessorientierung verantwortlich ist als auch von dem Kollegen der die IT-Kompetenz vertritt (falls dies nicht in Personalunion gegeben ist) reflektiert.

Die Auswertung der Umfrage zwingt die Schüler dazu, aus allgemeinen Kundenwünschen, spezielle Hard- und Softwareanforderungen abzuleiten und diese im Pflichtenheft und bei der Formulierung der Anfrage genau zu spezifizieren. Die Anfrage wird mit einem Anschreiben, das die Situation darstellt, an Händler in der Region verschickt. Die Informationen über potentielle Lieferanten müssen die Schüler aus verschiedenen Quellen ermitteln.

Die eingegangenen Angebote der Händler (etwa 25 % Rücklauf, bisher keine Beschwerden über "Spielwiese") und die durch Internetrecherche gewonnenen Vergleichsangebote überregionaler Anbieter werden systematisch verglichen. Auch hier müssen die IT-Kenntnisse eingebracht werden, wenn Angebote von den angefragten Komponenten abweichen. Häufig werden "leistungsfähigere" Bauteile angeboten, die technisch eingeschätzt werden müssen.

Kritischer Meilenstein im Projektverlauf

Eine kritische Phase durchläuft das Projekt nach dem "Projektmeilenstein". Hier legen die Schüler ihren Lösungsvorschlag vor. Er enthält die Beschreibung des optimal ausgestatteten Raums aufgrund der ermittelten Anforderungen. Aus der Lieferantenauswahl ist der konkrete Investitionsaufwand ersichtlich. An dieser Stelle muss der Auftraggeber (Schulleitung, vertreten durch das Lehrerteam) mitteilen, dass das Budget nicht ausreicht, um neue PC anzuschaffen, sondern mit den vorhandenen Ausstattungsmitteln möglichst viel von den Kundenwünschen realisiert werden muss.

Hier gilt es mögliche Frustrationen aufzufangen. Es ist zu erklären, dass die geleistete Arbeit für einen optimalen Lösungsvorschlag nicht überflüssig war und dass es durchaus der Realität entspricht, dass ein Kunde nach genauer Prüfung der Lösungsvorschläge, eine preiswertere Variante wählt.

Die Anpassung der Kundenwünsche an die vorhandene Ausstattung setzt nun wieder eine sorgfältige "Qualitätsprüfung" der verfügbaren PC voraus (bzw. eine Auswertung der Dokumentation, wenn die PC im Rahmen der IT-Systeme bezogenen Unterrichtszeit bereits einer Analyse unterzogen wurden). Betrachtet man die vorhandenen PC im Sinne des Geschäftsprozesses als "Lieferung" lässt sich hier die Bedeutung der "Qualitätskontrolle" als Grundlage für Reklamationen darstellen.

Die Schüler müssen die vorhandene PC-Ausstattung systematisch erfassen und die unter-schiedlichen Komponenten technisch bewerten. Hieraus können sie dann das "Machbare" ableiten und den PC-Raum einrichten.

Für die Übergabe des Raums an den "Kunden" ist dann eine kundengerechte Beschreibung der Ausstattung und der Funktionalität erforderlich und die Übergabedokumente sind zu erstellen. Dazu gehört auch eine Information über die nicht realisierbaren Kundenwünsche und ein Vorschlag über die Nutzung des Raums.

Prozessbegleitend erstellen die Schüler Dokumente, die Aufschluss über den Projektaufwand geben. Dabei setzen sie die verschiedenen Office-Programme ein und erhalten einen Eindruck von der Bedeutung des "Controlling" und die einheitliche Gestaltung von Dokumenten und deren Verwaltung. An verschiedenen Stellen des Projekts lassen sich die Leistungsfähigkeit eines Tabellenkalkulationsprogramms oder Serienbrieffunktionen sinnvoll integrieren.

Immer wieder ist es während des Unterrichtsprozesses erforderlich, dass Schüler Zwischenergebnisse darstellen, die Gruppe über den Arbeitsfortschritt informieren, Entscheidungen herbeiführen und argumentativ begründen. Dadurch werden Anlässe geschaffen über geeignete Medien zu sprechen. Die Einsatzmöglichkeiten von Schautafeln, Diagrammen, Plakaten als Mittel zur visuellen Unterstützung des Vortrags können erörtert und erprobt werden. Besonders die öffentliche Abschlusspräsentation stellt eine große Herausforderung für die Gruppe dar. Sie gibt Gelegenheit in einem größeren Rahmen, die Wirkung von PC-gestützten Präsentationen (z.B. mit Power Point gestaltet), die von einen Beamer projiziert werden, zu erleben.

Rückmeldung über Unterrichtsverlauf und Lernerfolg

In einer gemeinsamen Reflexion des Unterrichtsprojekts wird die Diskussion mit einer Schülerbefragung angestoßen und strukturiert. Die Schüler werden gebeten, zu folgenden Fragen Stellung zu beziehen und durch "Bepunktung" eine Wertung vorzunehmen:

Das Gespräch über das Portfolio zeigt, dass die Schüler durchweg Spaß bei der Beschäftigung mit der Aufgabenstellung haben. Die Frage nach dem "Spaß haben" wurde auch bei der letzten Shell-Jugend-Studie gestellt. Auf die Nachfrage, was Jugendliche denn darunter verstehen, wenn sie sagen, sie wollen Spaß haben, erhielten die Jugendforscher die Antwort: "Wir haben Spaß, wenn wir gemeinsam etwas sinnvolles Tun". Unsere Auseinandersetzung mit den Schülern bestärkt uns darin, die Bewertung "viel Spaß gehabt" ganz in diesem Sinne zu interpretieren.

Die Meldungen im Mittelfeld mit der Tendenz zu "eher wenig gelernt" sind zum Teil darauf zurückzuführen, dass diese Schüler schon umfangreiche Kenntnisse im Bereich einfache IT-Systeme mitgebracht haben und daher ihren Lernzuwachs als nicht so bedeutend einschätzen.

Ein weiter Schwerpunkt der Befragung bezieht sich auf die Einschätzung der Gruppenarbeit. Einerseits sollten die Schüler sich dazu äußern, wie sie die Arbeit in Kleingruppen einschätzen und zum anderen die Zusammenarbeit der Kleingruppen im Projektteam beurteilen.

Hierzu kann gesagt werden, dass die Schüler sich durchweg gern mit den Teilproblemen in kleinen Gruppen beschäftigt haben. Die Ergebnisse dann aber zusammenzutragen, im Plenum abzustimmen und Kompromisse für das weitere Vorgehen zu schließen nicht, so begeistert aufgenommen wurden.

Die Position des "Außenseiters" konnte geklärt werden und die Ursache für seine Ablehnung der Gruppenarbeit wurde besprochen.

Ein weitere Frage bezieht sich auf das Gruppenergebnis, der Erreichung des Projektziels:

Die Interpretation dieses Diagramms gestaltet sich uneinheitlich, da die Schüler in wechselnden Gruppen mitgearbeitet haben und unterschiedliche Verpflichtungen in den Gruppen hatten. So waren immer einige für die Arbeitsergebnisse verantwortlich und wurden von den übrigen Schülern unterstützt. So vermischen sich hier die Antworten bezogen auf das "Arbeitsergebnis" und das "Lernergebnis"

In einem weiteren Diagramm wurde die Zufriedenheit mit dem Lehrerteam abgefragt:

Die durchaus kritische Einstellung gegenüber dem Lehrerteam drückt ein wenig die Verunsicherung der Schüler im Umgang mit der neuen Lehrerrolle aus. Die Lehrer geben nicht das gewohnte Bild ab, treten nicht in gleicher Weise in Erscheinung wie bisherige Lehrer. Häufig geben sie bei Fragen nur Hinweise auf Lösungswege oder Informationsquellen. Schützen nur selten vor Irrwegen und fordern von den Schülern immer wieder 'Eigeninitiative und Selbstverantwortung.

Nivelliert wird das Ergebnis auch durch die Frage nach dem Lehrerteam und nicht nach einzelnen Kollegen. Dabei bleibt unklar, ob nach deren Unterstützung in fachlicher Hinsicht gefragt ist oder nach deren persönlichem Engagement der Kollegen.

Reflexion und Bewertung der durchgeführten Unterrichtseinheit "Einrichten eines Arbeitsplatzes/-raumes für die Ausbildung zum Fachinformatiker"

Organisatorisches

Wie beschrieben sollte der Versuch unternommen werden, die Erfahrungen aus den "Ploenzke- Klassen" auf eine "normale" Berufsschulklasse zu übertragen, d.h. ca. zehnstündigen Berufsschulunterricht; ein Berufsschultag plus einen Tag im vierwöchigem Abstand. Wie sich sehr schnell herausstellte, war dies ein entscheidendes Manko bei der Umsetzung des Unterrichtsprojekts. Zwar konnte der Schultag jeweils voll für die Arbeit am Projekt genutzt werden, die langen (einwöchigen) Pausen waren aber eher hinderlich. Fehlzeiten, Krankheiten, Feiertage usw. machen sich intensiver bemerkbar als dies bei geblocktem Unterricht der Fall wäre. Die Identifikation mit der Gruppe und der Aufgabe war nur sehr rudimentär ausgebildet. Der Verlauf des Projektunterrichts war deshalb auch sehr holperig, was wiederum Rückwirkung auf die Motivation der Schüler hatte. Organisatorische Hilfen wie "Kick on" und "Kick off" Phasen am Anfang und Ende des Unterrichts haben hier zwar Besserung gebracht ersetzen aber die Vorteile der kontinuierlichen Arbeit in der Schule keineswegs. Sie sollten aber auch kein Argument gegen den geschäftsprozessorientierten Projektunterricht in der Teilzeitberufsschule sein. Hier sollten vor allem die Spielräume bei der Formulierung des Geschäftsprozesses ausgeschöpft werden. Dies könnte heißen, dass einfach "kleinere Brötchen gebacken" werden, bei denen die Übersicht des Gesamtumfanges nicht so leicht verloren geht. Die betreffenden Lehrer der FES suchen hier noch Optimierungsmöglichkeiten.

Schüler- und Lehrerrolle

Projektunterricht erfordert sowohl von den Schülern also auch von den Lehrern ein anderes Unterrichtsverständnis. Jahrelang eingeübte und scheinbar erfolgreiche Verhaltenmuster müssen von beiden Seiten über Bord geworfen werden, da diese für die Projektarbeit kontraproduktiv sind.

Der Unterricht kann nur im Team erfolgen. So muss der einzelne Lehrer die schützenden Wände seines häuslichen Arbeitszimmers verlassen und mit anderen zusammen den Unterricht mit allen zugehörigen Facetten planen. Arbeitsverteilung, Vertretungen, Schwerpunkte usw. müssen vereinbart werden, Verantwortung auch für das eigenen Arbeitsumfeld muss übernommen. Dies schafft zwar einen relativ großen freien Raum, ist aber wesentlich zeitintensiver.

Im Unterricht selbst müssen die Schüler an der Planung der Projekte beteiligt werden, ihnen müssen Handlungsalternativen offen bleiben, Fehler haben keine Sanktionen zur Folge, sondern öffnen die Chance Lernprozesse in Gang zu halten oder zu setzen. Die Orientierung des eigenen Verhaltens in der Schule an den Zensuren oder anderen klassischen Ordnungsmaßnahmen ist im Rahmen dieses Projektunterrichts hinfällig. Dies gilt auch für die üblichen Rahmenbedingungen der Schule: Pausen werden dann gemacht, wenn es für jeweiligen Gruppen angemessen erscheint, nicht wenn 45 Minuten vorbei sind. Ein Lehrerwechsel bringt nicht zwangsläufig auch einen Wechsel der Inhalten mit sich. Einzig der Anfang und das Ende eines Unterrichtstages liegen fest.

Das Lehrerteam muss während des ganzen Unterrichts den Überblick behalten können, da sonst der Unterricht dem Lehrer zu entgleiten droht. Häufig waren kurzfristig Metaunterrichtsphasen einzubauen, da die Schüler oder einzelnen Schülergruppen die von ihnen verlangte Arbeit nicht bewältigen konnten - sei es aus persönlichen oder inhaltlichen Gründen. Eine Balance zwischen Festhalten und Loslassen muss vom Lehrerteam gefunden werden.

Am Beispiel des Unterrichts der beschriebenen Klasse konnte das Lehrerteam dieses Gleichgewicht nicht immer gewährleisten, so dass eine gehörige Unruhe entstand und sehr viel Metaunterricht notwendig wurde. Dabei hat sich sehr deutlich gezeigt, dass Art, Umfang und Schwierigkeitsgrad der Projektaufgabe und die Kompetenz der beteiligten Lehrer sowohl in persönlicher, wie in fachlicher Hinsicht eine entscheidende Bedeutung für das Gelingen dieses Unterrichts hat. Dies gilt vor allem in Phasen in denen der Unterricht total kippen kann.

Für die Lehrer bzw. das Lehrerteam bedeutet dies, ein ständiges Gleichgewicht zwischen klassischen Unterrichtsformen und stark handlungsorientierten Unterrichtsphasen, zwischen starkem Steuern und Loslassen, zwischen Unterweisung und selbstständiger Arbeit zu halten.

Bewertung/Benotung

Natürlich schlummert hier ein großes Konfliktpotential. Zum einen sind die Schüler daran interessiert, handelnd in der Schule tätig zu sein, zu zeigen was man kann und was man gelernt hat, welche Leistungen man bereit ist zu bringen. Zum Anderen wollen sie auch Stoff konsumieren oder einfach eine "ruhige Kugel schieben". Auf alle Fälle wollen sie ihre Leistungen angemessen honoriert bekommen. Da dies in den Schulen noch immer auf Notenbasis erfolgt, wollen sie für geleistete Arbeit auch angemessen benotet werden. Wir haben in dieser Hinsicht noch wenig Erfahrung sammeln können, da die Bandbreite der Möglichkeiten noch nicht ausreichend ausgeschöpft werden konnte. Klassenarbeiten im herkömmlichen Sinn scheiden aber gänzlich aus, da sie i.d.R. nur speicherbares Wissen abfragen können nicht aber die Entwicklung von Kompetenzen. Wir haben deshalb in Kolloquien, Projektberichten, Selbsteinschätzungen der Arbeit und des Ergebnisses, der Präsentation des Handlungsproduktes und der Einschätzung der Lehrer eine Gesamtnote ermittelt und diese mit den Schülern in Einzelgesprächen diskutiert.

Kooperation mit den Ausbildungsbetrieben

Naturgemäß treten hier erst dann Spannungen auf, wenn sehr viele unterschiedliche Interessen, Vorstellungen, Erwartungen und Projektionen aufeinandertreffen. Durch die vielen, unterschiedlichen Arbeitgeber galt es, ein neues Kooperationsmodell zu finden. Viele Betriebe orientieren sich in mehr oder weniger kleinen Marktnischen und haben einen hohen Spezialisierungsgrad. Die Tätigkeitsfelder der Schüler haben eine hohe Bandbreite. Lediglich der "Computer" bzw. die "IT-Systeme" sind das gemeinsame Dach. Eine schwer zu handhabende Lösung könnte die Organisation von Ausbildungsverbünden sein. Es liegen jedoch noch keine konkreten Erfahrungen vor.

Neben der Zusammenarbeit mit CSC-Ploenzke ist im Schuljahr 1999/2000 ein Verbund mit vier Arbeitsgebern ins Leben gerufen worden bei, ähnlich wie bei CSC-Ploenzke, Betrieb (Verbund) und Schule in den dreiwöchigen Schulphasen an zwei (Verbund) bzw. drei Tagen die Schüler betreuen. Inhaltliche Abstimmungen finden statt.