Reflexion und Bewertung der durchgeführten Unterrichtseinheit "Unternehmensgründung"

Auswertung aus der Sicht der Lehrer

Die Schüler haben während des Projekts im allgemeinen sehr gut mitgearbeitet (hohe Schüleraktivität), sie waren sehr hoch motiviert. Es sind kreative Unternehmensideen entstanden, wobei das selbständige Arbeiten gefördert wurde. Die Schüler haben u.a. erfahren, dass man sich erst mit Problemen auseinandersetzen muss, bevor man verschiedene Behörden, Banken und Firmen aufsucht. Bei den vielfältigen Besuchen von außerschulischen Ansprechpartnern haben die Schüler viele unterschiedliche Informationsquellen erschlossen und diese den jeweils anderen Gruppen zugänglich gemacht. Die Schüler haben erkannt, wie wichtig eine begleitende Dokumentation ist, um alle gesammelten Informationen richtig zu verarbeiten. Einige Gruppen hatten am Ende des Projekts Schwierigkeiten, die Tagesprotokolle vollständig anzufertigen. Dennoch wurden die Dokumentationen zu dem vorgegebenen Zeitpunkt fertiggestellt, wobei aufgefallen ist, dass viele Rechtschreibfehler in den Dokumentationen enthalten waren.

Die Präsentationen waren durchweg positiv. Bei ihren Besprechungen stellten die zuhörenden Schüler die Stärken und Schwächen der Vortragenden, der Präsentationsmittel, der -struktur und des fachlichen Inhaltes heraus. In den Gesprächen übten sie gemeinsam konstruktive Kritik und entwickelten auf Nachfrage der Betroffenen alternative Lösungsansätze und Vorgehensweisen.

Nachteilig ist aufgefallen, dass die Schüler sich nicht ausreichend mit dem vorhandenen Informationsmaterial auseinandergesetzt haben. Die Schülergruppen nutzten zum Teil nicht die Zeit zur Vorbereitung und Absprache innerhalb der Gruppen. Es traten auch erste Gruppenkonflikte auf. Leider ist unser Ausbildungsstand im Bereich des Konfliktmanagements noch nicht so professionalisiert, um gruppendynamische Konfliktsituationen aufzufangen und konstruktiv zu nutzen.

Es hat sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit im Team sehr gut und fruchtbar geklappt hat. Die enge Teamarbeit im Unterricht ist eine neue Erfahrung für die teilnehmenden Kollegen. Die Schulleitung hat das Projekt unterstützt. Ohne die großen Freiheiten bezüglich der Unterrichtsplanung, die die Schulleitung eingeräumt hat, wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Dennoch hat sich gezeigt, dass das Projekt nur durch zusätzliche z.T. freiwillige Unterrichtsstunden durchgeführt werden konnte, die beispielsweise durch Team-Teaching-Phasen entstehen. Daneben werden jedoch auch Unterrichtsstunden der Kollegen freigesetzt, die nicht unmittelbar am Projekt beteiligt sind. Es wurde versucht, diese Stunden im Laufe des Schuljahres auszugleichen, indem diese Kollegen schwerpunktmäßig an anderen Projekten im IT-Bereich beteiligt wurden. Ein fächer- und lernfeldübergreifendes Projekt, an dem alle sieben Kollegen des IT-Bereichs beteiligt sind, ist uns noch nicht gelungen.

Daneben musste die "Infrastruktur" innerhalb der Schule verbessert werden. Ein Beamer und eine digitale Kamera konnten erst nach dem Projekt beschafft werden. Die Hard- und Softwareausstattung ist gerade im Hinblick auf weiter geplante Projekte noch nicht ausreichend.

Es mussten viele Termine für die externe Unterstützung (IHK, Banken ...) abgesprochen werden, wobei es auch Probleme gab, überhaupt Ansprechpartner z.B. bei Banken zu finden, die sich auf das Projekt eingelassen haben. Auch innerhalb der Schule gab es Probleme, z.B. waren Datenverarbeitungsräume nicht immer frei. Als ein weiteres Ergebnis hat sich herausgestellt, dass feste Besprechungstermine für die Lehrer des Projektteams unerlässlich sind.

Im neuen Schuljahr wird bei der Stundenplangestaltung auf die Projekte Einfluss genommen, indem Teams an bestimmten Tagen in der Klasse unterrichten. An diesen Tagen stehen die Lehrerteams ausschließlich für diese Klasse zur Verfügung. Es entstehen so Tage für die berufsübergreifenden Unterrichtsschwerpunkte und Tage für die berufsbezogenen Unterrichtsschwerpunkte (siehe Abb. 44).

Die Beurteilung

Es ist wichtig, dass alle Noten im Team von mindestens zwei Lehrern vergeben werden. Die Beurteilung, über die die Schüler zu Beginn des Projekts ausführlich informiert werden, setzt sich aus den folgenden Bereichen zusammen:

Gruppenbewertung: 30%
Einzelbewertung: 30%
Klausur: 40%

Das Ergebnis der Klausur sieht folgendermaßen aus:

Note:

1 2 3 4 5 6

Schüler:

1 5 4 4 0 0

Computer allround OHG

Note:

1 2 3 4 5 6

Schüler:

1 2 1 1 0 0

Computer & Service OHG

Note:

1 2 3 4 5 6

Schüler:

0 2 0 2 0 0

Slow down KG, Stressabbaucenter

Note:

1 2 3 4 5 6

Schüler:

0 1 3 1 0 0

Daneben haben die einzelnen Gruppen eine Gruppennote erhalten:

Gruppe:

Note:

Computer allround OHG 1 -
Computer & Service OHG 2 -
Slow down KG, Stressabbaucenter 2 -

Die Note setzt sich aus den einzelnen Präsentationen der Gruppe, vertreten durch die Vortragenden, und der Leistung der ganzen Gruppe während des Projekts zusammen (siehe Anhang A 3.6). Es war daneben z.B. auch wichtig, inwieweit abgesprochene Termine eingehalten wurden.

Die Note für die Dokumentation wurde unterteilt in Form und Inhalt:

Gruppe:

Note: "Form"

Note: "Inhalt"

Computer allround OHG 1 - 1 -
Computer & Service OHG 2 2
Slow down KG, Stressabbaucenter 2 - 2 -

Das Ergebnis der Einzelbewertung (ohne Klausurnote) sieht folgendermaßen aus:

Note:

1 2 3 4 5 6

Schüler:

4 9 1 0 0 0

Hier spiegelt sich der individuelle Einsatz der einzelnen Schüler wider. Die Bewertung beruht auf Leistungen des einzelnen Schülers in Präsentationsphasen, in Besprechungen und zum ganz geringen Teil auf stichpunktartigen Beobachtungen der Mitarbeit in den Gruppen. Dieses erfordert eine genaue Beobachtung der einzelnen Lehrer. Daneben werden alle Schüler aufgefordert, an mindestens einer Präsentation teilzunehmen. Die Präsentationsleistung, nicht der Inhalt, der von der Gruppe bestimmt wurde, wird in der Note berücksichtigt.

Am Ende des Projekts fand mit jedem einzelnen Schüler eine Besprechung seiner Leistungen in den jeweiligen Bereichen statt. Außerdem erhielt jeder Schüler eine zusammenfassende Rückmeldung über seine individuellen Stärken und Schwächen aus Sicht der Lehrkräfte.

Als die Schüler ihre Unternehmensidee entwickelt hatten, sollten sie ihren Wissensstand zum Thema Unternehmensgründung einschätzen. Diese Selbsteinschätzung sollten sie auf einem vorbereiteten Plakat eintragen:

Gründung einer Unternehmung:

 
Meinen jetzigen Informations-
stand bezüglich unserer Unternehmensgründung halte ich für

Sehr gut
 
Mittel
 
Schlecht

Es gab folgendes Ergebnis der Einschätzung:

4 Schüler in dem Bereich sehr gut bis mittel
3 Schüler in dem Bereich mittel
6 Schüler in dem oberen Bereich mittel bis schlecht

Am Ende des Projekts Unternehmensgründung stellten wir die Frage: "Wie würden Sie aus jetziger Sicht Ihren Informationsstand zu Anfang des Projekts beurteilen?".

Bei dieser neuerlichen Einschätzung ergab sich das folgende Bild:

3 Schüler in dem Bereich sehr gut bis mittel
0 Schüler in dem Bereich mittel
2 Schüler in dem oberen Bereich mittel bis schlecht
8 Schüler im unteren Bereich mittel bis schlecht

Das Ergebnis zeigt deutlich, dass sich die Schüler zu Beginn des Projekts "Unternehmensgründung" falsch eingeschätzt hatten.

Die Schüler wurden von uns nicht zur eigenen und gegenseitigen Benotung verpflichtet. Ihren Beitrag hatten sie bereits in den Präsentationsbesprechungen geleistet. Wir sind der Meinung, dass an vielen Stellen die Offenheit bei den Schülern gelitten hätte, z.B. bei den Besprechungen der Präsentationen, wenn sich die Schüler gegenseitig benoten müssten.

Die Klassenarbeit: Schüleräußerungen

Hier einige schriftliche Schüleräußerungen bezüglich der Schülerprobleme während des Projekts, die typische Probleme, die während des Projekts aufgetreten sind, dokumentieren.
Schülerin:
"(...) Für mich war die Aufteilung der Aufgaben und die Zeiteinteilung für die zu lösenden Schwierigkeiten nicht gut gelöst. Das Problem: Wir haben am Anfang des Projekts mit dem vor-gegebenen Plan verschiedene Aufgaben verteilt (Protokollführer, Zeitnehmer usw.), dadurch dass wir nicht in dieser Einteilung weitergearbeitet haben, kamen wir in Planungsschwierigkeiten, die sich zum Beispiel bei der Aufzeichnung zur Dokumentation bemerkbar machten. So kam es vor, dass wir mühsam "aus dem Kopf" ganze Arbeitstage rekonstruieren mussten. (...)".
Schüler:
"(...) Bei dem Besuch der diversen Ämter bzw. Institutionen wurde mir klar, was soll ich die Leute überhaupt fragen? Ich wusste zwar die Geschäftsidee/Rechtsform, aber wozu die einzelnen Ämter/Institutionen dienten, das war mir teilweise unbekannt. Dass es bei der Bank Geld gibt, ok, aber wie so etwas abläuft und wie man dazu eine Frage stellt, oh verdammt. (...)."
Schüler:
... Ein großes Problem bei der Gruppenarbeit war der große Zeitdruck, unter dem wir in einigen entscheidenden Phasen unseres Projekts standen. ...
Schüler:
... Die Zusammenarbeit in Gruppen bedingt evtl. soziale Probleme. ... Soziale Spannungen komplett abzubauen ist wohl nicht möglich, dennoch ist das Bestreben nach Sachlichkeit und Objektivität wünschenswert. ...
Schüler:
... Ich würde einen autoritären Führungsstil bevorzugen. D.h. ein gewählter "Gruppenführer" leitet bzw. koordiniert die Gruppe. Er sammelt die erbrachten Materialien und gibt beim morgendlichen Briefing eine zwischenzeitliche Informationsausgabe und verteilt die benötigten Tagesbefehle oder kann kurzfristig umdisponieren. Durch eine straffere disziplinierte Führung ...

Projektkritik der Schüler

In einem Abschlussgespräch, das mit Hilfe der Metaplantechnik durchgeführt wurde, hatten die Schüler die Möglichkeit, Lob und Kritik zu äußern, zu systematisieren, zu sammeln und zu strukturieren.

Kritikpunkte

Lob:

Meinungen der Ausbildungsbetriebe

Es werden halbjährlich Treffen mit den Ausbildungsbetrieben der Schüler von der Ludwig-Erhard-Schule organisiert. Ein Punkt der Tagesordnung ist die Darstellung der Unterrichtsthemen und Projekte.
Das Projekt Unternehmensgründung wurde den Betrieben dargestellt. Die Teilergebnisse und Endergebnisse (Fotos, Dokumentation, Plakate) wurden ausgestellt. Die Reaktion der Betriebe war durchweg positiv. Es wurde hervorgehoben, dass die Schüler während des Projekts Raum für Fehler gehabt haben, der bei Projekten innerhalb der Firmen nicht gegeben ist. Auch das Zeitproblem, auf das die Schüler in diesem ersten Projekt gestoßen sind, ist ein real existierendes Problem für die Firmen.

Fazit

Das Angebot eines relativ straffen Zeitplans hat sich in diesem "Einstiegsprojekt" bewährt. In den folgenden Projekten sollte er jedoch unnötig werden.

Die Ergebnisse des Projekts in Form von Präsentationen, Dokumentationen und selbständiger Schülerarbeit haben uns davon überzeugt, in Zukunft den projektorientierten Unterricht auszubauen und Projekte mit größerer Einbeziehung von Kollegen und Inhalten anzustreben.

Als Hindernisse auf diesem Weg haben sich der hohe Zeitaufwand und die hohen Anforderungen an die Lehrkräfte mit ihren jeweiligen Unterrichtserfahrungen und Ausbildungsständen erwiesen. Sie müssen intensiv zusammenarbeiten, im Team arbeiten, sich absprechen, organisieren, lenken, planen, kontrollierend eingreifen, gezielt, auf Wunsch der Schüler, Fachkenntnisse einbringen, sich während der Projektarbeit zurücknehmen und, was häufig besonders schwierig ist, die Projektarbeit beurteilen.

Die Schulorganisation hat sich noch nicht auf projektorientierten Unterricht eingestellt. Durch die weitreichende Unterstützung unserer Schulleitung sind Projekte in einzelnen Bereichen, wie der IT-Branche gut durchzuführen. Es stellt sich jedoch die Frage, wie Projekte in unterschiedlichen Sparten durchgeführt werden können, noch dazu, wenn alle Sparten gleichzeitig die Projekte durchführen wollen bzw. sollen. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Teil der Lehrkräfte noch keine Projekterfahrung besitzen, sowohl in Bezug auf die Vorbereitung von Projekten im Team sowie auf die Durchführung im Unterricht. Daneben muss auch überprüft werden, welche Lerninhalte in den jeweiligen Projekten enthalten sind. Es stellt sich die Frage, ob alle Inhalte durch Projekte sinnvoll vermittelt werden können.

Wir freuen uns, dass wir die Konstruktion und Durchführung einer projektorientierten Unterrichtseinheit auf uns genommen haben, da neben der Arbeit auch viele positive Erfolgserlebnisse dazugehören. Wir haben das Gefühl und zum Teil auch die Gewissheit, dass unsere Schüler in dieser Unterrichtseinheit viel gelernt haben. Neben dem Erwerb von Fachwissen aus dem Bereich der Unternehmen nutzten sie erfolgreich Visualisierungs- und Präsentationsmethoden, erweiterten ihre Erfahrungen in Teamarbeit, erwarben Praxis im Verfassen von Dokumentationen und hatten nach unserer Meinung auch noch Spaß an der Arbeit. Die enge Zusammenarbeit und Präsentationen vor der Klasse festigten und klärten persönliche Beziehungen in einem frühen Stadium der Ausbildung. Die positiven Effekte konnten wir bereits in den folgenden Unterrichtsblöcken feststellen. Gruppenarbeit fiel ihnen leichter, Kooperationen waren einfacher möglich und das Auftreten vor Menschengruppen bereitet nicht mehr die anfänglichen Probleme.

Auf Grund dieser Ergebnisse werden wir den projektorientierten Unterricht in Zukunft verstärkt einsetzen, weiterentwickeln und versuchen unsere Kollegen dafür zu begeistern.

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