Veränderung des Prüfungskonzeptes der IT-Berufe

Die Ausgangssituation

In den neuen IT-Berufen ist gemäß Berufsbildungsgesetz entsprechend der Ausbildungsordnungen während der Berufsausbildung mindestens eine Zwischenprüfung und die Abschlussprüfung durchzuführen (vgl. BBiG 1969, § 34 und § 42). Die Zwischenprüfung soll in der Hälfte der Ausbildungszeit stattfinden. Sie besteht laut Ausbildungsordnung aus vier praxisbezogene Aufgaben unterschiedlicher Gebiete.

Die Abschlussprüfung besteht aus zwei gleichwertigen Prüfungsteilen A und B. Der Teil A beinhaltet eine "Betrieblichen Projektarbeit" einschließlich dessen Projektdokumentation sowie die Präsentation und ein Fachgespräch über die Projektarbeit. Der Prüfungsteil B ist durch zwei "Ganzheitlichen Aufgaben" gekennzeichnet, die sich auf die berufsspezifischen Inhalte (Fachqualifikationen) und die gemeinsamen Ausbildungsinhalte (Kernqualifikationen) der IT-Berufe beziehen, und einer Prüfung im Fach Wirtschafts- und Sozialkunde.

Gründe für die Veränderung des Prüfungskonzeptes

Die Zwischenprüfung erfüllt in der Realität leider nicht die ihr zustehenden Funktion, den erreichten Ausbildungsstand der Auszubildenden wieder zu spiegeln, da die in programmierter Form gestellten Prüfungsfragen die Prüfungsleistung auf ein reines Faktenwissen reduziert, nur eine geringe berufsspezifische Übereinstimmung der Ausbildungs- und Prüfungsinhalte existiert und ihr Stellenwert keine Konsequenzen nach sich zieht. Zusätzlich erfolgt die Korrektur der Zwischenprüfung nur durch einen unreflektierten Vergleich der angekreuzten Antworten mit einer Lösungsschablone.

Die Abschlussprüfung muss vor allem im Prüfungsteil B dahingehend geändert werden, dass die Ganzheitlichen Aufgaben besser auf den jeweiligen Ausbildungsberuf und der betriebsspezifische Ausbildung abgestimmt werden. Ebenfalls ist die Übereinstimmung der Ausbildungs- und Prüfungsinhalte als "zu gering" zu bewerten.

Empfehlung für die Veränderung des Prüfungskonzeptes

Unter Bezugnahme der bestehenden rechtlichen Grundlagen laut Ausbildungsordnungen der neuen IT-Berufe und des Berufsbildungsgesetzes sind nachfolgende Veränderungen des Prüfungskonzeptes aus der Sicht der SEDIKO-Teilnehmer - IT-Auszubildende und Berufsschullehrer - erstrebenswert.

Die Zwischenprüfung müsste in der jetzigen Form abgeschafft werden. Da aber eine Abschaffung gemäß der rechtlichen Grundlagen zur Zeit nicht zulässig ist, wäre eine Veränderung dahingehend denkbar, dass die vormals drei getrennten Aufgaben, ohne das Gebiet Wirtschafts- und Sozialkunde, in eine berufsspezifische Ganzheitliche Aufgabe integriert wird. Folglich muss die Ganzheitliche Aufgabe für jeden einzelnen Beruf unterschiedlich gestaltet sein und die berufsspezifischen Ausrichtungen berücksichtigen. Die Zentralen Prüfungsausschüsse erstellen für jeden Ausbildungsberuf einen Pool von Ganzheitlichen Aufgaben, aus den der regionale Prüfungsausschuss z.B. drei Ganzheitliche Aufgaben je Ausbildungsberuf auswählt und dem Prüfling zur Auswahl stellt. Die Korrektur der Zwischenprüfung wird vom regionalen Prüfungsausschuss durchgeführt.

Die Abschlussprüfung besteht weiterhin aus den beiden Prüfungsteilen A und B. Als Ergänzung wird zur Ermittlung der Abschlussnote das Zwischenprüfungsergebnis mit 15% und das Abschlusszeugnis der Berufsschule mit 25% berücksichtigt. Mit dieser neuen Konstellation erhält sowohl die Zwischenprüfung als auch die Berufsschule einen höheren Stellenwert für die IT-Auszubildenden und relativiert zugleich die Abhängigkeit von der jeweiligen Tagesleistung des Prüflings. Bei der Bewertung der Betrieblichen Projektarbeit sollte bei Bedarf eine externe fachliche Beratung des Prüfungsausschusses zugelassen werden. Die Präsentation und das Fachgespräch einschließlich der Wertung nach kammereinheitlichen Kriterien haben sich inzwischen bewährt. Die Abschlussprüfung besteht im Prüfungsteil B nur noch aus einer Ganzheitlichen Aufgabe und dem Prüfungsbereich Wirtschaft / Sozialkunde. Die Zentralen Prüfungsausschüsse erstellen einen Pool von berufsspezifische Ganzheitlichen Aufgaben für jeden Ausbildungsberuf. Der Prüfling kann sich unter Berücksichtigung seiner schulischen / betrieblichen Situation eine Ganzheitliche Aufgaben aus drei vom Regionalen Prüfungsausschuss vorausgewählten aussuchen. Die Bundeseinheitlichkeit der Prüfungen wird somit gewährleistet.