Integratives Lern- und Lernaufgabenfeld "ProShare - Videokonferenzsysteme"

Situationsanalyse: Moderne Kommunikationsdienste

Videokonferenzsysteme werden heute in der Telearbeit und Telekooperation, in der medizinische Online-Assistenz oder bei der integrativen und kooperativen Produktentwicklung eingesetzt. Als neue Kommunikationstechnik werden Videokonferenzen, Shared Application, Video-Wartung, Video-on-Demand, u.a. Anwendungsmöglichkeiten ermöglicht. Es lassen sich somit Zeit- und Kosteneinsparungen realisieren bzw. Qualitätssteigerungen bei verteilten Entwicklungsprozessen eröffnen.

Exemplarische Anwendungsgebiete der betrieblichen Praxis:

Supporter:
Supporter haben über Videokonferenzsysteme die Möglichkeit, dem Anwender online bei auftretenden Problemen in Anwendungsprogrammen bzw. Systemen zu unterstützen und zu helfen. Der direkte und gemeinsame Eingriff in das Anwendungsprogramm ermöglicht dem Supporter durch Diagnosetest oder durch unterstützende Fehlerbeschreibungen von Seiten des Anwenders eine schnelle und effektiver Hilfe. Die anfallenden Reisekosten entfallen, der schnelle Support kann garantiert werden und die Entscheidungskriterien für regionale Anbieter in bezug auf einen schnellen Wartungs- bzw. Supportdienst treten im Gegensatz zu den Leistungsmerkmalen einer Software mehr in den Hintergrund. Die Verbindungskosten und die Sicherheit betriebsinterner Daten sind zu berücksichtigen.

Entwickler:
IT-Fachkräfte im Entwicklungsbereich können durch die Konferenzsysteme auf gemeinsame Projektdaten bzw. Kundenaufträge zugreifen. Teilaufträge verschiedener Firmen bzw. innerhalb einer Firma können parallel bearbeitet werden und sparen somit Zeit und Kosten für Reisen, Meetings, Vorbereitungsphasen usw. Dateien und Programme lassen sich gleichzeitig an verschiedenen Orten bearbeiten und modifizieren.

Medizin:
Medizinische Lehrveranstaltungen in den OPs können einer Vielzahl von Zuhörern und Interessierten zugänglich gemacht werden. Medizinische Spezialisten können über Videokonferenzsysteme Operationen betreuen und begleiten. Gehörlose und Behinderte können sich durch die Gebärdensprache verständigen.

Präsentationen:
Teamarbeit und Kooperation in einem Projekt mit Beteiligten an verschiedenen Orten lassen sich durch Videokonferenzsysteme unterstützen. Abstimmungen und kleinere Meetings sind zeit- und kostengünstig mit Hilfe dieser Systeme durchführbar und haben einige Vorteile gegenüber dem normalen Telefon. Auch Präsentationen können zentral an einer Firma oder Einrichtung für die Adressaten und Interessierten real und bildhaft durchgeführt werden, ohne daß z.B. schweres und teures Equipment transportiert werden muss.

Einige bekannte anwendungsbezogene Vorteile eines Videokonferenzsystems:

  • Online-Unterstützung bei Anwendungen, Fehlerdiagnose und –behebungen beim Anwender,
  • face-to-face bzw. face-to-group Kommunikation,
  • Reduktion von Transport- und Reisekosten,
  • Kommunikation über große Entfernungen möglich; innerhalb einer Unternehmensgruppe oder zwischen Unternehmen usw.

Einige bekannte anwendungsbezogene Nachteile eines Videokonferenzsystemes

  • Relativ hohe Leitungskosten bei einer Multipoint-Konferenz über eine ISDN-Verbindung,
  • Belegung zweier Kanäle einer ISDN-Leitung,
  • Kompatible Systeme bei den Konferenz-Teilnehmern,
  • Sicherheitsbedenken bei der Datenübertragung, bei gemeinsamen Anwendungen und bei betriebsinternen Daten,
  • Zusätzliche Kosten bei der Präsentation vor vielen Zuschauern (Beamer, Videokamera, Mikrofone, ...)
  • Rechtzeitige Anmeldung für eine Multipoint-Konferenz bei dem MCU (30 minütige Voranmeldung).
Anwendungsmöglichkeit:
Video- und Datenkonferenz lassen sich zwischen zwei PC’s (Point-to-Point) oder zwischen mehreren PC’s (Multipoint) aufbauen.

ProShare-Konferenz-01.gif (5887 Byte)

Bild 1

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Bild 2

Hinweis: Die Verbindung über Euro-ISDN ermöglicht nur eine Point-to-Point-Verbindung über das öffentliche oder ein firmen- bzw. schulinternes ISDN-Netz. Eine Multi-Point-Verbindung ist nur durch die Einwahl in eine Video-Vermittlungsstelle möglich, einer sogenannten Multipoint Control Units (MCU). Die Benutzung der MCU kostet zur Zeit bei der Deutschen Telekom 2,50 DM pro Minute und Station sowie bei einer Mindestbuchungszeit von 30 Minuten zusätzlich die ISDN-Leitungsverbindungskosten.

Geschäftsprozeß:

Ein  betrieblicher Geschäftsprozeß für den Kundenauftrag "Einrichtung eines ProShare-Videokonferenzsystems" an einem IT-Anbieter könnte nachfolgende Phasen und Arbeitshandlungen beinhalten.


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Auftrag und Lernfeldaufgabe:

Einrichten eines Videokonferenzsystems zur Verbesserung der Koordination und Zusammenarbeit zwischen den am Verbundprojekt beteiligten Modellversuchsschulen. Die Einbeziehung von Betrieben ist optional vorzusehen. Die Nutzer dieses Systems sind in die Nutzungsmöglichkeiten im Rahmen von Online-Konferenzen einzuweisen und entsprechend zu schulen. Die Vor- und Nachteile des Systems sind nach verschiedenen Kriterien und unter Berücksichtigung von Alternativen zu untersuchen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse sind allen Projektbeteiligten des Modellversuchs im Internet zugänglich zu machen.

Vorgaben:
An den Modellversuchsschulen sind die vorhandenen Videokonferenzsysteme "ProShare Personal Conferencing Video System 200" V. 2.0 der Firma Intel zu installieren und in Betrieb zu nehmen.

Diese Systeme besitzen folgende Leistungsmerkmale:

  • Multipoint-Konferenz mit gemeinsam genutzten Dokumenten, Audio- und Videoanwendungen
  • Für ISDN- oder LAN-Verbindungen
  • Unterstützung der H.320- und T.120-Standards
  • Durch Multipoint aktivierte Konferenz-Tools:
  • Anrufbeantworterfunktion
  • Aufnahme und Wiedergabe
  • Gemeinsam nutzbare Anwendungen
  • Gemeinsam nutzbarer Notizblock
  • Gemeinsam nutzbare Grafiken mit hoher Auflösung
  • Anrufunterstützung von analogen und digitalen Telefonen.

Zum Videokonferenzsystem (alter Verkaufspreis: 2.490,- DM inkl. Mwst.) gehört folgender Lieferumfang:

  • Video-Erweiterungskarte
  • ISDN-Erweiterungskarte
  • Videokamera
  • Kopfhörer mit Mikrofon
  • Konferenz- und Kommunikationssoftware
  • Handbuch
Folgende System-Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
  • 2 x 16 Bit-ISA Steckplätze (volle Länge)
  • Euro-ISDN-Anschluß mit 2B + D-Kanalstruktur
  • Netzwerkkarte (bei LAN-Betrieb)
  • PC mit mind. Intel486TM DX2-Prozessor , 66 MHz (Pentium®-Prozessor mit 90 MHz empfohlen)
  • Windows 3.1, 3.11 (mit DOS 5.0 oder höher) oder Windows 95
  • Mind. 16 MB RAM (24 MB RAM empfohlen)
  • Mind. 45 MB freie Festplattenspeicherkapazität
  • VGA-Monito / -Grafikkarte mit 256 Farben
  • LAN-Desk® Personal Conferencing Manager 2.0 Software im LAN-Server installiert

Folgende Netzwerke werden unterstützt:

  • Novell NetWare 3.12, 4.1 IPX
  • Microsoft Windows 95 IPX/SPX
  • TCP/IP mit:
  • Novell LAN Workplace for DOS (Version 4.2, 5.0),
  • Microsoft Windows for Workgroups,
  • Windows 95,
  • FTP Software OnNet 2.0 (PCTCP Version 4.0)
  • Novell LAN WorkPlace für DOS (V4.2, 5.0).
Relevante technische Daten im ISDN-Betrieb:
  • Unterstützung folgender Videofenstergrößen bei normaler Bildqualität:
  • 160 x 120 (10 – 15 bps), 320 x 240 (7 – 10 bps) oder Symbolgröße.
  • 160 x 120 (8 bps), 320 x 240 (8 bps) oder Symbolgröße bei hoher Bildqualität.
  • 640 x 480 und FullScreen nur mit DCI-Grafikkarte.
  • Schnappschüsse bis zu einer Bildauflösung von 640 x 480 Pixel
  • Farbtiefe bis 24 Bit
  • Für die Kommunikation wird ein ganzer EURO-ISDN-Anschluß benötigt, d.h. 2 B-Kanäle gebündelt.
Relevante technische Daten im LAN:
  • Intel LANDesk® Conference Manager R 1.9 (separat zu erwerben)
  • Netzwerkkarte
  • Vollduplex in der Video- und Audiokonferenz
  • Intel Indeo Video-Technologie
  • 16 Bit Wave Audio
  • Anschlüsse für Kopfhörer, Mikrofon, Eingang und Ausgang
  • Standard-PAL/NTSC-FBAS-Eingang
  • Farbtiefe bis 24 Bit
  • Schnappschüsse bis zu einer Bildauflösung von 640 x 480 Pixel
  • Unterstützung der o.g. Videofenstergrößen
  • Unterstützung aller VGA- und SVGA-Auflösungen (256 Farben)
  • Bandbreiten im LAN: 201 kbit/s (normale Qualität) bis 440 kbit/s (hohe Qualität)
Didaktisch-methodischer Hinweis:

Das Lern- und Lernaufgabenfeld "ProShare - Videokonferenzsysteme" berücksichtigt integrativ Inhalte verschiedener KMK-Lernfelder. Die Integration kann und soll in Abhängigkeit des oder der jeweiligen IT-Berufe in einer Klasse erfolgen.

Beispiel: Zuordnung der Lernfeldinhalte für den IT-Systemelektroniker

ProShare_Lernfeldzuordnung1.gif (14155 Byte)

 

Anmerkungen zu den Nutzungsmöglichkeiten des Videokonferenzsystems im Rahmen von SEDIKO:

Die in Erfurt angedachte Konzeption, die Modellversuchsschulen an gemeinsame Projekte zu beteiligen, könnte durch die vorhandenen Videokonferenzsysteme an den Schulen unterstützt werden. Bei der Planung, Durchführung und Präsentation gemeinsamer Projekte können so:

  • Arbeiten an gemeinsamen Anwendungen durchgeführt werden,
  • Präsentationen gleichzeitig für verschiedene Klassen durchgeführt werden,
  • Kosten bei Hardware-Transporten zu Präsentationszwecken verringert werden,
  • Auftretende technische Probleme mit gegenseitiger Unterstützung der Projektbeteiligten gelöst werden,
  • gegenseitige Evaluationen möglich und durchgeführt werden,
  • Lernen durch andere Schülergruppen gefördert werden,
  • Absprachen der Konferenzteilnehmer verbindlicher und verstärkt unterstützt werden.
  • Der kostenbewusste Einsatz von Übertragungszeiten muss allerdings optimiert werden, d.h. Planung und Durchführung usw.
  • Überlegungen über den Einsatz des Internets inkl. Videoübertragungen müssen des weiteren untersucht, genutzt und gefördert werden (Effektivität),
  • Reisekosten gespart werden.

Benutzte und informative Links:
http://www-mm.urz.tu-dresden.de/mbone/MBoneWin95/19_multimedia.html (Bild 1)
http://www-mm.urz.tu-dresden.de/mbone/MBoneWin95/19_multimedia.html (Bild 2)
http://agn-www.informatik.uni-hamburg.de/people/feldmann/Studienarbeit/Produkte/index.htm
http://www-mm.urz.tu-dresden.de/
http://www.life-art.de/proscvs2.htm 

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