Neue Lernkonzepte auf der Grundlage der Lernfelder der Rahmenlehrpläne und die arbeits- und geschäftsprozessorientierte Unterrichtsgestaltung in Projekten der IT-Klassen

Mit dem zentralen Ziel der "Erprobung neuer Konzepte der Lernfeldgestaltung" waren im Modellversuch SEDIKO die folgenden beiden Fragen verbunden:

Die hierzu erfolgten Entwicklungen und Erprobungen bezogen sich im Modellversuch auf die vier neuen IT-Berufe und alle drei Ausbildungsjahre. Grundlage und Ausgangspunkt waren die neuen Rahmenlehrpläne für die IT-Berufe, die nach dem neuen Lernfeldkonzept der KMK entwickelt wurden und als Vorgabe für jeden Beruf 11 Lernfelder enthalten. Zur Struktur der Lernfelder, der Lernfeldinhalte sowie der Zuordnung zu den Ausbildungsjahren in den Rahmenlehrplänen ist nochmals der Rahmenlehrplan für den Beruf IT-System-Elektroniker/-in exemplarisch dargestellt (siehe Abb. 1). Bezogen auf diese Vorgaben und deren Umsetzung in eine den Zielsetzungen der IT-Ausbildung entsprechenden Unterrichtsgestaltung lassen sich auf der Basis der Entwicklungen und Erprobungen im Modellversuch nachfolgende Ergebnisse zusammenfassen wie auch Empfehlungen geben.

Abb. 1: Makrostruktur der Lernfelder im Rahmenlehrplan für den Beruf IT-System-Elektroniker/-in

Der eigene Anspruch der Rahmenlehrpläne, die Pläne am Konzept der Handlungsorientierung auszurichten und die Lernfelder an den beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen der Arbeits- und Geschäftsprozesse zu orientieren, ist aus der Sicht des Modellversuchs unter folgender Bedingung bzw. nach folgendem Verständnis eingelöst:

Insofern ist zur handlungsorientierten und einer geschäftsprozessorientierten Unterrichtsgestaltung der in den Rahmenlehrplänen aufgenommene "Soll-Hinweis" konsequent: "Die Vermittlung der Qualifikations- und Bildungsziele soll an exemplarischen berufsorientierten Aufgabenstellungen lernfeldübergreifend handlungs- und projektorientiert erfolgen" (KMK 1997; Hervorhebung nicht im Original). Weniger konsequent ist dagegen, die Lernfelder in ihrer Struktur der Rahmenlehrpläne sachlich und zeitlich zu zergliedern und auf die drei Ausbildungsjahre zu verteilen (siehe Abb. 1). Die Empfehlung des Modellversuchs ist daher:

Mit dieser Empfehlung ist sich der Modellversuch durch die Unterstützung der Freiräume und der bestehenden Herausforderung zur "schuleigenen" Umsetzung der Lernfelder der verschiedenen "Versuchungen" im Hinblick auf die zu leistende Gestaltung der Unterrichtspraxis bewusst und gibt dazu die weiteren Hinweise:

Mit den Entwicklungen und Erprobungen im Modellversuch liegen zur Umsetzung der Lernfelder eine Vielzahl praktischer Unterrichtsbeispiele vor, denen folgende zwei Modelle als Empfehlung für die Unterrichtsgestaltung in den IT-Klassen zu Grunde liegen:

Abb. 2: Integrative Umsetzung von Lernfeldern und Lernfeldinhalten im Rahmen von Unterrichts- oder Lernfeldprojekten im berufsbezogenen Unterricht

Abb. 3: Umsetzung der Lernfelder und Lernfeldinhalte im Wechsel von Fächer- und Projektunterricht im berufsbezogenen Unterricht

Nach dem ersten Modell werden für den berufsbezogenen Unterricht in einer Grobstruktur Unterrichts- oder Lernfeldprojekte festgelegt und verabredet, die je für sich einen ganzheitlichen Geschäftsprozess repräsentieren und damit die Inhalte von mehr oder weniger allen Lernfeldern des Rahmenlehrplans integrieren (siehe Abb. 2). Die Unterrichtsgestaltung erfolgt gemeinsam und in einem Team von Lehrern, die ihre jeweiligen Kompetenzen in den Unterricht einbringen. Im Sinne einer Orientierungsfunktion werden dem berufsbezogenen Unterricht Fach- oder besser Kompetenzstrukturen hinterlegt (3 bis 4 Kompetenzbereiche), die ihre Bedeutung z.B. für die Beurteilung der Projekt- und Schülerarbeiten oder auch für den Lehrereinsatz haben.

Nach dem zweiten Modell ist der berufsbezogene Unterricht zunächst in drei oder vier "Unterrichtsfächer" bzw. "Kompetenzbereiche strukturiert (siehe Abb. 3). Wie in einigen Ländern in den Rechtsverordnungen zur Berufsschule vorgegeben, können dies für die IT-Berufe z.B. sein: "Anwendungsentwicklung", "Betriebswirtschaftliche Prozesse" und "IT-Systeme". Diesen Fächern oder Bereichen werden die entsprechenden Lernfelder des Rahmenlehrplans zugeordnet. Damit findet der Unterricht zum einen im Rahmen dieser Fächer und einer Teilintegration von Lernfeldern statt. Zum anderen und im Wechsel werden Unterrichts- oder Lernfeldprojekte gestaltet, die wie im ersten Modell je für sich einen ganzheitlichen Geschäftsprozess repräsentieren und damit die Inhalte von mehr oder weniger allen Lernfeldern des Rahmenlehrplans integrieren.

Beide Modelle sind durch die Struktur und Offenheit der Lernfelder möglich und beinhalten je für sich durch die zu gestaltenden integrativen Unterrichts- oder Lernfeldprojekte eine weitere Vielfalt von Möglichkeiten einer geschäftsprozessorientierten Unterrichtsgestaltung. Gerade die Offenheit der Lernfelder ist hierfür die wichtige Voraussetzung, weshalb die Empfehlung gegeben wird:

Verwiesen wird hier auf die Ergebnisse der Entwicklungen und Umsetzungen in den Berichtsabschnitten aller beteiligten Länder in den Modellversuchsberichten. Zum ersten Modell wird beispielsweise auf die Ergebnisse in Hessen hingewiesen, wo ein Arbeits- und Entwicklungsschwerpunkt zur Frage bestand: "Wie müssen Lehr- und Lernprozesse gestaltet sein, um dem Integrationsgedanken der Geschäftsprozessorientierung auf der didaktisch-methodischen Ebene zu genügen? Zum zweiten Modell ist besonders auf die Ergebnisse in Bremen hinzuweisen, wo ein Arbeits- und Entwicklungsschwerpunkt zu den Fragen der "Anforderungsprofile für lernfeldübergreifende Projekte" bestand und ein "Ein System von Projekten" entwickelt wurde. Aus der Sicht des Modellversuchs sind dort zur Gestaltung, Organisation, und Bewertung von Projekten in der IT-Ausbildung auch allgemeine Empfehlungen gegeben.

Zur Unterrichtsgestaltung nach beiden Modellen, die für den Unterricht selbst, die Schüler, die Lehrer und die Schulleitung und -organisation nach den vorliegenden Erfahrungen eine neue und große Herausforderung darstellt und der Schul- und Organisationsentwicklung bedarf, gelten zusammengefasst folgende didaktisch-methodische Hinweise und Voraussetzungen:

Zu den Grundfragen der Lernfeldumsetzung sind mit diesen Ergebnissen die Eckpunkte und Empfehlungen für eine neue Unterrichtsgestaltung in den Mittelpunkt gerückt. Sie sind jedoch nicht isoliert zu betrachten und stehen im Zusammenhang mit dem weiteren Ergebnissen und Empfehlungen des Modellversuchs.