Zusammenarbeit der Berufsschulen und Betriebe und neue Formen der Lernortkooperation in der IT-Ausbildung

Die Lernortkooperation stellt in der dualen IT-Ausbildung eine neue Herausforderung dar und hat nach den Ergebnissen des Modellversuchs eine neue Qualität erhalten. Eine wichtige Voraussetzung dazu war die curriculare Abstimmung der Ausbildungsvorgaben für die Betriebe und Berufsschulen. Diese ist bei den neuen IT-Berufen durch einen hohen Grad an Übereinstimmung der Inhalte der Berufsbilder und der Lernfelder in den Rahmenlehrplänen weitgehend gegeben (siehe Tabelle 1 mit der exemplarischen Gegenüberstellung für zwei der IT-Berufe).

Fachinformatiker/-in in der Fachrichtung Systemintegration

IT-System-Kaufmann/-frau

Teil des Ausbildungsberufsbildes (Betrieb)  Lernfelder des Rahmenlehrplans (Berufsschule) Teil des Ausbildungsberufsbildes (Betrieb) Lernfelder des Rahmenlehrplans (Berufsschule)
1 Der Ausbildungsbetrieb Lernfeld 1: Der Betrieb und sein Umfeld 1 Der Ausbildungsbetrieb Lernfeld 1: Der Betrieb und sein Umfeld
2 Geschäfts- und Leistungsprozesse Lernfeld 2: Geschäftsprozesse und betriebliche Organisation
Lernfeld 8: Markt- und Kundenbeziehungen
Lernfeld 11: Rechnungswesen und Controlling
2 Geschäfts- und Leistungsprozesse Lernfeld 2: Geschäftsprozesse und betriebliche Organisation
Lernfeld 8: Markt- und Kundenbeziehungen
Lernfeld 11: Rechnungswesen und Controlling
3 Arbeitsorganisation und Arbeitstechniken Lernfeld 3: Informationsquellen und Arbeitsmethoden
Lernfeld 5: Fachliches Englisch
3 Arbeitsorganisation und Arbeitstechniken Lernfeld 3: Informationsquellen und Arbeitsmethoden
Lernfeld 5: Fachliches Englisch
4 Informations- und telekommunikationstechnische Produkte und Märkte Lernfeld 4: Einfache IT-Systeme
Lernfeld 9: Öffentliche Netze, Dienste
4 Informations- und telekommunikationstechnische Produkte und Märkte Lernfeld 4: Einfache IT-Systeme
Lernfeld 9: Öffentliche Netze, Dienste
5 Herstellen und Betreuen von Systemlösungen Lernfeld 6: Entwickeln und Bereitstellen von Anwendungssystemen 5 Herstellen und Betreuen von Systemlösungen Lernfeld 6: Entwickeln und Bereitstellen von Anwendungssystemen
6 Systementwicklung Lernfeld 6: Entwickeln und Bereitstellen von Anwendungssystemen 6 Marketing Lernfeld 2: Geschäftsprozesse und betriebliche Organisation
Lernfeld 8: Markt- und Kundenbeziehungen
7 Schulung Lernfeld 10: Betreuen von IT-Systemen 7 Vertrieb
8 Systemintegration Lernfeld 7: Vernetzte IT-Systeme
Lernfeld 10: Betreuen von IT-Systemen
8 Kundenspezifische Systemlösungen Lernfeld 6: Entwickeln und Bereitstellen von Anwendungssystemen
9 Service 9 Auftragsbearbeitung Lernfeld 8: Markt- und Kundenbeziehungen
Lernfeld 11: Rechnungswesen und Controlling
10 Fachaufgaben im Einsatzgebiet (Rechenzentren, Netzwerke, Client-Server, Festnetze, Funknetze) Lernfeld 1 - 11 10 Fachaufgaben im Einsatzgebiet (Branchensysteme, Standardsysteme, technische Anwendungen, kaufmännische Anwendungen, Lernsysteme) Lernfeld 1 - 11

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Berufsbilder und der Lernfelder in den Rahmenlehrplänen für zwei der IT-Berufe

Auf der Grundlage dieser Ausbildungsvorgaben konnten Abstimmungen und Kooperationen in der IT-Ausbildung herbeigeführt werden, die von der Zuweisung bestimmter Inhalts- und Themenbereiche zu einem der beiden Lernorte bis zu abgestimmten Ausbildungseinheiten und der Durchführung gemeinsamer Ausbildungsprojekte führte.

Die Qualität der Lernortkooperation und auch was die Zusammenarbeit bei den neuen IT-Prüfungen betrifft ist insgesamt ganz wesentlich durch die Größe der Ausbildungsbetriebe sowie die Anzahl der Auszubildenden in den Betrieben bestimmt. Auffällig und durch die neuen IT-Berufe geprägt ist, dass viele Betriebe erstmals in der dualen Berufsausbildung ausbilden und daher kaum Erfahrungen zu dieser Ausbildung und in der Zusammenarbeit mit den Berufsschulen besitzen. Für diese Betriebe fiel der Berufsschule eine besondere Rolle zu, so dass einerseits Aufklärungsarbeit über den gemeinsamen Bildungsauftrag geleistet werden musste und andererseits losgelöst von den alten Traditionen und angesichts der für beide Lernorte gegebenen neuen Herausforderungen und Aufgaben ganz neue Formen der Zusammenarbeit und Lernortkooperation entwickelt wurden.

Von zentraler Bedeutung für die Lernortkooperation unter organisatorischen und inhaltlichen Aspekten ist die Abstimmungen und Zusammenarbeit auf den verschiedenen Leitungs-, Ent-scheidungs- und Durchführungsebenen. Eine Kooperation die nicht von den konkret inhaltlich Handelnden und zugleich von den organisatorisch Verantwortlichen gestützt und mitgetragen wird ist in der Regel wenig erfolgreich. Dies beginnt bei der dualen Organisation des Teilzeitunterrichts, die zwischen den beteiligten Institutionen abzustimmen ist und zu der sich für die IT-Ausbildung im Modellversuch zunehmend der "Blockunterricht" als günstig herausgestellt hat. Die inhaltliche Abstimmung muss ebenso von allen Beteiligten getragen werden und sollte auf der Basis und im Sinne eines abgestimmten Bildungsplans erfolgen. Zu beachten sind dabei die Freiräume der Ausbilder und Ausbilderinnen und Berufsschullehrer und Berufsschullehrerinnen, zu der insgesamt die notwendigen ausbildungs- und schulorganisatorischen Voraussetzungen zu schaffen sind. Vielfach notwendig ist ebenso eine gemeinsame Verständigung über die Kompetenzen und Aufgaben der beiden Lernorte sowie über die didaktisch-methodischen Konzepte, zu der in der IT-Ausbildung insbesondere die Ausbildungsgestaltung im Sinne der Geschäfts- und Arbeitsprozessorientierung gehört. Insgesamt ist die Empfehlung:

Die Ergebnisse basieren auf den Entwicklungen und Erprobungen an den Modellversuchsschulen der beteiligten Länder und weisen im einzelnen Unterschiede, bedingt durch die regionalen Wirtschafts- und Betriebsstrukturen, wie die skizzierten Gemeinsamkeiten auf. Konkretisiert und auf eine Region bezogen zeigt sich dies selbst an den verschiedenen Umsetzungen und gefundenen Lösungen beispielsweise in Hessen, wo auch im Rahmen des Modellversuchs ein besonderer Arbeits- und Entwicklungsschwerpunkt zu den Fragen der Lernortkooperation und der Zusammenarbeit von Betrieb und Schule lag.