Einsatz multimedialer Lernsysteme und
die Gestaltung von Lernräumen und Ausstattungen

Mit dem Modellversuchsziel der "Entwicklung und Erprobung neuer Konzepte der Lernraumgestaltung" sollte im Modellversuch SEDIKO in der didaktisch-methodischen Interdependenz die Ziel- und Umsetzung neuer Lernkonzepte folgerichtig gestützt werden. In der Ausbildung der neuen IT-Berufe gilt mehr noch als in den alten Berufen, dass sich eine den Lernorten entsprechende traditionelle Trennung in Theorie und Praxis immer weniger begründen lässt. Die Auswirkungen sind unmittelbar bei den Lernkonzepten mit einem geschäftsprozessorientierten Unterricht erkennbar und müssen insbesondere in einer den IT-Ausbildungs- und Unterrichtszielen entsprechenden IT-Lernraumgestaltung zum Ausdruck kommen. Untrennbar aufgrund der Entwicklungen ist damit heute der zunehmende Einsatz multimedialer Lernsysteme verbunden, die einerseits im Unterricht z.B. die klassische "Tafel und Kreide" ergänzen und die Umsetzung neuer Lernkonzepte unterstützen können und andererseits bei der Frage der Lernraumausstattungen eine zunehmende Rolle einnehmen.

Einsatz Multimedialer Lernsysteme

Zu den Untersuchungen und Ergebnissen des Modellversuchs zum Einsatz multimedialer Lernsysteme bildete zunächst ein weiter Begriff von "Multimedia" die Grundlage. Dies war notwendig, weil bereits der PC in Verbindung mit verschiedenen Anwendungsprogrammen und oft integrierten Hilfe- und Lernprogrammen (Einführung, Bedienung usw.) als ein multimediales Lernsystem betrachtet werden kann. Insofern hat heute z.B. der Einsatz von MS-Project oder MindManager oder PowerPoint als Lernsystem und in Verbindung mit dem Einsatz eines Beamers auch als multimediales Lehrsystem eine hohe Bedeutung in der IT-Ausbildung und bei der Umsetzung neuer Lernkonzepte. In besonderer Weise gilt dies für die Nutzung des multimedial angelegten Internets in vielfältigen Unterrichtssituationen, durch die nicht nur das Schulbuch als klassisches Unterrichtsmedium ergänzt wurde. Gerade die Entwicklungen und Präsentationen des Modellversuchs SEDIKO zeigen, dass heute das Internet eine multimediale und multifunktionale Plattform mit interaktiven Kommunikationsmöglichkeiten ist und als "vernetztes Lernsystem" klassen-, schul- und auch landes- und länderübergreifend genutzt wurde. Die Umsetzung der neuen Lernkonzepte und von Unterrichtsprojekten wie z.B. Unternehmensgründung, Webgestaltung oder e-commerce wären heute ohne das Internet kaum denkbar und haben eine neue Qualität erhalten.

Daneben sind als multimediale Lernsysteme im Sinne von CBT oder CAL begrenzt spezielle Lernprogramme im IT-Unterricht eingesetzt worden. Hierzu ist das Ergebnis des Modellversuchs grundsätzlich ernüchternd, da es direkt für die "berufliche" Ausbildung in den neuen IT-Berufen kaum empfehlenswerte Angebote gibt. Der entsprechende Markt stellt hier bisher fast ausschließliche Lernprogramme für eine allgemeine IT-Bildung bereit, die damit nur beschränkt die beruflichen Ausbildungsziele berücksichtigen.

Im Modellversuch wurden daher selbst erste Schritte unternommen, um mit Hilfe geeigneter Autorensysteme, wie z.B. "Mediator", Lernprogramme für die IT-Ausbildung zu erstellen. Die Empfehlung ist:

Nach den vorliegenden Erfahrungen ist der Aufwand, der von den Lehrern ja neben dem Unterricht zu leisten ist, nicht zu unterschätzen. Dennoch sind die ersten Ergebnisse vielversprechend und sie machen Mut, wie z.B. in Thüringen komplette Unterrichtsprojekte multimedial und im Sinne von Lernprogrammen aufzubereiten.

Darüber hinaus gibt es einen sich entwickelnden und zunehmenden Markt, der wiederum das Internet nutzt und Lernprogramme oder komplette Studienprogramme, wie z.B. von der FernUni Hagen, und Zertifizierungslehrgänge, wie z.B. von Cisco oder MSC, im Sinne von WBT oder e-learning anbietet. Hier sind unmittelbar für die IT-Ausbildung, wie z.B. auch unter "www.ets-online.de" im Ansatz versucht, sicher einige Angebote in der Perspektive von Zusatzqualifikationen interessant, deren Einsatz und Nutzung im Modellversuch allerdings bisher nur eingeschränkt betrachtet wurde und der weiteren Untersuchungen bedarf.

Gestaltung und Ausstattung von IT-Lernräumen

Die Fragen zur Gestaltung und Ausstattung von IT-Lernräumen, die Service- und Dienstleistungskompetenzen optimal fördern, führten im Ergebnis weit über das hinaus, was mit den Intentionen und Aufgaben im Modellversuch ursprünglich geplant war. Ausgehend von den Ideen und einem Leitkonzept zur Lernraumgestaltung (siehe Abb. 26) erwies sich dies als Orientierungsgrundlage zwar für einen "Lernraum" im engeren Sinn geeignet, doch stellte sich an den Modellversuchsschulen schnell heraus, dass die gesamte Schule als neuer vernetzter und dementsprechend zu gestaltender "IT-Raum" bzw. als "IT-Schule" betrachtet werden musste. Die entwickelten Lernraumkonzepte finden insofern heute eine Einbindung in ein über verschiedene Stufen erstelltes komplexes Schul-Netzwerk, welches den Vergleich mit betrieblichen Netzwerken mittlerer Unternehmen nicht zu scheuen braucht.

Ein Schulkonzept und deren Umsetzung in ein IT-Schulnetzwerk, wie z.B. in Bremen oder Erfurt (siehe Modellversuch Zwischenbericht 2 SEDIKO 2001, Kapitel 7.3.5 und Kapitel 6.3), ist nach den Ergebnissen des Modellversuchs eine Voraussetzung für die im weiteren entwickelten Lernraumkonzepte. Die Anforderungen hierzu gehen weit über die einfachen Vorstellungen von "Schulen ans Netz" hinaus, da diese an den Berufsschulen gleichzeitig denen der Ausbildung von qualifizierten IT-Fachkräften zu genügen haben. Als wesentliche Konzeptmerkmale seien hier nur genannt:

Im Modellversuch wurden an den Schulen die Netzwerke und Server meist selbst auf der schulspezifisch entwickelten Konzeptgrundlage aufgebaut und eingerichtet. Die entstandenen und enormen Belastungen der IT-Lehrer und Lehrerinnen sollten zukünftig reduziert werden und sind mit folgenden Forderungen verbunden:

Bei den Entwicklungen der Lernraumkonzepte im engeren Sinne sind im Modellversuch unterschiedliche Wege beschritten und umgesetzt worden. Sie korrespondieren im wesentlichen mit den je umgesetzten Lernkonzepten auf der Basis der beiden Modelle zur Lernfeldumsetzung. Danach lassen sich folgende Konzepte unterscheiden:

Abb. 1: An den beruflichen Handlungsfeldern der neuen IT-Berufe orientierte Lernräume der Lernetage in Erfurt

Die Umsetzung dieser Konzepte war an den Modellversuchsschulen neben der didaktisch-methodischen Abhängigkeit vom je umgesetzten Lernkonzept zwangläufig geprägt und bestimmt durch die vorhandenen finanziellen und materiellen Möglichkeiten der Schulen. Die Erfahrungen und Evaluationen haben aber gezeigt, dass die Entwicklungen weg vom klassischen Fachraum mehr Lernqualität bedeuten und Service- und Dienstleistungskompetenzen besser gefördert werden können, da Räume, die z.B. an den beruflichen Handlungsfeldern der neuen IT-Berufe orientiert sind, seitens der Schüler ein hohes Maß an Selbstorganisation und Selbstdisziplin fordern, vorhandene Kompetenzdefizite der Schüler unmittelbarer aufgedeckt werden und arbeits- und ausbildungsrelevante Problemstellungen nicht mühsam konstruiert werden müssen.

Unabhängig vom konkreten Konzept der Lernraumgestaltung kann der Modellversuch für die notwendigen Ausstattungen der Lernräume in der IT-Ausbildung folgende allgemeine Empfehlung geben:

Notwendige Hardware:

Notwendige Software:

Notwendige Grundausstattung:

Diese Empfehlung zur Ausstattung der Lernräume soll die Lernkonzepte zur Durchführung geschäftsprozessorientierter Projekte wie auch systematischer Unterrichtsphasen unterstützen und berücksichtigt die technische und kaufmännische Qualifikationsvermittlung in Richtung berufsübergreifender Service- und Dienstleistungskompetenzen. Mediendidaktisch soll zur Förderung selbstgesteuerten und selbstorganisierten Lernens bei der Umsetzung eine experimentelle Lernumgebung entstehen (wenig Festinstallationen, migrationsfähige Ausstattungen) und der Einsatz von möglichst realen Hardware- und Softwareprodukten, die auch im beruflichen Arbeitsumfeld der IT-Berufe verwendet werden, eine hohe Priorität haben. Hier kann sich zur Frage der Finanzierbarkeit solcher realer Ausstattungen eine Symbiose ergeben, wenn mehr als in der Vergangenheit die Möglichkeiten des Sponsoring (Hardware, Software, Lizenzen, aktuelle Entwicklungen usw.) ausgelotet werden.