Erforderliche Veränderungen in der zweiten und dritten Phase der Lehrerbildung für den IT-Bereich

Die Entwicklungen und Erprobungen im Modellversuch weisen in ihrer Breite grundlegende Veränderungen in der Unterrichtsgestaltung auf. Bei den neuen IT-Berufen kommen sie auf der Ebene der Berufs- und Fachinhalte wie auf der berufspädagogischen Ebene der Didaktik und Methodik unmissverständlich zum Ausdruck und haben die Berufsschullehrer und Berufsschullehrerinnen mit ihren meist vor etlichen Jahren erworbenen Kompetenzen neu herausgefordert. Mit der Frage, "Durch welche Strategien und Formen lassen sich im Modellversuch die Lehrerinnen und Lehrer für die notwendigen Veränderungen und Innovationen gewinnen?", wurde daher durch den besonderen Arbeitsschwerpunkt in Hessen nach Antworten gesucht, die im Ergebnis insbesondere zu den folgenden gemeinsamen Empfehlungen und Vorschlägen zu notwendigen Veränderungen in der Aus- und Weiterbildung der Berufsschullehrer und Berufsschullehrerinnen für den IT-Bereich geführt haben.

Vorschläge zur Änderung der Lehrerausbildung ohne die Auseinandersetzung mit der ersten Phase müssen unvollständig bleiben, trotzdem soll hier der Schwerpunkt auf der zweiten und dritten Phase liegen, die dem Hochschulstudium folgen. Dies erfolgt unter dem Gesichtspunkt der unmittelbaren Nähe zur Ausbildungs- und Arbeitsrealität in der Berufsschule und der Berücksichtigung der im Modellversuch SEDIKO gewonnenen Erkenntnisse.

Eine zentrale Forderung seitens des Modellversuchs in Bezug zur ersten Phase soll dennoch genannt werden: Die schnellst mögliche bundesweite Einrichtung eines Studiengangs für das Lehramt an beruflichen Schulen mit pädagogischem, wirtschaftlichem, elektrotechnischem, informationstechnischem und medialem Inhalt sowie der zugehörigen didaktischen Auseinandersetzung. Ausgebildet werden sollen Lehrer, die in den Klassen der neuen IT-Berufe und anderen neuen Berufen im medialen und informatorischen Bereich unterrichten. Grundlage der didaktischen Auseinandersetzung sollen die neuen, an den Lernfeldern orientierten Lehrpläne sein. Es muss gewährleistet sein, dass die einzelnen Ausbildungsphasen fließender ineinander übergehen und Seminar und Universität in engem inhaltlichem Kontakt stehen.

Neben diesem realistischerweise als eher langfristig zu erreichendem Ziel muss die möglichst sofortige Einrichtung von Informatik an beruflichen Schulen als Zweitfach im Studium sein, damit die im Augenblick gravierenden Mängel an ausgebildeten Lehrern mit systematischem Hintergrundwissen und -erfahrung kompensiert werden können.

Die durch die Einführung der Lernfelder sehr weitreichende Umstrukturierung von Schule und Unterricht ergibt auch für die Lehrerausbildung veränderte Ausbildungsbedingungen. Die Übertragung curricularer Aufgaben an die Schule erfordert Kompetenzen, die weit über das hinausgehen, was bislang den Unterricht in den (Berufs-)Schulen charakterisierte: Mit der berufsfachlichen Kompetenz, die sich in wirtschaftlich-verwaltende und informationstechnische Anteile gliedert und die Kenntnis der beruflichen Geschäfts- und Arbeitsprozesse einschließt, ist eine fundierte curriculare und didaktische Kompetenz erforderlich. Nur so lässt sich die Forderung nach Entwicklung von Schulcurricula erfüllen.

Die kreative Entwicklung von Lernsituationen und deren ebenso kreative Umsetzung bekommt eine zentrale Bedeutung im Beruf des Lehrers an den beruflichen Schulen. Die didaktische Orientierung an Geschäftsprozessen erfordert Kompetenzen im Bereich der Teamarbeit und Teamentwicklung, im Bereich ökonomischer Verfahrensweisen und im Bereich der informationstechnischen Entwicklung. Daraus ergibt sich ein zentrales Ausbildungsziel für die zweite Phase der Lehrerbildung, das sich als Vermittlung von Kompetenzen zur Realisierung im Lehrerteam zu entwickelnder und gemeinsam gestalteter, geschäftsprozessorientierter Lernsituationen ganz generell beschreiben lässt. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es nach Auffassung der am Modellversuch SEDIKO beteiligten Lehrer einiger grundlegender Änderungen in der Gestaltung der zweiten Phase:

Im Hinblick auf die dritte Phase der Lehrerausbildung verlangt zeitnaher, geschäftsprozess- und handlungsorientierter Unterricht (Vgl. hierzu insbesondere Meyer 1987, Seite 395ff) von einem Lehrerteam eine ständige Auseinandersetzung mit Entwicklungen insbesondere im informatorischen Bereich. Diese Entwicklungen müssen aber jeweils vor dem Hintergrund didaktischer Kriterien reflektiert werden, um eine Übertragung auf die Lernsituationen vornehmen zu können. Dazu bedarf es einer Fortbildung, die zum Ziel hat:

Darüber hinaus, und dies gilt für alle drei Phasen der Lehrerbildung, muss die fremdsprachliche Kompetenz von Lehrern im IT-Bereich durch eine verstärkte Berücksichtigung der Fremdsprache Englisch sowohl in der allgemeinen als auch in der fachspezifischen wirtschaftlichen und technischen Ausprägung verbessert und durch entsprechende Angebote in der Aus- und Weiterbildung gefördert werden.