Neue Konzepte in der IT-Prüfung und Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Verfahren

Die neuen IT-Berufe sind nicht nur durch neue Berufsstrukturen und ein neues Ausbildungskonzept, sondern ebenso durch ein neues Prüfungskonzept gekennzeichnet. Auf der Grundlage dieses neuen Prüfungskonzeptes hat sich deren Umsetzung und die konkrete Durchführung der IT-Prüfungen bisher nicht ganz ohne Probleme vollzogen. Besonders die überwiegend unbefriedigenden Prüfungsergebnisse, die sich nicht vorrangig auf die Leistungen der Auszubildenden und der Ausbildung in den Betrieben und Berufsschulen zurückführen lassen, haben die Verantwortlichen aufgeschreckt und erfordern aus der Sicht des Modellversuchs SEDIKO Modifikationen zur Konzeptumsetzung und den Verfahren in der IT-Prüfung.

In den neuen IT-Berufen wird gemäß Berufsbildungsgesetz und entsprechend der Ausbildungsordnungen während der Berufsausbildung eine Zwischenprüfung und die Abschlussprü-fung durchgeführt (vgl. BBiG 1969, § 34 und § 42; BMWi 1997).

Die Zwischenprüfung findet nach etwa der Hälfte der Ausbildungszeit statt. Sie besteht laut Ausbildungsordnung aus vier Aufgaben unterschiedlicher Gebiete, die sich auf praxisbezogene Fälle beziehen sollen (siehe Abb. 2). Die Umsetzung der Aufgaben in der Prüfungspraxis erfolgt weitgehend in programmierter Form. Die entsprechende Korrektur reduziert sich auf den Einsatz einer "Lösungsschablone", d.h. auf einen unreflektierten Vergleich der angekreuzten Antworten. Das Hauptproblem in der Zwischenprüfung ist, dass nur eine geringe berufsspezifische Übereinstimmung der Ausbildungs- und Prüfungsinhalte besteht, sich die Prüfungsfragen überwiegend auf ein reines Faktenwissen beziehen und nur begrenzt der tatsächlich erreichte Ausbildungsstand der Auszubildenden festgestellt wird (vgl. auch Petersen/Wehmeyer 2001, S. 147ff).

Abb. 1: Ab- und Übereinstimmung der Ausbildungs- und Prüfungsinhalte in den neuen IT-Berufen

Die Folgen dieses Zustands sind wenig objektive und ungerechte Bewertungen der Ausbildungs- und Prüfungsleistungen und, obwohl die Zwischenprüfung kaum Konsequenzen nach sich zieht, eine ungute Prüfungserfahrung und ein schlechter Ausblick der Auszubildenden auf die IT-Abschlussprüfung.

Abb. 2: Konzept der Zwischenprüfung und Abschlussprüfung in den neuen IT-Berufen

Die Abschlussprüfung besteht aus zwei gleichwertigen Prüfungsteilen A und B. Der Teil A beinhaltet eine "Betriebliche Projektarbeit" einschließlich dessen Projektdokumentation sowie die Präsentation und ein Fachgespräch über die Projektarbeit. Der Prüfungsteil B ist durch zwei "Ganzheitliche Aufgaben" gekennzeichnet, die sich auf die berufsspezifischen Inhalte (Fachqualifikationen) und die gemeinsamen Ausbildungsinhalte (Kernqualifikationen) der IT-Berufe beziehen, und einer Prüfung im Fach Wirtschafts- und Sozialkunde. Die Bewertung der "Betrieblichen Projektarbeit" im Prüfungsteil A stellt insofern ein Problem dar, da die Arbeiten in ihrer betriebsspezifischen Ausrichtung und inhaltlichen Gestaltung in der Regel nur formal in der "Präsentation" und kaum wirklich inhaltlich von den Prüfungsausschüssen beurteilt werden. Das Problem der Objektivität und Vergleichbarkeit stellt sich bei den beiden Ganzheitlichen Aufgaben im Prüfungsteil B anders und dahingehend, da sie zu wenig auf den jeweiligen Ausbildungsberuf und die regionalen Ausbildungsgegebenheiten abgestimmt sind. Wie bei der Zwischenprüfung bewerten die Auszubildenden auch hier die Übereinstimmung der Ausbildungs- und Prüfungsinhalte als "zu gering" (siehe Abb. 1).

Da die Berufsschulen sich nicht nur für die Leistungen der Auszubildenden in den IT-Prüfungen mitverantwortlich fühlen, sondern die Berufsschullehrer und Berufsschullehrerinnen auch vielfach in den Prüfungsausschüssen und unmittelbar an den Prüfungen mitwirken, ist hier die Frage nach möglichen Veränderungen und Verbesserungen gestellt. Dazu konnten zunächst vor dem Hintergrund der Modellversuchsfrage nach der Abstimmung und dem Zusammenhang von Ausbildungs- Unterrichts- und Prüfungskonzept wertvolle Erkenntnisse und Einsichten gewonnen werden. Diese fanden nicht nur in den neuen Lernkonzepten und Lernfeldumsetzungen im Rahmen der durchgeführten Unterrichtsprojekte Berücksichtigung. Im Hinblick auf diese Projekte und die Prüfungen gingen beispielsweise die Abstimmungen so weit, dass Berufsschullehrer und Berufsschullehrerinnen, die teils auch als Schulvertreter in den Prüfungsausschüssen tätig sind, in enger Zusammenarbeit mit den Kammern gemeinsame Beurteilungskriterien für die Unterrichts- und Prüfungsprojekte entwickelt haben. Das heißt, die Bewertung der schulischen Projekte im 2. und 3. Ausbildungsjahr erfolgt auf der abgestimmten Grundlage der Beurteilungsbögen für die "Betriebliche Projektarbeit", um die Schülerinnen und Schüler mit den Kriterien der Beurteilung und den Schwerpunkten der Bewertung in der Prüfung rechtzeitig vertraut zu machen - wie konkret am Schulzentrum Utbremen aufgrund der Zusammenarbeit mit der Handelskammer Bremen durchgeführt.

Neben den Einzelaktivitäten vor Ort und den Bemühungen zur Verbesserung der Umsetzung des Prüfungskonzeptes und der Durchführung der IT-Prüfungen hat die Auswertung und Diskussion der Erkenntnisse und Erfahrungen aus der bisherigen IT-Prüfungspraxis zu folgender gemeinsamen Empfehlung des Modellversuchs SEDIKO geführt:

Abb. 3: Empfehlung zur Zwischen- und Abschlussprüfung in den neuen IT-Berufen